Ärzte Zeitung, 14.04.2010

Viele Geschädigte verzichten auf Ansprüche

Versicherungen zahlen nach einem unverschuldeten Unfall auch eine Entschädigung für Haushaltshilfen. Doch nur wenige Anspruchsberechtigte beantragen diese Leistung.

Von Anja Krüger

Viele Geschädigte verzichten auf Ansprüche

Nicht bei Schleudertraumata, wohl aber bei Beinbrüchen zahlen Versicherungen eine Haushaltshilfe. © INSADCO / imago

KÖLN. Nach einem unverschuldeten Unfall haben Ärzte nicht nur Anspruch auf Verdienstausfall, sondern auch auf eine Entschädigung, wenn sie ihren Haushalt nicht mehr führen oder nicht mehr mithelfen können. Auch wer durch einen Unfall einen Angehörigen verliert, hat möglicherweise Anspruch auf Geld vom Versicherer des Unfallverursachers. Doch das ist vielen nicht klar. "Viele Geschädigte verzichten auf Ansprüche, weil sie nicht wissen, dass sie sie haben", sagt der Nürnberger Rechtsanwalt Joachim Reitenspiess vom Deutschen Anwaltsverein.

Die Unfallopfer müssen den Anspruch stellen

Denn der sogenannte Haushaltsführungsschaden ist weitgehend unbekannt. Versicherer zahlen nicht nur dann, wenn Hausfrauen oder Hausmänner nach einem Unfall nicht mehr putzen, kochen und waschen können. Auch Ärzte und andere Berufstätige bekommen Geld. Allerdings müssen Unfallopfer diesen Anspruch auch stellen. Von selbst wird der Versicherer nichts anbieten. "Generell gilt, dass Versicherer Schäden nur regulieren, wenn sie geltend gemacht werden", erklärt Reitenspiess. Ein einfaches Schleudertrauma reicht für einen Anspruch allerdings nicht. "Man muss so schwer an Arm, Bein, Hand oder einem anderen Körperteil verletzt sein, dass man außer Gefecht gesetzt ist", sagt der Anwalt.

Auch indirekt Geschädigte haben einen Anspruch auf Entschädigung. Reitenspiess hat für eine Seniorin 40 000 Euro erstritten, deren Mann bei einem Unfall ums Leben kam. Die Frau ist zu 90 Prozent schwerbehindert, leidet unter Herzbeschwerden und anderen Erkrankungen. Bis zu seinem tödlichen Unfall hatte der Mann sie regelmäßig versorgt.

Die Schäden können auch fiktiv abgerechnet werden

Um eine Entschädigung zu bekommen, muss der Verletzte detailliert darstellen, welche Arbeiten er im Haushalt verrichtet hat und was er nun nicht mehr tun kann. Wer eine Haushaltshilfe einstellt, kann die Belege dem Versicherer schicken und bekommt die Kosten erstattet. Doch nur wenige Unfallopfer reichen Quittungen ein. "Die meisten Schäden werden fiktiv abgerechnet", sagt Reitenspiess.

Haben die Geschädigten dem Versicherer ihren Anspruch gemeldet, erhalten sie einen Fragebogen. Der Versicherer informiert sich nicht nur über das Ausmaß der körperlichen Verletzung. Er will auch wissen, wie groß die Wohnung ist, ob Kinder versorgt werden müssen und was der Verunglückte im Haushalt geleistet hat.

Anhand von Tabellen ermitteln die Versicherer den Grad der Beeinträchtigung und den Stundenbedarf. "Dabei wird die individuelle Situation berücksichtigt", berichtet Gerhard Patzak, Leiter der Personalschadenabteilung beim Autoversicherer HUK-Coburg. Wer einen großen Garten in Ordnung hält, bekommt im Sommer mehr Geld als in einer anhaltenden Frostperiode - es sei denn, er müsste auch Schnee schippen. "Wenn der Anspruchsteller keine Ersatzkraft beschäftigt, legen wir einen Stundensatz zugrunde", berichtet er. Der Stundensatz liegt im Schnitt bei 7,50 Euro, kann aber regional abweichen. Wer in einem Haushalt mit zwei erwerbstätigen Personen lebt und einen Monat beim Saubermachen ausfällt, kann mit rund 1000 Euro Entschädigung rechnen.

Bei schweren Unfällen ist das Prozedere anders

Bei sehr schweren Unfallfolgen, durch die Personen über Monate außer Gefecht gesetzt oder gar lebenslang beeinträchtigt sind, ist das Prozedere anders. Viele Versicherer arbeiten für solche Fälle mit speziellen Dienstleistern zusammen, die sich um die reibungslose Rehabilitation des Verunglückten kümmern. Dazu gehört auch die Versorgung des Haushalts nach der Klinikentlassung. Auch diese Geschädigten haben Anspruch auf Regulierung des Haushaltsführungsschadens. "Sie können mit dem Versicherer eine Rente aushandeln oder eine Einmalzahlung", berichtet Patzak.

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