Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Bye-bye Billigtarif: Zweiter PKV-Anbieter steigt aus

KÖLN (iss). Mit der Central verabschiedet sich der zweite große private Krankenversicherer aus dem Segment der Billigtarife mit geringem Leistungsumfang. Der Kölner Versicherer hat zum 1. August den Verkauf seines Tarifs "Ecoline" eingestellt.

"Wir werden uns zukünftig auf das höherwertige Preissegment konzentrieren", sagt der Vorstandsvorsitzende der Central Heinz Teuscher.

Damit folgt das Unternehmen - die Nummer fünf im Markt - dem Beispiel des PKV-Marktführers DKV, der vor einigen Wochen den Ausstieg aus dem niedrigpreisigen PKV-Segment angekündigt hatte. Bei der DKV erfolgt der Schnitt allerdings erst zum Jahresende.

Ein 30-jähriger Mann hat bei der Central für den Ecoline-Tarif mit dem höchsten Selbstbehalt von 1200 Euro nur 125,05 Euro im Monat bezahlt. Der günstigste Einsteigertarif kostet bei einem Selbstbehalt von 1000 Euro künftig für einen 30-Jährigen 217,43 Euro.

Die Central und die DKV haben die Erfahrung gemacht, dass die Versicherten in den einmal gewählten Billigtarifen bleiben. "Wir wollten Kunden über Einsteigertarife für höherwertige Tarife gewinnen. Das ist jedoch nicht eingetreten", sagt Teuscher.

Geringverdiener können selbst niedrige Prämien nicht aufbringen

Bei der Central kommt ein weiteres Problem hinzu. Sie hat sich über die Billigtarife viele Nichtzahler ins Haus geholt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben überdurchschnittlich viele Kunden, die ihre Beiträge nicht bezahlen.

Genaue Angaben über ihre Zahl macht das Unternehmen allerdings nicht. Der hohe Anteil der Nichtzahler liegt unter anderem daran, dass der Versicherer mehr Selbstständige versichert als der Marktdurchschnitt.

Die Billigtarife haben auch viele Selbstständige mit geringen Einkommen gewählt, die nach einiger Zeit selbst die geringen Prämien nicht mehr aufbringen können oder wollen. Auch mit der Entwicklung der Leistungsausgaben in den Billigtarifen ist die Central nicht zufrieden.

Fokus bei hochwertigen Angeboten

Das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren hat den Versicherer zur Abkehr von diesem Marktsegment bewogen. Man habe das Für und Wider der strategischen Neuausrichtung lange abgewogen, teilt der Central-Vorstand in einer Information an die Vermittler mit.

Er wolle die mit dem Tarif verbundenen Risiken aber nicht länger verantworten. "Die Central wird sich in Zukunft sehr viel stärker als bisher im Plus- und Topline-Segment als Anbieter mit hochwertigem und modernem Versicherungsschutz positionieren", kündigt der Vorstand an.

Außerdem wolle das Unternehmen künftig einen noch stärkeren Fokus auf die Zusatzversicherung legen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »