Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Weihnachten in der PKV: Tariferhöhung bis 60 Prozent

Was sich schon länger abgezeichnet hat, kommt nun auch bei den Kunden an: Viele Privatversicherer verteuern ihre Tarife - teilweise sogar um 60 Prozent. Experten raten den Versicherten, hartnäckig zu bleiben.

Weihnachten in der PKV: Tariferhöhung bis 60 Prozent

Innerhalb des Versicherers kann er sich lohnen: Ein Tarifwechsel in der PKV.

© N-Media-Images / fotolia.com

KÖLN (iss). Zweistellige Prämienerhöhungen für private Vollversicherungen scheinen in diesem Jahr an der Tagesordnung zu sein.

Beim Bund der Versicherten (BdV) häufen sich zurzeit die Beschwerden von Mitgliedern über solche Mitteilungen ihrer Unternehmen "In vielen Tarifen steigen die Beiträge 2012 um mehr als 20 Prozent", sagte Thorsten Rudnik vom Vorstand der Verbraucherorganisation der "Ärzte Zeitung".

Rund ums Jahresende wenden sich in der Regel rund 500 Mitglieder an den BdV, um sich über Beitragserhöhungen in der PKV zu beschweren und sich über Handlungsoptionen zu informieren.

"So große Ausreißer wie in diesem Jahr hatten wir bisher noch nie", berichtet Rudnik. In manchen Fällen lägen die Anhebungen bei 40 oder 60 Prozent.

Schneller Wechsel kaum die bessere Lösung

Bei Steigerungen von 30 Prozent und mehr handele es sich meistens um Billigtarife. Mit diesen Angeboten, die mit einem geringen Leistungsumfang und knapp kalkulierten Beiträgen operieren, haben einige Versicherer versucht, neue Kundengruppen zu gewinnen.

Bei vielen Tarifen ließ sich das niedrige Prämienniveau aber nicht lange halten.

Nach einer Untersuchung des Analysehauses Franke und Bornberg mussten zum Jahresanfang 2012 elf Anbieter die Beiträge im zweistelligen Prozentbereich erhöhen.

Aber auch bei "normalen" Vollversicherungen gebe es in diesem Jahr starke Prämienerhöhungen, sagt Rudnik.

Manche Kunden würden deshalb überlegen, zu einem anderen PKV-Unternehmen mit günstigeren Beiträgen zu wechseln. Das sei aber fast immer eine schlechte Alternative, betont er.

"Hartnäckig bleiben"

Sinn machen könne ein solcher Schritt höchstens für junge, kerngesunde Versicherte, die erst ein, zwei Jahre bei einem Versicherer sind und erkennen, dass die eine schlechte Gesellschaft gewählt haben. Für alle anderen mache die Suche nach einem neuen Anbieter keinen Sinn, so Rudnik.

"Sie fangen bei dem neuen Unternehmen bei Null an", sagt er. Der Versicherer prüfe den Gesundheitszustand neu, das Einstiegsalter sei gestiegen und vor allem verliere der Kunde alle oder einen großen Teil der Alterungsrückstellungen - die ja gerade den Beitragsanstieg in späteren Jahren dämpfen sollen.

Deshalb sollten Versicherte sich bei ihrem eigenen Anbieter nach einem Tarif mit einem vergleichbaren Leistungsniveau erkundigen.

Bei dem ihnen gesetzlich zustehenden Wechsel innerhalb des Unternehmens müssen sich viele Versicherte aber auf längere Auseinandersetzungen gefasst machen.

Mit unterschiedlichen Tricks versuchen die PKV-Anbieter, die Kunden von diesem Schritt abzubringen - oft indem sie gar nicht erst auf entsprechende Anfragen reagieren. "Da muss man hartnäckig bleiben", empfiehlt Rudnik.

[23.12.2011, 13:57:54]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Massiver Imageverlust und "Perfomance"-Schwäche!
Die PKV-Finanz-Strategen werden zwischen Lockvogel-Angeboten der virtuell günstigen Konkurrenz im Internet und der Realität in der privaten Krankenversicherung zerrieben: Der Standardtarif gilt n u r für ambulante haus- und fachärztliche Behandlung. Je eine Zusatzpolice für stationäre Krankenhausbehandlung, Zahnbehandlung, Zahnersatz u n d Krankengeldzahlungen am Ende der Lohnfortzahlung. Für Kinder und evtl. nichtarbeitende Ehefrau das Ganze nochmal von vorne bis auf die Krankengeldabsicherung.

Kuren und REHA gehören n i c h t zur Leistungspflicht der PKV. Im G e g e n s a t z zur GKV hat es die PKV seit 10 Jahren n i c h t geschafft, medizinische Komplikationen, die bei Lebendorganspendern (Donatoren) in der GKV grundsätzlich von der Krankenkasse des Organempfängers übernommen werden, nach gleichen Grundsätzen zu regeln. Obwohl die PKV gesetzlich verpflichtet ist, m i n d e s t e n s den Leistungsumfang der GKV einzuhalten, hat sie gerichtlich den A u s s c h l u s s häuslicher Medikamentengabe bei hilflosen, alleinstehenden Privatversicherten als Leistungspflicht erreicht.

Mit fehlenden Altersrückstellungen, veralteten Sterbetafeln bzw. Vernachlässigung demografischer, medizinisch-technischer Fortschritts- und Innovationsfaktoren sägt die PKV ihrem eigenen Ast. Aufgefrischte Bilanzen bewirken die Genehmigung aktueller Prämienanhebungen durch die BaFin. Es fehlt offensichtlich die Bereitschaft, unternehmerische Risiken selbst zu tragen. Ach ja, und eine handfeste PR-Strategie für die PKV! Wer könnte das besser übernehmen, als Christian Lindner, der freigestellte Ex-FDP-Generalsekretär?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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