Ärzte Zeitung, 09.02.2012

Kommentar

Chance auf Gleichheit verspielt

Von Anja Krüger

Schade. Die ab dem 21. Dezember 2012 obligatorischen Unisex-Tarife in der privaten Krankenversicherung (PKV) werden nur für das Neugeschäft gelten. Die Chance, gleiche Verträge für Männer und Frauen auch für den Bestand einzuführen, ist vertan.

Das Bundesfinanzministerium hat sich nicht rechtzeitig für die Vereinheitlichung aller Verträge entschieden und damit Fakten geschaffen.

Die Unternehmen haben schlicht keine Zeit mehr für eine Umstellung. Die Folge: Für Frauen, die künftig einen neuen Vertrag schließen, sinken die Preise weniger als möglich. Für Männer steigen sie mehr als nötig.

Die Versicherer werden die neuen Policen extrem vorsichtig kalkulieren. Sie fürchten, dass Frauen aus dem jetzigen Bestand in die neuen Tarife wechseln - was sie dürfen. Zurück bleiben werden jene eher jüngeren Männer in den noch verhältnismäßig günstigen Tarifen, die das Ministerium zu schützen glaubt. Diese Kunden sollten sich aber nicht zu früh freuen.

Ab Dezember wird es zu Verwerfungen in der PKV kommen, die auch Altkunden früher oder später treffen. Bei einer Bestandsumstellung hätte eine Art Risikoausgleich der Branche diese Gruppe vor unzumutbaren Preiserhöhungen geschützt.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Unisex-Tarife kommen PKV-Kunden teuer zu stehen

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