Ärzte Zeitung, 29.03.2012

Die DKV will Tarifwechsel erleichtern

Die Private Krankenversicherung wird politisch zunehmend infrage gestellt. Nun reagiert einer der führenden Anbieter: Die DKV will mehr Transparenz schaffen und den Tarifwechsel erleichtern.

Von Ilse Schlingensiepen und Herbert Fromme

Die DKV will bald Tarifwechsel erleichtern

Wo geht es hier zur PKV? Private Krankenversicherer sind politisch derzeit am Scheideweg.

© ferkelraggae / fotolia.com

KÖLN. Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) nimmt Schwachpunkte der privaten Krankenversicherung (PKV) ins Visier.

Sie will damit Kritikern Wind aus den Segeln nehmen und gleichzeitig die Konkurrenz unter Zugzwang bringen.

"Wir müssen die Themen anfassen, die an der PKV kritisiert werden", sagt Vorstandschef Dr. Clemens Muth.

Als ersten Schritt will die DKV den Kunden den Tarifwechsel erleichtern.

Das zur Ergo-Gruppe der Munich Re gehörende Unternehmen wird nach Angaben von Muth ab Herbst Kunden im Internet offenlegen, in welche gleichartigen Tarife sie bei der DKV ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung wechseln können.

Im Frühjahr 2013 soll die Angabe der konkreten Prämien für den jeweiligen Versicherungsschutz folgen.

Heftige Kritik an PKV von Verbraucherschützern und Politikern

Zwar haben Kunden das gesetzlich verbriefte Recht, innerhalb eines Unternehmens einen anderen Tarif zu wählen. Da der Wechsel meist mit einer geringeren Prämie verbunden ist, sehen viele Anbieter ihn aber nicht gern. Sie halten Kunden hin, reagieren nicht auf Anfragen oder warnen vor angeblichen Nachteilen.

Das ist einer der Punkte, die der PKV heftige Angriffe von Verbraucherschützern und Politikern eingebracht haben. "In der Vergangenheit ist das bei uns nicht immer optimal gelaufen. Auf die Kritik müssen wir eine Antwort finden", räumt Muth ein. Der offensive Umgang mit Wechseloptionen der Kunden sei eine solche Antwort.

Das ist aber nicht die einzige Stelle, an der sich die PKV aus eigener Kraft aus der Schusslinie bringen muss, glaubt der 41-jährige Volkswirt, der seit 1. Januar 2011 an der Spitze des nach Prämieneinnahmen größten Krankenversicherers steht.

Handlungsbedarf sieht er auch beim Leistungsumfang des Krankenversicherungsschutzes. Die DKV hat als erstes Unternehmen im vergangenen Jahr Abschied von Billigpolicen genommen, die Versicherten nur eine Schmalspurdeckung bieten. Muth hofft, dass solche Angebote bald komplett vom Markt verschwinden, denn auch sie haben die Branche in der Vergangenheit diskreditiert.

Änderungen am Kalkulationsverfahren

"Wir müssen einen Mindeststandard definieren", fordert er. Vorstellbar sei, dass der PKV-Verband Empfehlungen entwickelt. Die Anbieter müssten bereit sein, auf Geschäft zu verzichten. "Wir müssen manchen Menschen sagen, dass sie in der gesetzlichen Krankenversicherung einfach besser aufgehoben sind."

Um die Dauerdebatte über die steigenden PKV-Beiträge im Alter zu entkräften, hält Muth Änderungen am Kalkulationsverfahren für notwendig. Wie der Chef der HUK-Coburg Kranken Wolfgang Weiler findet er es sinnvoll, die Kosten der medizinischen Teuerung von Anfang an in die PKV-Prämien einzurechnen.

"Das würde die Beiträge zwar heute erhöhen, täte aber auf lange Sicht gut", glaubt er. Ob die DKV wie die HUK-Coburg dabei voran gehen will, lässt Muth offen. "Idealerweise sollten wir es branchenweit machen."

Die DKV setzt weiter auf die Vollversicherung. Dort will sie den Bestand stabilisieren, während das Unternehmen bei Zusatzversicherungen für GKV-Versicherte - wo es Marktführer ist - noch kräftig zulegen will. "Wir wollen unsere Produktpalette deutlich erweitern", kündigte Muth an.

In der betrieblichen Krankenversicherung, bei der Beschäftigte über ihren Arbeitgeber Policen abschließen, werde es neue Angebote geben, bei denen der Versicherer auf die Gesundheitsprüfung verzichtet. Außerdem sind die Policen ohne Alterungsrückstellungen kalkuliert und deshalb billiger. "Ich sehe die betriebliche Krankenversicherung als absolutes Wachstumsfeld."

2011 ist die Zahl der Vollversicherten bei der DKV um 11.000 auf rund 900.000 zurückgegangen. Bei Zusatzpolicen gab es einen Anstieg um 1,3 Prozent auf 3,5 Millionen.

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