Ärzte Zeitung, 16.05.2013

Bürgerversicherung

PVS zieht in den Wahlkampf

Was bedeutet die von der SPD favorisierte Bürgerversicherung für Ärzte? Darüber wird seit Wochen diskutiert. Der PVS-Verband hat die Mitglieder zu den möglichen Folgen befragt.

Von Christoph Winnat

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Wahlkampf im Jahr 2005: Jetzt positioniert sich der PVS-Verband gegen die Idee der Einheitsversicherung.

© suedraumfoto / imago

Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus: Weil ein Regierungswechsel im Herbst nicht auszuschließen ist, erfreut sich auch das SPD-Programm "Bürgerversicherung" wachsenden Interesses in Fachkreisen.

Zu Jahresbeginn sorgte eine Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleiters MLP für Aufsehen, in der es hieß, 51 Prozent der befragten Ärzte hätten sich zustimmend zur Einführung einer Bürgerversicherung geäußert.

Anfang April veröffentlichte dann der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem im Auftrag der Techniker Krankenkasse mehrere Szenarien, um darzustellen, wie sich die Abschaffung der PKV auf die Arzteinkommen auswirken würde.

Der Verband der Privatärztlichen VerrechnungsStellen (PVS) hat dazu eigene Untersuchungen vorgenommen. Vor kurze haben die Verbandsmitglieder ihre Ärzte angeschrieben, um deren Einschätzung zum Thema Bürgerversicherung zu erfragen.

2700 Ärzte antworteten. 76 Prozent erklärten, im Falle drastisch schrumpfender Umsätze aus Privatliquidation müssten sie, um wirtschaftlich zu bleiben, mit Entlassungen beim Praxispersonal reagieren.

40 Prozent stimmten gar der vorgegebenen Aussage zu, bei Einführung einer Bürgerversicherung "werde ich meine Praxis schließen müssen".

Zusatzpolicen unattraktiv

Besonders eklatant: Nahezu einhellig äußerten die Befragten, sie fühlten sich schlecht informiert sowohl über die Konsequenzen, die eine Bürgerversicherung für sie hätte (das gaben 93 Prozent an), als auch über die Pläne zu deren Finanzierung (96 Prozent).

In der dünnen Kenntnislage sieht Stefan Tilgner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des PVS-Verbandes, den Hauptgrund, warum sich hier und da auch unter Niedergelassenen Befürworter der Einheitskrankenversicherung finden.

Die MLP-Studie bezeichnet der PVS-Geschäftsführer im übrigen als "im höchsten Maße unseriös". Seiner Erfahrung nach, so Tilgner, glaubten viele, bei der Bürgerversicherung "handele es sich lediglich um eine Kombination von Grund- und Wahlleistungen".

Dass damit vielmehr ein Systemwechsel stattfinde, der schließlich das Ende der PKV bedeute, sei selbst Ärzten oft nicht bewusst.

Und selbst wenn es Zusatzversicherungen unter den Vorzeichen der Bürgerversicherung geben sollte, so dürfte sich dies dann doch unter den Abrechnungsbedingungen der GKV abspielen, ist Tilgner überzeugt. Für private Assekuranzen sei das kein attraktives Geschäftsmodell.

btw2013spd
[16.05.2013, 11:07:17]
Brigitte M. Johann 
PKV
die PKV sollte sich fragen lassen, ob ihre zunehmend restriktive Erstattungspraxis nicht viele PKV-Versicherte "motiviert" bei nächster Gelegenheit in eine Bürgerversicherung zu wechseln - und Zusatzleistungen "offen" direkt zu bezahlten, anstatt wegen der ablehnenden Erstattungsentscheidung "unvorhersehbar" und "unkalkulierbar" letztendlich doch auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Ich schreibe hier aus aktueller Erfahrung! zum Beitrag »

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