Ärzte Zeitung, 01.07.2013

Premiere bei Zusatzpolicen

Klinik und Versicherer machen gemeinsame Sache

Die Klinikgruppe Helios ist in das Geschäft mit privaten Zusatzversicherungen eingestiegen. Gemeinsam mit der Debeka bietet Helios Unternehmen Policen für ihre Mitarbeiter an. Das umfasst sowohl stationäre Zusatzleistungen als auch Präventionsangebote.

Von Ilse Schlingensiepen

Klinik und Versicherer machen gemeinsame Sache

Geldspritze für eigene Kliniken? Helios setzt auf die hauseigene private Zusatzversicherung.

© Tobias Kaltenbach/fotolia.com

KÖLN. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern als betriebliche Extraleistung private Zusatzversicherungen an.

Dabei übernimmt entweder der Arbeitgeber die Kosten - wie jüngst bei den Helios-/Debeka-Policen - oder er verschafft der Belegschaft Zugang zu günstigen Prämien und Versicherungsbedingungen.

Da die Versicherer in der betrieblichen Krankenversicherung mit einer vereinfachten Gesundheitsprüfung arbeiten oder ganz auf sie verzichten, können auf diesem Weg auch Menschen mit einer Vorerkrankung eine Zusatzdeckung erhalten.

Bei "HeliosPlus" arbeitet erstmals in diesem Markt ein Versicherer direkt mit einem Leistungsanbieter aus dem Gesundheitswesen zusammen. Dabei öffnen sie Dritten ihre schon länger bestehende Kooperation zur betriebliche Krankenversicherung.

Ernsthaftes Angebot statt Wellness

Seit 2008 haben alle Helios-Mitarbeiter eine stationäre Zusatzversicherung bei der Debeka. Sie deckt die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und seit Jahresanfang auch die Behandlung durch Chefärzte in einem der 51 Häuser der Fresenius-Tochter.

Die Policen von Helios und Debeka, die seit Anfang Juni auf dem Markt sind, stehen Firmen mit mindestens 20 Mitarbeitern offen. Sie kosten zwischen fünf Euro und 21,50 Euro im Monat.

Wollen die Firmen ihren Mitarbeitern außer Chefarztbehandlung und Einbettzimmer auch alle zwei Jahre eine Checkup-Untersuchung bieten, werden 75 Euro fällig.

Über die Kooperation erhalten die Versicherten auch Zugang zu weiteren Maßnahmen der Gesundheitsförderung.

Die Kombination aus stationärer Zusatzversicherung und Prävention könnte das Angebot nach Einschätzung von Uwe Jüttner, Krankenversicherungsexperte beim Versicherungsmakler Aon, für Arbeitgeber attraktiv machen.

Denn von den Leistungen können auch die Firmen profitieren. "Wenn Krankheiten rechtzeitig erkannt werden und die Mitarbeiter im Krankenhaus gut versorgt werden, sind sie schneller wieder am Arbeitsplatz", sagt Jüttner.

Gespräche mit Rhön

Viele Unternehmen investieren heute verstärkt in betriebliches Gesundheitsmanagement, sagt Helios-Chef Dr. Francesco De Meo. "Dabei finden sie kaum medizinisch fundierte Angebote, sondern eher Wellness- und Fitnesskonzepte."

Hier setze Helios als Gesundheitsunternehmen an. "Wir unterbreiten fundierte Präventionsangebote und sichern die Mitarbeiter für den Krankheitsfall mit Komfortleistungen ab."

Der Helios-Chef möchte weitere Kliniken ins Boot holen. Nach seinen Angaben gibt es bereits Gespräche mit dem Konkurrenten Rhön, den die Helios-Mutter Fresenius voriges Jahr eigentlich übernehmen wollte.

Im Interview mit der "Welt am Sonntag" äußerte sich der Vorstandsvorsitzende von Rhön, Dr. Martin Siebert, interessiert an der Initiative von Helios und Debeka. Er verweist darauf, dass die Idee einer klinikgebundenen Zusatzversicherung ursprünglich vom langjährigen Rhön-Chef Eugen Münch stammte.

Siebert: "Das ist doch endlich mal eine Konkretisierung der oft zitierten Vision einer Netzwerkmedizin - ein kleiner, pragmatischer Schritt, der illustriert, wie so etwas funktionieren könnte". Wenn Kliniken flächendeckend bezahlbare Zusatzversicherungen anbieten würden, wäre das eine Entlastung für das ganze System, glaubt er.

Mehr Kliniken, höhere Attraktivität

Eine Ausweitung des Konzepts auf möglichst viele Kliniken macht auch deshalb Sinn, weil sie einen deutlichen Nachteil der Policen abmildern würde: das Aushebeln der Wahlfreiheit.

Während klassische Zusatzpolicen für alle Häuser gelten, greift das Helios-Angebot bislang nur in den eigenen Kliniken.

Umso mehr Krankenhäuser sich beteiligten, umso attraktiver werden die Policen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

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