Ärzte Zeitung, 19.08.2013

Leitartikel zur Bürgerversicherung

PKV-Mitarbeiter und die Sorge um Arbeitsplätze

Sozial- oder gesellschaftspolitische Entscheidungen dürfen nicht allein davon abhängen, ob ein Verlust an Arbeitsplätzen mit ihnen verbunden ist. Klar sollte aber sein, dass den Betroffenen mit Respekt zu begegnen ist.

Von Ilse Schlingensiepen

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Protagonisten der Bürgerversicherung mit unterschiedlicher Sensibilität: Andrea Nahles und Karl Lauterbach.

© Thiel/imago

Opel-Betriebsräte warnen vor dem Abbau einer großen Zahl von Arbeitsplätzen und ein führender SPD-Politiker macht sich deshalb über sie lustig. Das ist kaum vorstellbar.

Schließlich gehören gerade die Beschäftigten in der Automobilbranche und anderen Industriezweigen zur Kernzielgruppe der großen Volkspartei.

Wenn es um die Beschäftigten in der nicht ganz so beliebten Versicherungsbranche geht, ist zumindest SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nicht gerade zimperlich.

Die Politikerin hat sich vor einem Plakatwagen der Betriebsratsinitiative "Bürgerversicherung? Nein danke!" ablichten lassen, die vor der Vernichtung von 75.000 Arbeitsplätzen durch die Bürgerversicherung warnt.

Nahles macht deutlich, was sie von der Aktion hält: Sie zeigt erst auf das Plakat und dann dem Betrachter einen Vogel.

Egal, was man von den Argumenten der Betriebsräte und den von ihnen veröffentlichten Zahlen hält: So sollte man nicht mit Menschen umgehen, die sich um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze sorgen.

Das Verhalten von Nahles ist ein Ausrutscher und darf nicht für die gesamte SPD oder die Protagonisten der Bürgerversicherung generalisiert werden. Allerdings haben Parteien und Gewerkschaften beim Projekt Bürgerversicherung offenbar die Beschäftigten in der privaten Krankenversicherung nicht ausreichend einbezogen.

Denn bei vielen Arbeitnehmern ist die Botschaft angekommen, dass die Bürgerversicherung das Ende der PKV bedeutet und damit den Verlust von vielen Arbeitsplätzen ...

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