Ärzte Zeitung online, 25.10.2013

Kfz-Police

Noch gibt es günstige Angebote

Bei vielen Kfz-Versicherern stehen die Zeichen auf Preiserhöhung. Doch es gibt sie noch, die günstigen Versicherungsangebote. Hilfe bei der Suche können Webportale bieten.

Von Friederike Krieger und Herbert Fromme

Noch gibt es günstige Angebote

Ein Einsparpotenzial von rund 1300 Euro kann beim Wechsel der Kfz-Versicherung drin sein.

© M&S Fotodesign / fotolia.com

KÖLN. Schlechte Nachrichten für Autofahrer: Große deutsche Kfz-Versicherer bereiten kräftige Preiserhöhungen vor.

So will der Branchenriese Allianz die Preise für alle Versicherten, gleich ob Neu- oder Bestandskunden, um rund zehn Prozent erhöhen, heißt es in der Branche. Andere Versicherer planten Preiserhöhungen in ähnlicher Dimension.

Es ist nicht das erste Jahr der Preissteigerungen bei Kfz-Policen. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin im Auftrag des Direktversicherers Direct Line haben die Preise von 2011 auf 2012 bereits um durchschnittlich 6,9 Prozent zugelegt.

In diesem Jahr werde es einen erneuten Anstieg um rund 5,8 Prozent geben, so die Wissenschaftler, die rund 200 Musterfälle untersucht haben.

Die Nachwehen des Hochwassers

"Wegen der Hagel- und Hochwasserschäden, die es in diesem Jahr gab, werden die Versicherer auch 2014 nicht viel Raum für Preissenkungen haben", glaubt David Stachon, Vorstandsvorsitzender von Direct Line.

Die Versicherer versuchen, mit den Preiserhöhungen die Kratzer wettzumachen, die die Jahre des Preiskampfes in ihren Bilanzen hinterlassen haben. Von 2004 bis 2009 senkten die Gesellschaften die Prämien im Wettstreit um Marktanteile von Jahr zu Jahr.

Seit 2011 versuchen sie, den Trend zu drehen. Denn sie geben inzwischen mehr für Schäden sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten aus, als sie an Prämien einnehmen.

"Angesichts der Milliarden-Verluste, die sich in der Vergangenheit angehäuft haben, müssen die Versicherer einige Jahre Gewinn machen, bis wieder die Nulllinie erreicht ist."

Doch auch wenn vielerorts die Preise steigen, heißt das nicht, dass sich durch Preisvergleiche nicht noch ein günstiger Anbieter finden lässt. "Der eine oder andere hält dagegen, auch mancher Newcomer", sagt Marco Morawetz vom Rückversicherer Gen Re.

"Wenn die Preise im Durchschnitt steigen, heißt das nicht, dass alle Anbieter anheben."

Die Frist läuft bis Ende November

Bis Ende November haben die Autofahrer in diesem Jahr noch Zeit, ihrem alten Anbieter den Rücken zu kehren und sich einen neuen, günstigeren Versicherer zu suchen. Um einen möglichst unkomplizierten Vergleich zwischen mehreren Anbietern zu haben, bieten sich die Online-Vergleichsportale an.

Der Vorteil: Der Kunde muss nur einmal seine Daten eingeben, um die Angebote von mehreren Gesellschaften abrufen zu können. Platzhirsche unter den Kfz-Versicherungs-Portalen sind Check24 und Transparo. Letzteres Portal ist in der Hand der Versicherer HUK-Coburg, WGV und Talanx.

Die Portale leben von Provisionen. Jedes Mal, wenn sie einen Kunden an einen Versicherer vermitteln, bringt ihnen das zwischen 70 und 100 Euro ein. Diese Beträge muss der Kunde über seine Prämie zahlen.

Das Einsparpotenzial, das Kunden durch einen Versichererwechsel erreichen können, ist allerdings hoch: Laut der Direct Line-Studie beträgt der Abstand zwischen billigstem und teuerstem Angebot im Schnitt 1338 Euro im Jahr. Das größte Sparpotential gibt es für Berliner Autofahrer: Hier liegt der Unterschied bei durchschnittlich 1661 Euro.

Schlechter sind die Chancen zum Geldsparen dagegen im ländlichen Wittenberge, wo die Differenz nur 1115 Euro beträgt. Möglich sind solche großen Unterschiede, weil immer noch zu wenig Kunden konsequent vergleichen, glaubt Stachon.

"Es gibt eine große Trägheit, was die Bereitschaft zum Wechsel des Versicherers angeht." Das ändert sich aber allmählich, ist der Versicherungsmanager überzeugt.

Es gibt auch Kritikpunkte

Die Vergleichsportale haben aber auch ihre Schattenseiten. "Momentan haben wir das Problem, dass nicht auf allen Portalen alle Versicherer vertreten sind", so Stachon.

So ist der Anbieter HUK-Coburg auf dem eigenen Portal Transparo präsent, nicht aber bei Check24. "Das heißt, die Kunden müssen mehrere Portale besuchen, um einen Marktüberblick zu bekommen. Den meisten ist das allerdings zu mühsam."

Neben der Anzahl der Gesellschaften, die auf den Portalen vertreten sind, gibt es aber noch andere Kritikpunkte.

Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungsmakler, moniert mangelnde Transparenz bei den Auswahlkriterien, nach denen die Rechner die vermeintlich besten Tarife auflisten. Viele Aspekte, die Kunden wichtig seien, würden nicht berücksichtigt.

"Neben dem Preis und der Leistung sind auch eine schnelle Schadenbearbeitung, eine gute Vertragsbetreuung und die finanzielle Situation eines Versicherers von großer Bedeutung."

So hatte der niederländische Anbieter Ineas/LadyCarOnline in Preisvergleichen immer die Nase vorn, ging 2010 dann aber Pleite. Viele Kunden blieben auf Kaskoschäden sitzen.

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