Ärzte Zeitung, 12.05.2014

Datenskandal

Debeka-Prüfbericht bei den Behörden

Noch ist unklar, welche Konsequenzen die Debeka aus den Vorwürfen zu möglicherweise illegalen Vertriebspraktiken im öffentlichen Dienst ziehen wird.

Von Ilse Schlingensiepen

KOBLENZ. Die Debeka sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, die Position als größter privater Krankenversicherer durch illegale Verkaufspraktiken erreicht zu haben. Die Zusammenarbeit mit sogenannten Tippgebern in der Beamtenschaft und der Vorwurf, Debeka-Mitarbeiter hätten illegal Adressen von Beamtenanwärtern gekauft, hatten für Schlagzeilen gesorgt.

Eine von der Debeka bei KPMG beauftragte Untersuchung ist seit drei Wochen abgeschlossen, der Bericht liegt jetzt bei den Behörden, berichtet Vorstandsvorsitzender Uwe Laue.

"Wenn etwas an der aktuellen Praxis zu beanstanden ist, werden wir konsequent handeln", kündigte er an. Konkreter werde man sich aber erst äußern, wenn die Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin, der Staatsanwaltschaft und des rheinland-pfälzischen Datenschützers abgeschlossen sind.

Groß geschadet haben die Vorwürfe den Geschäften des Versicherers offenbar noch nicht. Kündigungen und nennenswerte Beschwerden habe die Debeka nicht verzeichnen können, sagte Laue.

In der Krankenversicherung verbuchte das Koblenzer Unternehmen 2013 einen Anstieg der Beitragseinnahmen um knapp zwei Prozent auf rund fünf Milliarden Euro. Im Kerngeschäftsfeld Vollversicherung gab es einen Zuwachs um 28.000 auf 2,2 Millionen Personen. "Darauf sind wir ganz besonders stolz", sagte Laue. Die Branche als Ganze hatte einen Rückgang um 65.000 Versicherte hinnehmen müssen.

Insgesamt nahm die Anzahl der Kunden in der Krankenversicherung um 1,8 Prozent auf 4,6 Millionen leicht ab. Grund war die Beendigung eines Gruppenvertrags mit einer Betriebskrankenkasse über Auslandsreisekrankenversicherungen, der rund 150.000 Personen umfasste. Das Bundesversicherungsamt hatte einer Reihe von BKKen das Angebot solcher Policen untersagt.

Die ausgezahlten Versicherungsleistungen legten 2013 um runde drei Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu. Bestands- und altersbereinigt seien es lediglich ein Prozent gewesen, sagte Vorstand Roland Weber. "Das war keine nennenswerte Steigerung."

Die Branche der privaten Krankenversicherung habe in den vergangenen Jahren einige Baustellen erfolgreich bearbeitet, findet Debeka-Chef Laue, der auch Vorsitzender des PKV-Verbands ist.

Er nennt den Verzicht auf Billigtarife bei mehreren Unternehmen, die Einführung eines Mindestversicherungsschutzes und die Initiative einzelner Versicherer wie der Debeka, Angestellten mit Vorerkrankungen eine Aufnahmegarantie und eine Deckelung der Risikozuschläge auf 30 Prozent anzubieten. "Wir haben aber noch Aufgaben, die wir nicht abschließend bewältigt haben", betonte er.

Notwendig sei unter anderem eine Verbesserung der Wechselmöglichkeiten innerhalb der privaten Versicherungsunternehmen. Handlungsbedarf sieht Laue außerdem auf dem Feld der privaten Pflegezusatzversicherung.

"Die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung hat gut funktioniert, die Branche hat gute Ergebnisse vorweisen können. Aber es gilt, an dieser Stelle weiterzuarbeiten." Die Debeka selbst hat 2013 fast 70.000 sogenannte Pflege-Bahr-Policen verkauft.

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