Ärzte Zeitung App, 08.01.2015

Trickbetrug

Datendiebe locken mit PKV-Angeboten

Der Verband der Privaten Krankenversicherer warnt vor Anrufern, die angeblich im Namen des Verbandes zum Telefonhörer greifen und Privatversicherte nach persönlichen Daten fragen. Oder ihnen windige Angebote unterbreiten.

Datendiebe locken mit PKV-Angeboten

Gegen Honorar bieten einige Betrüger PKV-Versicherten Hilfe dabei an, wie sie ihre Versicherung billiger machen können.

© bluedesign / fotolia.com

BERLIN. Der Mann ruft unter einer Wiesbadener Nummer an. Er schildert dem Angerufenen, neuerdings gelte ein Gesetz, wonach die privaten Krankenversicherer die Beiträge senken müssten.

Er rufe für den Verband an. Denn der Verband habe den Eindruck, dass nicht alle Firmen ihre Beiträge gesenkt hätten. Er wolle nun prüfen, ob bei ihm alles rechtens sei.

"Was für einen Tarif zahlen sie denn?" fragt der Anrufer - und schon sind beide in einem vermeintlichen Beratungsgespräch.

Dann sein Tipp: "Ich hätte da einen Trick gegen Honorar, wie Sie Ihre Versicherung billiger machen können."

So oder so ähnlich könnte das Telefonat verlaufen, wie bereits kurz berichtet.

Doch es handelt sich keinesfalls um einen Beauftragten des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV). Und die Wiesbadener Telefonnummer ist auch gefälscht.

Doch das ist nicht die einzige Masche: Neben Geldbeträgen geht es anderen Betrügern auch einfach nur um die Daten der Versicherten.

Windige Geschäftsleute würden bei Bürgerinnen und Bürgern anrufen, um sich personenbezogene Daten zu erschleichen, so der Direktor des PKV-Verbands Dr. Volker Leienbach.

Sie würden sich fälschlicherweise als Mitarbeiter des Verbands ausgeben oder ähnlich klingende Namen nutzen.

Das Problem mit den Billigtarifen

Leienbach vermutet, dass die Anrufer die Daten für den Adresshandel oder für Verkaufsgespräche zweckentfremden. Die Verbandsmitarbeiter würden selbstverständlich keine vertriebsorientierten Telefongespräche führen, betont er.

Genauso ärgerlich sind für die privaten Versicherer aber auch die Billigangebote im Internet.

"Die Menschen verbinden mit einer privaten Krankenversicherung die Erwartung an einen besonders hochwertigen Versicherungsschutz", sagt der Vorstandsvorsitzende des PKV-Verbandes, Uwe Laue.

Von daher ist es schon verlockend, für billiges Geld angeblich einen Premium-Krankenschutz zu bekommen.

Behörden sind informiert

Ein bisschen hat auch die PKV zu diesem Missverständnis beigetragen. Sie hatte eine Zeit lang selbst Billigtarife angeboten. Das räumt der PKV-Verband auch ein.

Die Betrüger im Internet und am Telefon erwecken weiterhin den Eindruck, als gebe es diese umstrittenen Billigtarife in der PKV immer noch.

"Die wurden jedoch weitestgehend eingestellt und waren auch nie typisch für die PKV", stellt Laue klar. Und er fügt hinzu: "PKV ab 59 Euro gibt es nicht."

Auch für Laue stecken offenbar Adressenhändler hinter den Angeboten. Der PKV-Verband hat die Datenschutzbehörden eingeschaltet und die Bundesnetzagentur informiert, damit sie den Rufnummernmissbrauch verfolgen kann.

Leienbach rät Betroffenen, sich Namen und Telefonnummer des Anrufers zu notieren und einen Strafantrag bei der Polizei zu stellen.

Doch wenn der "Berater" angeblich aus Wiesbaden anruft, sich aber in Wahrheit hinter einer Tarnfirma in der Karibik versteckt, ist das nicht so einfach.

Immerhin scheint die Internetseite mit dem Superangebot "PKV für 59 Euro" inzwischen gesperrt. Doch wer betrügen will, lässt sich etwas Neues einfallen. (dpa/iss)

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