Ärzte Zeitung, 11.09.2015

PKV

Höhere Beiträge "sicher wie Amen in Kirche"

Die niedrigen Zinsen machen den Versicherern zu schaffen. Die Continentale fordert nun Klartext gegenüber Kunden.

KÖLN. Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase sind höhere Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) unausweichlich.

Die Branche ist gefordert, den Kunden die Zusammenhänge zu erklären. "Es ist unsere Aufgabe darauf hinzuweisen, dass ein Thema so sicher kommt wie das Amen in der Kirche: Die Beiträge werden steigen", sagte Dr. Marcus Kremer, Vorstand des Versicherers Continentale, beim PKV-Forum des Unternehmens in Köln.

Der Kunde müsse schon im Verkaufsgespräch wissen, dass es bei der aktuellen Prämie für den Krankenversicherungsschutz in Zukunft nicht bleiben wird, betonte Kremer.

Durch die niedrigen Zinsen wird es für die Versicherer immer schwerer, mit den von den Kunden angesparten Alterungsrückstellungen den veranschlagten Rechnungszins von 3,5 Prozent zu erwirtschaften.

Muss der Zins gesenkt werden, erhöhen sich die Beiträge, um die Rückstellungen auffüllen zu können.

Die Versicherer dürfen die Prämien aber erst anpassen, wenn sogenannte auslösende Faktoren anspringen: Die tatsächlichen Leistungsausgaben weichen von den kalkulierten ab oder es gibt eine deutliche Veränderung in der Sterblichkeit.

Kommt dann auch noch der niedrigere Zins hinzu, drohen sogar drastische Steigerungen.

Die Rahmenbedingungen für die Absenkung des Rechnungszinses sind zu unflexibel, bestätigte der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem.

Seiner Einschätzung nach sind die kurzfristigen Effekte der Systematik für die Unternehmen aber gut beherrschbar. "Die langfristige Entwicklung macht mir mehr Sorgen."

Die Versicherer bräuchten den Überzins - die über den Rechnungszins hinaus erwirtschafteten Erträge -, um die medizinische Inflation zu finanzieren, also die Tatsache, dass die Leistungsausgaben der Krankenversicherer bei älteren Kunden höher sind, als sie in den Tarifen kalkuliert haben.

"Die Mittel werden langfristig fehlen, wenn wir lange niedrige Zinsen haben", erläuterte Wasem. Den Versicherten drohen also im Alter stark steigende Beiträge. (iss)

[13.09.2015, 10:26:59]
Martin Schiller 
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Guten Tag,

das war ein sehr interessanter Beitrag. Vielen Dank für die Bereitstellung.
Doch die Redaktion von http://pkv-testsieger.org/beamte/ möchte hinzufügen, dass die Gründe der Kostensteigerung nicht nur allein bei den Zinsen liegt. Es stimmt der gesenkte Leitzins Probleme bereitet. Doch an sich haben Bausparkassen und Lebensversicherungen Schwierigkeiten mit den Garantiezins.

Bei der PKV stellt gestaltet sich die Vermögenslage etwas anders. Die Anbieter haben seit Jahren keine Rücklagen gebildet und die Mitglieder müssen für dieses Versäumnis bezahlen. Auch wird komplett vergessen, dass die Manager der bekannten Versicherer fatale Fehlinvestments getätigt haben. Auch das müssen die PKV-Verbraucher bezahlen.

Wenn behauptet wird, dass Klartext gesprochen werden soll....muss dies auch auf den Tisch.
Auf lange Sicht sollte die PKV Branche nach Alternativen schauen, wie sie die Beiträge stabil halten kann. Bleiben sie auf dem selben Niveau, werden immer weniger Angestellte und Selbstständige sich für eine private Krankenversicherung entscheiden. Denn keiner von ihnen weiß,wie sich die Einnahmen in Zukunft gestalten werden.  zum Beitrag »

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