Ärzte Zeitung, 09.06.2016

Notfall Unwetter

Hilfe, meine Praxis steht unter Wasser

Schäden in Milliardenhöhe: Seit fast zwei Wochen wüten in Teilen Deutschlands immer wieder schwere Unwetter. Doch welche Versicherung hilft Ärzten, wenn Haus oder Praxis betroffen sind?

Von Anne-Christin Gröger

Wann gibt es Hilfe von der Versicherung?

Helfer säubern am 2. Juni in Simbach am Inn (Bayern) das Erdgeschoss eines Hauses. Nicht nur in Niederbayern, auch in anderen Regionen Deutschlands richteten Hochwasser und Schlammlawinen verheerende Schäden an.

© Angelika Warmuth / dpa

KÖLN. Straßen und Keller wurden überflutet, Autos von Schlammlawinen mitgerissen, ganze Häuser sind zerstört. Die Unwetter der vergangenen Tage waren für die Menschen in Bayern und Baden-Württemberg verheerend. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet mit Gesamtschäden in Höhe von 450 Millionen Euro.

Betroffene sollten jetzt trotz des Schocks schnell ihre Versicherung informieren, viele Gesellschaften haben dafür extra Schadenhotlines eingerichtet.

Doch welche Versicherung zahlt für abgedeckte Dächer und Wasserschäden in der Wohnung oder Praxis? Grundsätzlich gilt: Für Schäden, die direkt am Haus entstanden sind, ist die Wohngebäudeversicherung zuständig. Sie kommt für abgedeckte Ziegel, eingedrückte Fenster oder Wasserschäden am Gemäuer auf.

"Alles, was so fest mit dem Haus verbunden ist, dass es bei der Entfernung kaputt gehen würde, fällt in den Bereich Wohngebäudeversicherung", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Ein klassisches Beispiel ist die Einbauküche."

Rückstau zählt nicht als Sturmschaden

Gegenstände, die sich durch Tragen oder Kehren aus dem Haus befördern lassen, sind durch die Hausratversicherung geschützt. Dazu zählen Bücher, Möbel, Elektrogeräte oder Teppiche. "Beschädigte Gegenstände in der Praxis sind in der Regel durch die Praxisinventarversicherung geschützt", sagt Daniel Meiss, Leiter Produktmanagement bei der Deutschen Ärzteversicherung.

Allerdings kommt es darauf an, was die Ursache des Schadens war. Sowohl Wohngebäude- als auch Hausratversicherung zahlen nur, wenn der Schaden durch Feuer, Sturm, Hagel oder Leitungswasser verursacht wurde. Tritt ein Fluss über die Ufer und überschwemmt Haus oder Keller, ist das ein Fall für die Elementarschadenversicherung.

"Das gleiche gilt auch für Schäden durch Rückstau, weil die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr schafft, und das Wasser in den Keller läuft", sagt Grieble.

"Vollgelaufene Erdgeschosswohnungen und Kellerräume haben also nur Versicherungsschutz, wenn in der Wohngebäude- und Hausratversicherung das Risiko ‚Weitere Elementargefahren‘ eingeschlossen wurde", sagt Rolf Mertens, Experte für Haftpflicht-, Hausrat- und Wohngebäudeversicherung beim Versicherer Ergo.

Das Zusatzmodul lässt sich sowohl für die Wohngebäude- als auch für die Hausrat- und die Praxisinventarversicherung abschließen. Dann sind Wasserschäden am Gebäude, aber auch die zerstörte Waschmaschine im Keller und die Praxiseinrichtung gegen Hochwasser und Schlamm versichert.

Während in Baden-Württemberg rund 95 Prozent der Hausbesitzer über diesen Extrabaustein verfügen, sind in Bayern nur 27 Prozent gegen Elementarschäden geschützt. Grund für die hohe Diskrepanz ist, dass in Baden-Württemberg die Gebäudeversicherung mit Elementarzusatz lange Pflicht war.

Diese Pflichten sind zu beachten

Vom Unwetter Betroffene sollten zunächst das Haus und die nähere Umgebung begutachten. Wurden Fensterscheiben am Haus oder am Auto zerstört oder Teile des Dachs abgedeckt? Ist Wasser ins Haus eingedrungen? "Versicherte haben eine Schadenminderungspflicht, das heißt, sie müssen Schäden so gering wie möglich halten", sagt Meiss.

Konkret: Fenster mit zerstörten Scheiben provisorisch abdichten, auf dem Dach eine Notabdeckung installieren, bei Wasser im Gebäude die elektrischen Geräte vom Netz nehmen. Mertens warnt allerdings vor zu viel Aktionismus. "Wer Schäden feststellt, die zunächst niemandem gefährlich werden können, sollte sich mit den Aufräumarbeiten zurückhalten", sagt er.

"Kunden sollten warten, bis die Versicherung oder der zuständige Schadenermittler den Schaden begutachtet hat."

Weil das aber etwas dauern kann, vor allem, wenn viele Haushalte von einem Unwetter betroffen waren, sollten Ärzte alle entstandenen Schäden mit Fotos dokumentieren und eine Schadenliste erstellen. Beschädigte Gegenstände sollten zudem nicht vorschnell entsorgt werden, sondern zum Schadensnachweis aufbewahrt werden.

 

 

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