Ärzte Zeitung, 01.12.2016

Neuer PKV-Dienstleister

Hilfe für Hausärzte

Die neue Leistungsmanagement-Gesellschaft privater Krankenversicherer soll das Versorgungsmanagement optimieren. Erprobt wird das Konzept in den Asklepios-Kliniken in Hamburg. Der bundesweite Rollout wird im Erfolgsfall angestrebt.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. LM+, die neue Leistungsmanagement-Gesellschaft von vier privaten Krankenversicherern (PKV), kooperiert mit den Asklepios-Kliniken in Hamburg bei der Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen.

Kern ist ein von Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit am Asklepios Klinikum Harburg, entwickeltes Konzept, das auch die Zeit nach der Entlassung aus der Klinik umfasst.

"Unser Ziel ist es, die Versorgungsqualität der psychisch Kranken zu verbessern", sagt Thomas Soltau, Geschäftsführer von LM+, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Erreicht werden soll dieses Vorhaben durch die Vermeidung von langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz, Leerlaufzeiten innerhalb der Behandlung, von Mehrfachmedikationen und Therapieabbrüchen. "Dabei soll der Patient so weit wie möglich in seinem persönlichen Lebensumfeld bleiben", erläutert Soltau. Auch das trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung bei, so die Erwartung.

Von dem strukturierten Betreuungskonzept profitieren nach Ansicht von Soltau auch die behandelnden Hausärzte. "Die Hausärzte werden ihre Patienten nicht verlieren, sie können aber auf die Unterstützung von LM+ zurückgreifen."

20 Versicherte nehmen bereits teil

Die Teilnahme an dem Programm ist für die Patienten freiwillig, betont Geschäftsführer Dr. Michael Gewaltig. "Lehnen sie ab, entstehen ihnen keinerlei Nachteile." Machen sie mit, greifen fest definierte Prozesse auf den verschiedenen Stufen der Behandlung. Kurz nach dem Start nehmen bereits 20 Versicherte an dem Projekt teil. Erweist es sich als erfolgreich, soll es bundesweit ausgerollt werden.

Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal Iduna haben Ende Mai das Okay des Bundeskartellamts für ihr Gemeinschaftsunternehmen LM+ – Leistungsmanagement GmbH erhalten (wir berichteten). Die vier Versicherer sind an dem Gemeinschaftsunternehmen paritätisch beteiligt. Sie halten jeweils 25 Prozent an der Gesellschaft. Ziel des frischen Joint Ventures ist es, durch verschiedene Maßnahmen die Versorgung der Versicherten zu verbessern und sie gezielt zu bestimmten Behandlern zu steuern.

Seit dem 1. Oktober 2016 sind Soltau und Gewaltig als Geschäftsführer des neuen Unternehmens tätig. Soltau ist Wirtschaftswissenschaftler mit viel Erfahrung in der Versicherungsbranche. Der Pharmazeut Gewaltig hat zuvor lange Jahre im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung gearbeitet, zuletzt bei der Servicegesellschaft GWQ.

"Wir wollen erkennen, wo es in der Versorgung Mängel gibt und aus welchem Grund", sagt Gewaltig. Der Aufbau von Netzwerken mit Behandlern aus den verschiedenen Bereichen ist ein zentrales Element der Arbeit von LM+. Gleichzeitig gehe es darum, mehr Transparenz in die Versorgung zu bringen, zu erkennen, welche Behandlungskonzepte in welchem Fall gut wirken und welche nicht. "Bislang ist das für die Versicherer häufig eine Blackbox."

Therapiefreiheit bleibt beim Arzt

Wichtig ist Gewaltig die Feststellung, dass sich die Versicherer über LM+ auf keinen Fall in die Behandlung einmischen wollen. Auch in Konkurrenz zu den Leistungserbringern will man nicht treten. "Es geht uns nicht darum, Patienten aus einer funktionierenden Versorgungs-Beziehung zu lösen", stellt er klar.

Bei der Wahl der Kooperationspartner unter Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern und anderen Leistungserbringern ist das Unternehmen nach Angaben der beiden Geschäftsführer frei. "Wir sind ein Dienstleister zur Verbesserung der Versorgungsqualität und zur Beratung der beteiligten Gesellschaften", erläutert Soltau.

Das nächste Krankheitsbild, dem sich das Unternehmen widmen wird, sind wahrscheinlich die orthopädischen Erkrankungen. Die Angebote von LM+ müssen nicht auf die vier PKV-Unternehmen beschränkt bleiben. "Wir können uns vorstellen, projekt- und produktbezogen auch mit Versicherern zusammenzuarbeiten, die keine Anteilseigner sind", sagt Gewaltig. Langfristig sei ebenfalls eine Kooperation mit gesetzlichen Krankenkassen nicht ausgeschlossen. "Das muss aber für beide Seiten Sinn ergeben."

Bei der Arbeit des Dienstleisters stehe der Wunsch im Vordergrund, die Versorgung der Versicherten zu verbessern. Natürlich gibt es auch die Erwartung, dass sich langfristig auch Kostensenkungen erreichen lassen. "Aber das ist ein Nebenprodukt, nicht unser Ziel", sagt Soltau.

Unser Ziel ist es, die Versorgungsqualität der psychisch Kranken zu verbessern.

Thomas Soltau Geschäftsführer bei der LM+ – Leistungsmanagement GmbH

Wir wollen erkennen, wo es in der Versorgung Mängel gibt und aus welchem Grund.

Dr. Michael Gewaltig Geschäftsführer bei der LM+ – Leistungsmanagement GmbH

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Selbstlernende Software erkennt Psychosegefahr

PCs denken anstatt nur zu berechnen: Big Data wird vielleicht schon bald die Psychiatrie umkrempeln. Selbstlernende Algorithmen erkennen das Psychoserisiko durch MRT-Aufnahmen, simple Apps warnen Patienten, wenn sie in eine Manie kippen. mehr »

Selbstlernende Software erkennt Psychosegefahr

PCs denken anstatt nur zu berechnen: Big Data wird vielleicht schon bald die Psychiatrie umkrempeln. Selbstlernende Algorithmen erkennen das Psychoserisiko durch MRT-Aufnahmen, simple Apps warnen Patienten, wenn sie in eine Manie kippen. mehr »

"Urteil ist verheerendes Signal"

Medi-Chef Baumgärtner ist enttäuscht vom Urteil des Bundessozialgerichts, das Vertragsärzten kein Streikrecht zubilligt. Den Kasseler Richtern attestiert er Mutlosigkeit – nun will er nach Karlsruhe ziehen. mehr »