Ärzte Zeitung, 06.06.2006

AKUTTHERAPIE DES SCHLAGANFALLS

So wird auf Spezialstationen therapiert

Bei der "Akuttherapie des Schlaganfalls" - so lautet der Titel des audiovisuellen Fortbildungsvortrages von Professor Günter Seidel - sind zwei Dinge besonders wichtig: Die Patienten müssen so schnell wie möglich ins Krankenhaus gebracht, und sie sollten auf einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden.

Audiovisuelle Fortbildung mit "Ärzte Zeitung Online" und QÄF!

Jeder Vertragsarzt muß bis Mitte 2009 insgesamt 250 CME-Punkte sammeln. "Ärzte Zeitung Online" und QÄF, der Verein Qualitätsgesicherte Ärztliche Fortbildung, bieten eine Internet-Plattform zur audio-visuellen Fortbildung an.

Mehr Infos zur Fortbildung
finden Sie hier 

Lassen Sie sich von dem Neurologen der Universitätsklinik Lübeck anhand von neuen Studienergebnissen zu Sterberaten und bleibenden Einschränkungen von Schlaganfall-Patienten erklären, warum beides so wichtig ist! Denn das Ziel der Akuttherapie ist, daß mehr Patienten überleben und langfristig möglichst wenig eingeschränkt sein sollen. Erreicht werden beide Ziele bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall durch eine Lyse mit rt-PA, also der exogenen Zufuhr von Plasminogen-Aktivator.

Von dieser Behandlung können Patienten innerhalb der ersten drei Stunden nach Symptombeginn profitieren. Danach geht der Vorteil rasch verloren. Seidel stellt audiovisuell dazu die Zulassungsstudie für das Lyse-Präparat vor. Nach dieser Studie haben von den innerhalb von drei Stunden damit behandelten Patienten nach einem Jahr 41 Prozent keine oder leichte Einschränkungen, von den mit Placebo Behandelten nur 28 Prozent.

Wieviele Patienten für die Lyse in Frage kommen, erläutert der Neurologe anhand der Kriterien der Zulassung. Danach darf unter anderen der Symptombeginn maximal drei Stunden zurückliegen, das Alter muß unter 80 Jahren liegen und eine Blutung durch ein bildgebendes Verfahren ausgeschlossen sein. Seidel weist auf die Realität in Deutschland hin: Die Thrombolyseraten liegen zwischen drei und fünf Prozent. Ein Hauptgrund: Viele Patienten kommen zu spät in eine Klinik.

Warum sollte jeder Schlaganfall-Patient auf einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden? Der Neurologe hat gute Argumente und Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Bei Patienten, die in einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden, sind im Vergleich zu Patienten mit herkömmlicher Therapie die Sterberate um 53 Prozent und die Rate der Abhängigkeit von Hilfe um 56 Prozent niedriger!

Eine Grundlage des Erfolgs der Schlaganfall-Spezialstationen ist die Basistherapie. Wie diese Therapie aussieht, erläutert der Neurologe in seinem audiovisuellen Fortbildungsvortrag. Es geht um sechs Punkte: Einstellung auf hoch normale Blutdruckwerte, Einhalten normaler Blutzuckerwerte, Normothermie und optimale Sauerstoffversorgung. Dazu kommen Thrombose-Prophylaxe und Aspirations-Prophylaxe.

Beim Schlaganfall kommt es wie beim Herzinfarkt auf jede Minute an. Foto: BilderBox

Seidel erläutert - wiederum mit Studiendaten - warum eine drastische Senkung des bei Schlaganfall-Patienten meist stark erhöhten Blutdrucks zu vermeiden ist. Und er erklärt die Blutdruck-Zielwerte. Der Blutdruck sollte bei Schlaganfall-Patienten, die Hypertoniker waren, 180 / 100 bis 105 mmHg betragen. Und bei Menschen, die vorher einen normalen Blutdruck hatten, 160 bis 180 / 90 bis 100 mmHg. Auch die Einstellung der Blutglukosewerte ist wichtig.

Warum, begründet Seidel in seinem Vortrag. Es gilt: sowohl zu wenig als zu viel Blutglukose ist ungünstig für die Prognose. Deshalb sollte erhöhte Blutglukose unter 180 mg/dl gesenkt werden und eine Hypoglykämie sollte sofort mit 10- bis 20prozentiger Glukoselösung korrigiert werden. Seidel betont ausdrücklich, daß auch die Körpertemperatur auf maximal 37,5 Grad Celsius gesenkt werden sollte. Denn mit jedem Grad Körpertemperatur mehr steigt das Risiko für eine schlechte Prognose um den Faktor 2,2.

Auch für die Zukunft der Therapie beim Schlaganfall bietet der Neurologe interessante Informationen, etwa zu Desmoteplase. Dieses neue Thrombolytikum kann bis zu neun Stunden nach Symptombeginn eingesetzt werden. Zudem stellt Seidel drei neue Ansätze zur Verbesserung der Revaskularisation vor: Die intraarterielle Thrombolyse, die Thrombozytolyse, bei der der GPIIbIIIa-Hemmer etwa in Kombination mit lokaler oder systemischer Lyse verwendet wird und die Thrombolyse in Kombination mit Ultraschall. Bereits vier Studien haben belegt, daß dabei die Rekanalisationsrate erhöht wird. (Rö)

Den Vortrag, für den es nach bestandener Prüfung CME-Punkte gibt, findet man unter www.qaef-akademie.de, "Aktuelle Vorträge" - "Medizinische Themen" - "Schlaganfall (3)".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »