Ärzte Zeitung, 15.09.2009

Blutdruck-Kontrolle am besten bei jedem Patienten-Kontakt

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Etwa 35 Prozent der Erwachsenen haben einen zu hohen Blutdruck. Erstdiagnose und Betreuung erfolgen in der Regel beim Hausarzt. Um eine Hypertonie frühzeitig zu erkennen, sollte der Blutdruck in der Praxis regelmäßig kontrolliert werden - am besten bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt, rät Professor Jürgen Scholze vom Campus Charité Mitte der Humboldt-Universität zu Berlin.

Werden erhöhte Blutdruckwerte gemessen, sollte mit einem diagnostischen Basisprogramm das kardiovaskuläre Gesamtrisiko erfasst werden. Denn bei vielen Patienten finden sich außer der Hypertonie noch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren, zum Beispiel ein Diabetes oder erhöhte Lipidwerte. So hat ein Patient mit gleichzeitig vorliegendem Diabetes bereits bei hochnormalen Blutdruckwerten (130 - 139 / 85 - 89 mmHg) ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Bei der individuellen Risikostratifizierung werden deswegen außer dem Schweregrad der Hypertonie auch Begleit- und Folgeerkrankungen berücksichtigt, betont der Hochdruck-Experte in seinem zertifizierten Fortbildungsbeitrag "Das richtige Händchen für ein Herz unter Druck", der sich mit der Diagnostik der arteriellen Hypertonie befasst.

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Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind auch bei älteren Menschen wichtig.

Foto: PhotoDisc

Nach den europäischen Hochdruck-Leitlinien sind Blutdruckwerte unter 120 / 80 mmHg optimal, eine Hypertonie liegt bei Werten über 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch vor.

Um valide Messergebnisse zu erhalten, sollte immer auf die für einen Patienten geeignete Manschettengröße geachtet werden, betont Scholze. Denn zu große oder zu kleine Manschetten können die Blutdruckmessung verfälschen. So ist die Standardmanschette (12 bis 13 cm breit) nur für einen Oberarmumfang von maximal 33 cm geeignet. Für einen Umfang von 33 bis 41 cm ist eine Manschettenbreite von 15 cm notwendig und bei noch größerem Oberarmumfang eine Breite von 18 cm.

Die erste Blutdruckmessung sollte immer an beiden Armen vorgenommen werden, um etwaige Seitendifferenzen aufzudecken. Die weiteren Messungen erfolgen dann am Arm mit den höheren Messwerten. Eine Seitendifferenz von mehr als 20 mmHg ist pathologisch und bedarf der weiteren Abklärung.

Hilfreich, um Blutdruckverlauf und Therapieerfolg zu verfolgen, ist die Patientenselbstmessung. Dabei sollten die Patienten darauf hingewiesen werden, dass sie ihren Blutdruck mehrmals wöchentlich morgens vor der Tabletteneinnahme und abends messen.

Die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung ermöglicht Einblicke in das Blutdruckverhalten rund um die Uhr, besonders auch nachts. Sie ist indiziert zum Beispiel bei Diskrepanzen zwischen Selbst- und Gelegenheitsmessung, bei Verdacht auf eine Praxishypertonie, auf eine sekundäre Hypertonie oder auf krisenhafte Blutdrucksteigerungen, bei Schlafapnoesyndrom sowie zur Therapiekontrolle.

Bei Patienten mit schwerer Hypertonie, also diastolischen Werten über 110 mmHg und erfolgloser Dreifach-Kombitherapie, sollte dopplersonografisch eine Nierenarterienstenose ausgeschlossen werden.

Ergeben sich Anhaltspunkte für eine sekundäre Hypertonie, sollten die Patienten zu einem Nephrologen oder Hypertensiologen überwiesen werden. (mar)

Zu dem Modul "Das richtige Händchen für ein Herz unter Druck"

[15.09.2009, 06:56:02]
Christa Meyszner 
Blutdruck-Kontrolle beim Hausarzt
In meiner über 25 jährigen Erfahrung in der Reha-Medizin habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Blutdruck zwar von dem Hausarzt kontrolliert, aber meist nicht behandelt wird. "Wir beobachten das mal" wird am häufigsten von den Patienten als Aussage des Hausarztes berichtet. In über 25 Jahren Reha-Medizin habe ich noch nicht einmal erlebt, dass vom Beobachten ein Blutdruck niedriger geworden wäre! zum Beitrag »

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