Ärzte Zeitung, 15.10.2009

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Täglich 40 Minuten Gehtraining kann schmerzfreie Gehstrecke verlängern

Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) findet sich bei etwa jedem vierten Patienten über 55 Jahre. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen. Besonders gefährdet sind Raucher und Diabetiker. Bei Rauchern wird die Diagnose PAVK im Schnitt zehn Jahre früher gestellt als bei Nichtrauchern. Diabetiker haben im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein um den Faktor 6 erhöhtes Risiko für eine PAVK.

Zu 90 Prozent tritt eine PAVK an den Beinen auf. Das Ausmaß der Symptome hängt vor allem davon ab, wie leistungsfähig Kollateralen im Versorgungsgebiet der verengten Arterie sind. Das erklärt, warum bei etwa einem Drittel der Patienten die Erkrankung asymptomatisch ist (Fontaine-Stadium I), so Professor Dierk Scheinert und Dr. Andrej Schmidt von der Medizinischen Klinik I am Parkkrankenhaus Leipzig Südost. In ihrem zertifizierten Fortbildungsbeitrag "Gehtraining gegen die Schaufensterkrankheit" erläutern sie Diagnostik und Therapie bei Patienten mit PAVK.

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Bestimmung des Blutdrucks am Knöchel zur Errechnung des Knöchel-Arm-Indexes.

Foto: Prof. Curt Diehm

Zu Symptomen kann es bereits kommen, wenn der Gefäßquerschnitt um die Hälfte verringert ist. Typisches Symptom ist die Claudicatio intermittens (Fontaine-Stadium II). Im fortgeschrittenen Stadium treten Ruheschmerzen (Fontaine-Stadium III) und ischämische Läsionen (Fontaine-Stadium IV) auf.

Bei der klinischen Untersuchung wird besonders auf Hautkolorit, Ulzera oder Nekrosen geachtet. Die Hauttemperatur sollte an allen Extremitätenabschnitten überprüft werden. Zudem wird ein vollständiger Pulsstatus erhoben, und es müssen Sensibilität und Motorik geprüft werden. Strömungsgeräusche bei der Auskultation der peripheren Arterien sind meist ein Frühsymptom der PAVK, das noch vor den Durchblutungsstörungen auftritt. Bei einer Lumenverengung von 50 bis 70 Prozent sind die Strömungsgeräusche gut hörbar.

Um die Diagnose zu sichern und den Schweregrad der Erkrankung festzustellen hat sich die Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes (Ankle-Brachial-Index, ABI) bewährt. Normal ist ein ABI ≥ 0,9. Bei einem ABI von 0,7 - 0,89 liegt eine milde und bei einem ABI von 0,41 - 0,69 eine moderate PAVK vor. Bei einem ABI ≤ 0,4 besteht eine schwere Ischämie.

Unter den apparativen diagnostischen Verfahren ist die Duplexsonografie die Methode der Wahl. Mit ihr lassen sich die Durchblutung der peripheren Arterien, die Flussgeschwindigkeit des Blutes sowie Art, Ausmaß und Lokalisation der Läsionen beurteilen.

Mit der Therapie wird so früh wie möglich begonnen. Da die PAVK meistens infolge einer Atherosklerose auftritt, sollte auf geeignete Maßnahmen der Primärprävention geachtet werden wie Verbesserung der Blutdruck- und Blutzuckereinstellung und des Lipidprofils. Zudem sollte auf das Rauchen verzichtet werden.

Patienten in den Fontaine-Stadien I und II erhalten eine konservative Therapie. Wegen des hohen kardiovaskulären Risikos wird eine lebenslange Therapie mit Acetylsalicylsäure empfohlen. Zudem sollten die Patienten ein Gehtraining von täglich mindestens 30 bis 40 Minuten absolvieren. Ziel ist es, die schmerzfreie Gehstrecke wieder zu verlängern.

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Gehstrecke oder einer kritischen Extremitätenischämie ist eine chirurgische oder interventionelle Revaskularisation indiziert. (mar)

Zu dem Modul "Gehtraining gegen die Schaufensterkrankheit"

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