Ärzte Zeitung, 21.02.2011

Wunsch nach eigenem Kind ist auch bei Krebspatientinnen realistisch

Fertilitätserhalt

Wunsch nach eigenem Kind ist auch bei Krebspatientinnen realistisch

Die Überlebensrate von Krebspatientinnen nimmt stetig zu. Behandelnde Ärzte werden daher in zunehmendem Maße mit den Langzeitfolgen von Chemotherapie und Bestrahlung konfrontiert, zum Beispiel mit Fertilitätsproblemen.

Die Beratung für eine spätere Familienplanung müsse möglichst zeitnah zur Diagnosestellung des Krebsleidens erfolgen, fordern die Autoren der zertifizierten Fortbildungseinheit "Fertilitätserhalt bei Krebs".

Wunsch nach eigenem Kind ist auch bei Krebspatientinnen realistisch

Laparoskopische Entnahme von Ovargewebe: Die Kryokonservierung von ovariellem Gewebe mit Replantation wird bereits seit mehreren Jahren als Methode zum Fertilitätserhalt untersucht.

© PD Roxana Popovici, TU München

Bei den meisten Frauen können verschiedene Optionen des Fertilitätserhalts erwogen werden, so Privatdozentin Roxana Popovici von der TU München, Professor Michael von Wolff vom Inselspital Bern und Professor Thomas Strowitzki von der Universität Heidelberg.

Die für die Beratung und Entscheidungsfindung wichtigsten Parameter sind: Alter der Patientin, Art und Stadium der Grunderkrankung, geplante Behandlung (Art und Dosis der Chemotherapie oder der Radiatio), die Zeit, die bis zum Beginn der zytotoxischen Behandlung verbleibt, ohne die onkologische Therapie zu beeinflussen, sowie der Patientenwunsch.

In einer Studie an Patienten mit M. Hodgkin wurde die Chance auf eine Schwangerschaft untersucht. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Zeitraum von 10 Jahren schwanger zu werden, wurde mit 59 Prozent berechnet.

Das Alter der Frauen bei Diagnosestellung ist der entscheidende prognostische Faktor. Die Zehn-Jahres-Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, lag in der Gruppe der Frauen, die bei Diagnosestellung 30 bis 40 Jahre alt waren, bei 18 Prozent, in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen lag sie bei 77 Prozent.

Wunsch nach eigenem Kind ist auch bei Krebspatientinnen realistisch

Eine Krebsdiagnose muss nicht das Ende des Kinderwunsches sein: Bei den meisten jungen Frauen mit Krebs gibt es verschiedene Optionen des Fertilitätserhalts.

© Peter Atkins / fotolia.com

Die Bestrahlung der Ovarien kann abhängig von der Dosis zu einem sofortigen Ovarialversagen führen. Die Dosis korreliert mit dem Alter der Patientin, also direkt mit dem zur Verfügung stehenden Oozytenpool. Auch die gonadotoxische Wirkung einer Chemotherapie hängt erheblich vom Alter der Patientin ab.

Zu den derzeit verwendeten Maßnahmen des Fertilitätserhalts zählen die Therapie mit GnRH-Analoga, die Kryokonservierung von Ovarialgewebe, die ovarielle Stimulation mit Kryokonservierung von befruchteten Eizellen oder von unbefruchteten Eizellen. Bis auf die herkömmliche künstliche Befruchtung mit Kryokonservierung befruchteter Eizellen gelten alle diese Verfahren als experimentell.

Die Kryokonservierung von ovariellem Gewebe mit Replantation wird seit über einem Jahrzehnt als Methode zum Fertilitätserhalt untersucht. Technisch gesehen ist die Ovargewinnung ein einfaches Verfahren. Laparoskopisch wird eine unilaterale oder eine partielle Ovarektomie vorgenommen.

Eine Replantation erfolgt meist in loco typico in eine peritoneale Tasche oder in das restliche Ovarbett. Die Gewinnung von Ovargewebe hat im Vergleich zur hormonellen Stimulation den Vorteil, dass sie zyklusunabhängig erfolgen kann und sich die onkologische Therapie nicht verzögert. Mögliche negative Einflüsse der hormonellen Stimulation werden vermieden.

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) sind im klinischen Alltag etablierte Methoden und können für die Fertilitätsprotektion eingesetzt werden. Voraussetzung ist zum einen eine stabile Partnerschaft, zum anderen eine Zeitspanne von mindestens 12 Tagen bis zum Beginn der gonadotoxischen Therapie.

 Bei hormonabhängigen Tumoren ist der Einsatz dieser Methode aufgrund der unzureichenden Datenlage zum kurzzeitig erhöhten hormonellen Einfluss auf den Tumor limitiert. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Fertilitätserhalt bei Krebs"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »