Ärzte Zeitung, 16.05.2011

Vor allem bei Älteren: Nutzen und Risiken der Therapie abwägen!

Leukämien

Vor allem bei Älteren: Nutzen und Risiken der Therapie abwägen!

Bei Leukämien werden - je nach Verlauf - akute von chronischen Formen unterschieden. Akute Leukämien sind lebensbedrohliche Erkrankungen, die unbehandelt in Wochen bis Monaten zum Tode führen, wohingegen chronische Leukämien meist über Jahre verlaufen, erläutern Dr. Beate Schultheis vom Marienhospital Herne und Kollegen in der CME-Fortbildungseinheit "Kampf der Leukämie!"

Vor allem bei Älteren: Nutzen und Risiken der Therapie abwägen!

Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Sie gilt als "Altersleukämie".

© BSIP / Your Photo Today

Die Klassifikation in myeloische oder lymphatische Leukämien basiert auf morphologischen, immunologischen sowie molekulargenetischen Eigenschaften der Leukämiezellen. Die wichtigsten Leukämieformen sind die

  • akute lymphatische Leukämie,
  • akute myeloische Leukämie,
  • chronische lymphatische Leukämie und die
  • chronische myeloische Leukämie.

Vor allem bei Älteren: Nutzen und Risiken der Therapie abwägen!

Kind mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL): Diese Form tritt vorwiegend, aber nicht nur bei Kindern und jüngeren Erwachsenen auf.

© dpa

Für die Therapie von Patienten mit Leukämien gilt: Vor allem bei Erkrankungen im höheren Alter müssen Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden. Die betroffenen Patienten werden in der Regel mit einer Chemotherapie, einer Hochdosistherapie mit autologer Stammzellinfusion und / oder einer allogenen Knochenmark- oder Stammzelltransplantation behandelt.

Neuere Therapiemöglichkeiten sind monoklonale Antikörper und spezifische Medikamente ("targeted therapy"). Auch die Strahlentherapie steht zur Verfügung. Sie kann kurativ oder palliativ erfolgen. Eine kurative Zielsetzung wird vor allem bei akuten Leukämien verfolgt.

Dadurch sollen Rezidive in Regionen verhindert werden, die wegen großer Tumormasse oder durch besondere anatomische Verhältnisse nur unzureichend chemotherapeutisch behandelt werden können.

Akute lymphatische Leukämie (ALL): Sie ist eine maligne Erkrankung lymphatischer Vorläuferzellen des Knochenmarks, des Lymphsystems oder des Thymus. Diese Form tritt vorwiegend bei Kindern und jüngeren Erwachsenen auf, ist aber nicht auf diese Altersgruppe beschränkt. Über eine Risikostratifikation werden die Patienten in eine Standard-, Hoch- und Höchstrisikogruppe eingeordnet. Die Standardtherapie basiert auf einer intensiven Kombinations-Chemotherapie, kombiniert mit einer ZNS-Rezidivprophylaxe. Eine mögliche Knochenmarktransplantation oder Transplantation peripherer Stammzellen kann je nach Risikoprofil erwogen werden.

Akute myeloische Leukämie (AML): Diese Form macht etwa 70 bis 80 Prozent der akuten Leukämien des Erwachsenen aus. Auch hier wird nach molekularen Risikoprofilen zwischen Hoch- und Niedrigrisikopatienten unterschieden. Da bei älteren Patienten über 60 Jahren die therapieassoziierte Mortalität unabhängig von der leukämischen Grunderkrankung erhöht ist, sind intensive Therapien oft nicht möglich. Das verschlechtert entsprechend die Gesamtprognose.

Chronische myeloische Leukämie (CML): Ein Modell für andere Tumorerkrankungen, da hier eine chromosomale Veränderung als ursächlich erkannt und das erste Mal eine molekular gezielte ("targeted") Therapie eingesetzt wurde.

Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Diese häufigste Leukämie in den westlichen Ländern gilt als "Altersleukämie". Nicht in jeder Situation ist hier eine Therapie erforderlich. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Kampf der Leukämie!"

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