Ärzte Zeitung, 15.02.2012

Hirntumoren erfordern differenzierte Behandlungsstrategien

Maligne Gliome

Hirntumoren erfordern differenzierte Behandlungsstrategien

Hirntumoren erfordern differenzierte Behandlungsstrategien

Ein mittels Magnetresonanztomografie (MRI) entdecktes Gliom.

© Arteria Photography

Patienten mit malignen Gliomen müssen nach der Primärdiagnose und im Rezidiv differenziert behandelt werden. Ihre Prognose wird nicht nur von der Behandlung, sondern wesentlich vom Lebensalter, vom histopathologischen Befund und von gut charakterisierten molekularen Veränderungen im Tumorgewebe bestimmt.

In seiner CME-Fortbildung "Aktuelle Prinzipien der Behandlung maligner Gliome" geht Professor Uwe Schlegel von der Ruhr-Universität Bochum näher auf die Therapie ein.

Die Behandlung ist differenziert: Glioblas tome, WHO-Grad IV, anaplastische Astrozytome, Oligoastrozytome und Oligodendrogliome, alle WHO-Grad III, haben unterschiedliche Spontanverläufe und erfordern unterschiedliche Therapien.

Ein niedrigerer WHO-Grad, eine oligodendrogliale Histologie und ein jüngeres Lebensalter begünstigen die Prognose. Zudem ist zusätzlich ein molekularer Marker von prognostischer Bedeutung: das Vorliegen von Mutationen im Codon 132 des IDH-1-Gens (IDH: Isozitratdehydrogenase).

Therapiestandards durch Studienergebnisse verändert

Die Therapiestandards wurden durch Studienergebnisse in den vergangenen Jahren verändert: Nach den Ergebnissen der NOA-04-Studie ist es gerechtfertigt, bei anaplastischen Gliomen, WHO-Grad III, als Primärtherapie nach operativer Resektion entweder eine Bestrahlung der erweiterten Tumorregion oder eine Chemotherapie einzusetzen und im Rezidiv dann mit der jeweils anderen Modalität zu behandeln.

Beim Glioblastom bleibt die postoperative Radio- / Chemotherapie mit Temozolomid, gefolgt von einer adjuvanten Temozolomidgabe über sechs Zyklen bislang der Standard, an dem sich andere Therapien messen lassen müssen.

Bei älteren Patienten mit malignem Gliom lassen Ergebnisse aus großen Studien vermuten, dass für diese Gruppe kein wesentlicher Unterschied in Bezug auf die Effektivität einer primären ausschließlichen Temozolomid- oder Strahlentherapie besteht.

Hirntumoren erfordern differenzierte Behandlungsstrategien

Positronen-Emissions-Tomogramm (PET) eines Glioms.

© Arteria Photography

Derzeit werden interessante Substanzen in Studien zur Primärtherapie bei Glioblastom untersucht. Dabei entscheiden heute bereits bestimmte molekulare Marker über die Stratifizierung innerhalb von Studien oder sind sogar Voraussetzung für den Studieneinschluss.

Für Patienten über 65 Jahre mit Glioblastom gab es bislang wenige Daten aus Studien: Die Langzeitauswertung der Stupp-Studie zeigte allerdings auch für Betroffene zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr einen Überlebensvorteil, wenn zusätzlich zur Strahlentherapie mit Temozolomid behandelt wurde.

Studie belegt Überlebensdauer mit Strahlentherapie bei ≥ 70 Jährigen

Darüber hinaus ist seit der Publikation einer prospektiven Studie im Jahre 2007 belegt, dass auch für Patienten ≥ 70 Jahre die Strahlentherapie der erweiterten Tumorregion (in der Studie mit 50 Gy) zu einer längeren Überlebenszeit führt als rein supportive Maßnahmen.

Auch konnte für Patienten ≥ 60 Jahre nachgewiesen werden, dass eine hypofraktionierte Strahlentherapie mit 15-mal 2,67 Gy ebenso wirksam ist wie eine Strahlentherapie mit 30-mal 2 Gy.

Ungeklärt war lange die Frage, ob ältere Patienten mit Glioblastom genauso wirkungsvoll mit einer alleinigen Chemotherapie behandelt werden können wie mit einer Strahlentherapie. Hier lässt sich wohl aus der momentanen Datenlage schlussfolgern, dass die primäre postoperative Strahlentherapie die Behandlung der Wahl ist.

Patienten in einem akzeptablen klinischen Zustand, das heißt mit einem Karnofsky-Index ≥ 70, sollten nach den bisher vorliegenden Daten nach Stupp-Schema behandelt werden. (otc)

Für Fachkreise: Zu dem Modul "Aktuelle Prinzipien der Behandlung maligner Gliome"

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