Ärzte Zeitung, 10.10.2014

Fortbildung

Einige Ärzte riskieren Honorarkürzungen

Mit Umsetzungsquoten von KV-übergreifend weit über 90 Prozent kann sich die Fortbildungsbereitschaft der Ärzte und Psychotherapeuten sehen lassen. Dennoch gibt es immer noch einige Kollegen, denen Honorarkürzungen drohen.

Einige Ärzte riskieren Honorarkürzungen

Büffeln was das Zeug hält? – Seit 2004 sind Kassenärzte verpflichtet, CME-Punkte zu erwerben.

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NEU-ISENBURG. Zum zweiten Mal nach 2009 hatten zum 30. Juni dieses Jahres die seit langem niedergelassenen Vertragsärzte ihrer KV den Erwerb von 250 CME-Punkten nachzuweisen.

Umsetzungsquoten zwischen 93,4 Prozent (Nordrhein) und 99,5 Prozent (Sachsen-Anhalt) lassen insgesamt keine gravierenden Unterschiede erkennen. Von ungenügender Bereitschaft der Ärzte, sich auf dem neuesten Stand des Wissens zu halten, kann also keine Rede sein.

Vereinzelt freilich werden Honorarkürzungen - die sozialrechtlich vorgesehene Sanktion für CME-Muffel - in Kauf genommen. Regionalen Hinweisen zufolge gilt das wohl vor allem für ältere Ärzte, die kurz vor der Rente stehen.

Zudem scheint manchem nicht bewusst zu sein, dass die Übermittlung des Fortbildungszertifikates durch die Kammer an die KV ihres ausdrücklichen Einverständnisses bedarf. Die Details aus den KVen:

Baden-Württemberg

Bei der Kammer liegen etliche unbearbeitete Anträge von Ärzten auf Ausstellung des Fortbildungszertifikats. Es wird vermutlich noch Wochen dauern, sie alle abzuarbeiten.

KV-Sprecher Kai Sonntag vermutet, die Verzögerung habe mit der Vorbereitung der Kammer-Wahl zu tun, die Ressourcen bindet. Ende Juni hatten 64 Prozent der im Ländle Niedergelassenen noch kein Zertifikat vorgelegt.

Bayern

Im Freistaat waren zu Ende Juni 14.547 Vertragsärzte nachweispflichtig. 407 haben diesen Nachweis nicht erbracht. Bei den Vertragspsychotherapeuten waren es 58 von insgesamt 1853, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns mit.

Berlin

300 der insgesamt 8400 ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in der Hauptstadt müssen ab sofort mit Honorarkürzungen rechnen, weil sie die vorgeschriebenen Fortbildungspunkte nicht termingerecht eingereicht haben.

Brandenburg

Fast alle Ärzte haben hier ihre CME-Nachweise fristgerecht eingereicht. Nur 31 Ärzte kamen dem nicht nach - weniger als ein Prozent der rund 3700 märkischen Ärzte und Psychotherapeuten.

Die Betroffenen müssen nun Honorarkürzungen von zunächst zehn Prozent hinnehmen. Darunter 16 Hausärzte, fünf Gynäkologen, vier Chirurgen und ein Psychotherapeut.

Diese Ärzte sind meist bereits 65 Jahre oder älter.

Bremen

1168 Ärzte sind in Bremen und Bremerhaven nachweispflichtig, "Uns liegen lediglich 22 Nachweise nicht vor, was einer Quote von 98,1 Prozent entspricht.

Das heißt, diese 22 Ärzte haben mit Honorarkürzungen für das Quartal 3/2014 zu rechnen", so KV-Sprecher Christoph Fox.

Hamburg

19 Ärzte und acht Psychotherapeuten haben ihre Fortbildungsverpflichtung nicht termingerecht erfüllt. Damit sind rund drei Prozent der nachweispflichtigen Ärzte und Psychotherapeuten in der Hansestadt ohne Zertifikat.

Betrachtet man nur die Gruppe der Ärzte, liegt dieser Anteil bei sechs Prozent.

Hessen

Von 6097 Ärzten sind 220 säumig. Das entspricht einer Erfüllungsquote von 96,4 Prozent. Bei den Psychotherapeuten sieht es genauso gut aus, 1227 von 1272 haben das Zertifikat vorgelegt.

Mecklenburg-Vorpommern

In dem Flächenstaat sind 1827 Ärzte und Psychotherapeuten niedergelassen, 23 davon haben das geforderte Zertifikat nicht vorlegen können.

Damit sind fast 99 Prozent der Ärzte im Nordosten auf der sicheren Seite.

Niedersachsen

In Niedersachsen sind rund 13.600 Ärzte nachweispflichtig. Nur 21 müssen mit Honorarkürzungen rechnen, versichert KV-Sprecher Detlef Haffke.

Nordrhein

685 Ärzte und 100 Psychotherapeuten haben die Punkte nicht nachgewiesen (6,6 Prozent). "Die KV Nordrhein bewertet den Anteil vor allem vor dem Hintergrund häufiger Hinweise auf die Fortbildungspflicht als relativ hoch", so Sprecher Dr. Heiko Schmitz.

Manchen Mitgliedern sei immer noch nicht klar, dass Fortbildungspunkte nicht automatisch von der Kammer an die KV übermittelt werden.

Dafür müsse eine gesonderte Einverständniserklärung abgegeben werden.

Rheinland-Pfalz

4118 Ärzte sind ihrer Pflicht nachgekommen. Bei den Psychotherapeuten haben 470 zum Stichtag geliefert. Damit beträgt die Erfüllungsquote 98,1 Prozent.

Saarland

An der Saar hatten zu Ende Juni 1266 Ärzte und Psychotherapeuten Zertifikate einzureichen. Mit 1208 Nachweisen beträgt die Erfüllungsquote 95,4 Prozent.

39 der insgesamt 58 säumigen Ärzte habe man eine Fristverlängerung gewährt, teilte KV-Vorstandschef Dr. Gunter Hauptmann mit.

Sachsen

Keine Angaben.

Sachsen-Anhalt

17 von 3355 Ärzten haben ihre 250 Fortbildungspunkte nicht erreicht. Laut KV-Vorstand Mathias Tronnier wird deren Honorar für die nächsten vier Quartale um jeweils zehn Prozent gekürzt.

Schleswig-Holstein

176 Ärzte und Psychotherapeuten sind den Beweis ihrer Fortbildung schuldig geblieben, 4164 haben geliefert.

Von den 176 Ärzten und Psychotherapeuten, die die Punkte nicht nachweisen konnten, sind 63 über 65 Jahre alt.

Thüringen

Mit 34 Ärzten, die dem Nachweis ihrer regelmäßigen Fortbildung nicht nachgekommen sind, beziehungsweise deren Nachweis nicht nachgekommen sind, beträgt die Ausfallquote 1,7 Prozent.

Westfalen-Lippe

Zum Stichtag hatten 319 Ärzte und zwölf Psychotherapeuten das Fortbildungszertifikat nicht vorgelegt. Das entspricht einem Anteil von 4,0 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent.

Die KVWL vermutet, dass vielen trotz entsprechender Informationen nicht klar ist, dass sie der KV das Fortbildungszertifikat vorlegen müssen.

"Wahrscheinlich hat ein Großteil bereits 250 Fortbildungspunkte erreicht, jedoch nicht das Fortbildungszertifikat beantragt oder es der KVWL nicht geschickt, obwohl sie es bereits bekommen haben", so KV-Sprecher Christopher Schneider. (cw, Mitarbeit von di, cben, ami, fst, chb, bee, iss, zie, tt, sto, rbü)

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