Kooperation | In Kooperation mit: CompuGroup Medical

Telematikinfrastruktur

Start frei für neue Anwendungen mit der Karte

Auch wenn es hier und da noch hakt: Der Anschluss der Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur (TI) ist weitgehend vollzogen. Jetzt rücken Mehrwertanwendungen wie Notfalldatensatz, elektronische Medikation und der Kommunikationsdienst KIM in den Blick – und damit eine bessere Patientenversorgung.

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In der elektronischen Gesundheitskarte steckt mehr als nur ein paar Stammdaten.

In der elektronischen Gesundheitskarte steckt mehr als nur ein paar Stammdaten. Diese Erfahrungen werden die Ärzte und Patienten in den kommenden Monaten machen.

© [M] sba | LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com | Karte: ÄZ

Die Corona-Krise hat die medizinische Versorgung einem Stresstest unterzogen. Das gilt auch für das Langzeitprojekt der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Im Großen und Ganzen wurde dieser Test bestanden: Die Ausstattung der Arztpraxen und psychotherapeutischen Praxen mit Konnektoren ist weitgehend vollzogen. Über 100.000 Arztpraxen sind mittlerweile an die TI angebunden.

Höchste Zeit also, dass mehr als nur das obligate – und für Ärzte wie Patienten wenig nutzenbringende – Update der Versichertenstammdaten über den Konnektor abgewickelt wird.

„Wir müssen jetzt unbedingt zeigen, was in der TI steckt“, sagte CGM-Vorstandsmitglied Dr. Eckart Pech bei einem Expertengespräch zu den medizinischen Anwendungen in der Telematikinfrastruktur, das von Springer Medizin – „Ärzte Zeitung“ und CompuGroup Medical initiiert worden ist.

Telematikinfrastruktur-Expertenworkshop 2020

Arzt-Arzt-Kontakt via TI

Für das was jenseits des Versichertenstammdaten-Updates „in der TI steckt“ ist der E-Health-Konnektor nötig, ein im Branchenjargon PTV3 genanntes Software-Update der ersten Konnektorgeneration. Dieses Update erlaubt es, elektronische Notfalldaten auf der eGK eines Patienten anzulegen bzw. einzusehen.

Mit dem E-Health-Konnektor kann auch die elektronische Variante des bundeseinheitlichen Medikationsplans (eMP) auf der eGK abgelegt werden, und es können Nachrichten und Dokumente qualifiziert signiert und über den neuen Kommunikationsstandard KIM (Kommunikation im Medizinwesen) versendet werden.

Wir müssen jetzt unbedingt zeigen, was in der Telematikinfrastruktur steckt.

Dr. Eckart Pech, Vorstandsmitglied der CompuGroup Medical

Die CompuGroup Medical war im Juli 2020 der erste Hersteller, der von der gematik eine Zulassung für den E-Health-Konnektor erhalten hat. Mittlerweile hat auch der zweite große Hersteller diese Hürde genommen. „Damit kann es jetzt losgehen mit den medizinischen Fachanwendungen“, betonte Lars Gottwald, Leiter des Business Teams bei der gematik. Insbesondere Notfalldaten und eMP könnten quasi direkt genutzt werden, wenn das Praxis-IT-System über das nötige Software-Update verfügt.

Für den Versand von Nachrichten und Dokumenten über KIM müssen sich Ärzte zusätzlich noch einen KIM-Anbieter suchen, auch der Empfänger muss KIM-Nutzer sein, sonst geht es nicht. Bei den KIM-Diensten ist die CGM der erste und bisher einzige zugelassene Anbieter, berichtete Gottwald.

Er gehe davon aus, dass bis Jahresende zwei weitere Anbieter einsatzbereit sind. Ein KIM-Dienst ist für Ärzte künftig unverzichtbar, unter anderem weil elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) 2021 Pflicht werden und dann über KIM zu versenden sind. Eine Deadline für die digitale Übermittlung der eAU könnte für Ärzte der 1. Oktober 2021 werden, darüber verhandeln aktuell KBV und GKV-Spitzenverband. Für Nutzer anderer digitaler Kommunikationsdienste wie KV-Connect gibt es bisher noch Übergangsregelungen.

eHBA und Patienten-PIN sind nötig

Ganz so einfach ist es mit dem Loslegen dann allerdings doch nicht. Zwar wurden mittlerweile bei über 25.000 Konnektoren die Updates für medizinische Anwendungen eingespielt, und die Zahlen stiegen aktuell rasant, berichtete Pech. Um Notfalldaten oder Medikationspläne anlegen oder Dokumente qualifiziert signieren zu können, benötigt der Arzt zusätzlich aber einen elektronischen Heilberufsausweis, der über die Kammer beantragt werden muss. Das sei aktuell in 15 von 17 Bezirken möglich, und die beiden anderen Kammern – Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – seien kurz davor.

Auf Patientenseite ist zumindest für Anlage und Auslesen der E-Medikation – und dann auch für die E-Patientenakte (ePA) – eine Patienten-PIN nötig, die die Versicherten in Form eines Briefs von ihrer Kasse erhalten. Die meisten Kassen bereiten diese Aussendung gerade vor oder schulen ihre Mitarbeiter.

Umfrage: Ärzte sehen NFDM als sehr sinnvoll an

Dass das Erstellen von Notfalldaten und E-Medikation auf der eGK gut funktioniert, konnte in einem großen Feldtest der CGM in Westfalen-Lippe gezeigt werden. Über 90 Prozent der an dem Test teilnehmenden Ärzte hätten etwa die Anwendung Notfalldatenmanagement (NFDM) als sehr sinnvoll bezeichnet, so Gottwald.

Auch die Umsetzung klappte: „Technisch gab es praktisch keine Schwierigkeiten. Das lief reibungslos. Die reine Erstellung eines Notfalldatensatzes aus dem PVS heraus dauerte bei uns keine zwei Minuten“, sagte der Allgemeinmediziner Dr. Heinz Giesen aus Ahaus, einer der Testärzte. Allerdings müssten die Patienten auch beraten werden, und viele benötigten Hilfe beim Umgang mit der PIN: „Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass der weitere Rollout durch diese organisatorisch-prozessualen Hemmnisse deutlich ins Stocken geraten wird.“ (gvg)

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