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Onkologie und Palliativmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Fatigue und Schmerzen

Vitamin C induziert den programmierten Zelltod von Tumorzellen. Zudem verbessern Vitamin-C-Infusionen die Lebensqualität von Krebspatienten – auch im Palliativbereich.

Veröffentlicht: 01.07.2020, 04:00 Uhr
Vitamin-C-Infusionen bei Fatigue und Schmerzen

Die Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie. Deutlich sichtbar ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin.

© Jan-Peter Kasper / dpa

Der Nutzen von Vitamin-C-Infusionen hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität bei Krebspatienten ist gut beschrieben [1, 2]. Hintergrund ist der durch oxidativen Stress und Entzündung hervorgerufene metabolische Verbrauch an Vitamin C, der durch Operation, Chemotherapie und Bestrahlung weiter intensiviert wird und häufig zu klinischen Vitamin-C-Mangelzuständen führt [2].

Hilfe bei Fatigue, Schmerzen und GI-Symptomen

Die Vitamin-C-Hochdosis-Infusionstherapie lindert Fatigue und verbessert die Lebensqualität von Krebspatienten. Zu diesem Statement kommt ein Review, das insgesamt fünf klinische Studien und zwei Fallstudien einbezog [3]. Mittels eines speziellen Fragebogens für Krebspatienten (EORTC-QLQ C-30) wurde eine signifikante Verbesserung der physischen, emotionalen und kognitiven Funktionen beobachtet. Parallel verbesserte sich der allgemeine Gesundheitszustand deutlich. Symptomatisch gaben die Patienten vor allem geringere Score-Werte für Fatigue, Depressionen, Schlafstörungen, Schmerzen und gastrointestinale (GI)-Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitverlust an [4-10]. Die Autoren heben insbesondere die Effekte auf die starke Erschöpfung (Fatigue) bei Tumorpatienten hervor.

Verantwortlich für die positiven Effekte der Vitamin-C-Hochdosis-Infusionstherapie auf den Gesundheitszustand sind für die Wissenschaftler vor allem zwei Aspekte: Erstens behebt die Infusionstherapie schnell Vitamin-C-Mangelzustände und stellt Vitamin C als Ko-Faktor wichtiger enzymatischer Reaktionen zur Verfügung. Und zweitens wirken Vitamin-C-Infusionen anti-oxidativ und anti-entzündlich.

Intravenöses Vitamin C bei Lymphopenie

Vitamin C ist essentiell für unsere Immunantwort: Immunzellen akkumulieren es aktiv in hohen Konzentrationen [11]. Vitamin C ist von besonderer Relevanz bei Lymphopenie, die bei Tumorpatienten häufig durch die Chemo- oder Strahlentherapie verursacht wird. Eine Beobachtungsstudie hat ergeben, dass die vierwöchige Therapie mit 7,5 g Vitamin C (Pascorbin®) zu einem signifikanten und klinisch relevanten Lymphozytenanstieg führte – insbesondere bei Patienten mit schwerer Lymphopenie (<1000 Zellen/µl) [12].

Chemotherapeutisches Potential wird untersucht

Die Vitamin-C-Infusionstherapie hat es bis in die renommierten Fachzeitschriften „nature“ und „science“ geschafft. Die wohl wichtigste Erkenntnis im Bereich der Onkologie: Hohe Vitamin-C-Konzentrationen wirken selektiv toxisch auf Tumorzellen. Vitamin C wirkt über die Bildung von Wasserstoffperoxid pro-oxidativ auf die Tumorzelle und induziert den programmierten Zelltod. Darüber hinaus greift Vitamin C in viele Stoffwechselwege ein und kann dadurch nicht nur die Tumorproliferation, sondern auch das Metastasen-Risiko reduzieren. Vitamin C fördert die Bildung von protektiven Faktoren wie Kollagen und reduziert andere für die Metastasierung relevante Faktoren.

Das chemotherapeutische Potential von Vitamin C wird momentan intensiv erforscht und es bleibt spannend, wie die Ergebnisse größerer randomisierter Studien insbesondere in Bezug auf die Dosierung und Frequenz von intravenösem Vitamin C ausfallen werden. Eine erste größere randomisierte Studie aus China infundierte wesentlich geringere Vitamin-C-Dosen, als dies bislang in Phase-I-Studien aus den USA der Fall ist, aber mit einer höheren Frequenz. Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und zeigen eine deutlich verlängerte Überlebenszeit [14].

Nutzen von Vitamin C in der Palliativmedizin

Bei einer Unterversorgung mit bestimmten Vitaminen kommt es zu unspezifischen Mangelsymptomen, die mit häufigen Beschwerden von Palliativpatienten wie Schmerzen, Schwäche, Müdigkeit, Appetitmangel und Depressivität übereinstimmen. Diese unspezifischen Symptome bestehen häufig schon bei subklinischen Mangelzuständen, bevor ein klinischer Mangel zu charakteristischen Symptomen führt. Es ist möglich, dass diese unspezifischen Vitamin-Mangelsymptome im Symptomenkomplex von Palliativpatienten unerkannt bleiben, weil sie fälschlicherweise allein auf die Grunderkrankung, den zunehmenden Entzündungszustand und die psychische Belastung durch die unheilbare Erkrankung zurückgeführt werden.

Hinweise auf Vitamin-C-Mangel

Die vorklinischen Anzeichen eines Vitamin-C-Mangels sind: allgemeine Müdigkeit, Leistungsschwäche, Beeinträchtigung des seelischen Wohlbefindens, verlangsamte Rekonvaleszenz, Infektanfälligkeit und schlechte Wundheilung.

Studien zu Vitamin-Mangelzuständen im Palliativbereich liegen kaum vor und wenn, dann betreffen sie fast ausschließlich onkologische Patienten. Während zur Versorgung mit Vitamin B6 keine Studien vorliegen, sieht die Studienlage zu Vitamin C und D vergleichsweise gut aus. Ein Mangel an Vitamin C und D ist bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren gut belegt [15-19].

In mehreren Beobachtungsstudien wurde eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität – insbesondere eine Reduktion von Fatigue und Schmerzen – nach Vitamin-C-Infusionen beobachtet [20, 21]. In Fallberichten ist auch eine Schmerzreduktion und ein geringerer Analgetika-Bedarf nach Vitamin-D-Supplementierung beschrieben [20, 22].

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Literatur


1) Klimant, E., et al., Intravenous vitamin C in the supportive care of cancer patients: a review and rational approach. Curr Oncol, 2018. 25(2): p. 139-148.

2) Carr, A.C. and J. Cook, Intravenous Vitamin C for Cancer Therapy - Identifying the Current Gaps in Our Knowledge. Front Physiol, 2018. 9: p. 1182.

3) Carr, A.C., M.C. Vissers, and J.S. Cook, The effect of intravenous vitamin C on cancer- and chemotherapy-related fatigue and quality of life. Front Oncol, 2014. 4: p. 283.

4) Ma, Y., et al., High-dose parenteral ascorbate enhanced chemosensitivity of ovarian cancer and reduced toxicity of chemotherapy. Sci Transl Med, 2014. 6(222): p. 222ra18.

5) Stephenson, C.M., et al., Phase I clinical trial to evaluate the safety, tolerability, and pharmacokinetics of high-dose intravenous ascorbic acid in patients with advanced cancer. Cancer Chemother Pharmacol, 2013. 72(1): p. 139-46.

6) Takahashi, H., H. Mizuno, and A. Yanagisawa, High-dose intravenous vitamin C improves quality of life in cancer patients. Personalized Medicine Universe 2012. 1: p. 49-53.

7) Yeom, C.H., G.C. Jung, and K.J. Song, Changes of Terminal Cancer Patients‘ Health-related Quality of Life after High Dose Vitamin C Administration. J Korean Med Sci, 2007. 22(1): p. 7-11.

8) Vollbracht, C., et al., Intravenous vitamin C administration improves quality of life in breast cancer patients during chemo-/radiotherapy and aftercare: results of a retrospective, multicentre, epidemiological cohort study in Germany. In Vivo, 2011. 25(6): p. 983-90.

9) Carr, A.C., M.C. Vissers, and J. Cook, Relief from cancer chemotherapy side effects with pharmacologic vitamin C. N Z Med J, 2014. 127(1388): p. 66-70.

10) Carr, A.C., M.C. Vissers, and J. Cook, Parenteral vitamin C for palliative care of terminal cancer patients. N Z Med J, 2014. 127(1396): p. 84-6.

11) Carr, A.C. and S. Maggini, Vitamin C and Immune Function. Nutrients, 2017. 9(11).

12) Rodriguez, D.M., et al., Total lymphocyte count in cancer patients with lymphopenia treated with intravenous vitamin C: Results of an observational study Translational Medicine Communications, 2017. 2(3).

13) Polireddy, K., et al., High Dose Parenteral Ascorbate Inhibited Pancreatic Cancer Growth and Metastasis: Mechanisms and a Phase I/IIa study. Sci Rep, 2017. 7(1): p. 17188.

14) Zhao, H., et al., The synergy of Vitamin C with decitabine activates TET2 in leukemic cells and significantly improves overall survival in elderly patients with acute myeloid leukemia. Leuk Res, 2018. 66: p. 1-7.

15) Dev, R., et al., Preliminary report: vitamin D deficiency in advanced cancer patients with symptoms of fatigue or anorexia. Oncologist, 2011. 16(11): p. 1637-41.

16) Dev, R., et al., Association between hypogonadism, symptom burden, and survival in male patients with advanced cancer. Cancer, 2014. 120(10): p. 1586-93.

17) Haas, M., et al., Assessing novel prognostic serum biomarkers in advanced pancreatic cancer: the role of CYFRA 21-1, serum amyloid A, haptoglobin, and 25-OH vitamin D3. Tumour Biol, 2015. 36(4): p. 2631-40.

18) Carr, A.C. and J. Cook, Intravenous Vitamin C for Cancer Therapy - Identifying the Current Gaps in Our Knowledge. Front Physiol, 2018. 9: p. 1182.

19) Mayland, C.R., M.I. Bennett, and K. Allan, Vitamin C deficiency in cancer patients. Palliat Med, 2005. 19(1): p. 17-20.

20) Carr, A.C., M.C. Vissers, and J.S. Cook, The effect of intravenous vitamin C on cancer- and chemotherapy-related fatigue and quality of life. Front Oncol, 2014. 4: 283.

21) Carr, A.C., M.C. Vissers, and J. Cook, Parenteral vitamin C for palliative care of terminal cancer patients. N Z Med J, 2014. 127(1396): p. 84-6.

22) Whitehurst, J.L. and C.M. Reid, Vitamin D deficiency as a cause of chronic pain in the palliative medicine clinic: two case reports. Palliat Med, 2014. 28(1): p. 87-9.

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