Interview mit dem Neurologen und Palliativmediziner Prof. Dr. Roman Rolke, Aachen

Verbesserte Lebensqualität bei einem breiten Spektrum von Patienten

Veröffentlicht: 17.09.2019, 16:06 Uhr

Wie erleben Sie die Effekte von cannabisbasierten Wirkstoffen bei Ihren Patienten?

Rolke: Inzwischen behandele ich eine ganze Reihe von Patienten mit cannabisbasierten Wirkstoffen: junge Erwachsene mit muskulärer Spastik ebenso wie ältere Menschen mit schwer behandelbaren neuropathischen Schmerzen. Bei allen diesen Patienten erlebe ich vor allem eine Verbesserung der Lebensqualität, weil sich Cannabinoide auf ein breites Spektrum von Symptomen positiv auswirken. Während bei neuropathischen Schmerzen die Schmerzreduktion ausschlaggebend ist, ist es bei Tumorpatienten die Reduktion der Übelkeit.

Die Summe der vielen positiven Effekte von Tetrahydrocannabinol (THC) ist es, wodurch die Lebensqualität verbessert wird.

Worauf sollte der Neurologe bei der Behandlung besonders achten?

Rolke: Neurologen haben es oft mit neuropathischen Schmerzen zu tun, bei denen cannabisbasierte Wirkstoffe gut wirksam sein können. Bei manchen Patienten ist jedoch nicht klar, was hinter den Schmerzen steckt. Wenn hier die Wirksamkeit der üblichen Therapien nicht ausreicht oder erhebliche Nebenwirkungen auftreten, dann würde ich meinen Kollegen in der Neurologie empfehlen, einen Therapieversuch mit THC zu erwägen. Diese Patienten haben oft eine Arzt-Odyssee hinter sich und man sollte die Chance nutzen, die ihnen ein individueller Heilversuch mit THC bieten kann.

Für ältere Patienten finde ich es auch wichtig, dass wir bei THC nicht nur ein sehr gutes Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit haben, sondern dass auch Symptome wie Appetitlosigkeit oder gedrückte Stimmung mitbehandelt werden, sodass mehrere Aspekte der Lebensqualität positiv beeinflusst werden.

Ältere oder multimorbide Patienten nehmen häufig viele Medikamente ein. Was ist bei Polypharmazie und Add-on-Therapie mit THC zu beachten?

Rolke: THC wird zu etwa zwei Drittel hepatisch und zu einem Drittel renal ausgeschieden. Durch den hepatischen Abbau über das Cytochrom-System können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Eine verlängerte oder verstärkte THC-Wirkung entsteht bei gleichzeitiger Gabe von Medikamenten, die das Cytochrom-System hemmen, z.B. Omeprazol.

Ein verstärkter Abbau ist bei Komedikation mit cortisonhaltigen Präparaten, Carbamazepin oder Johanniskraut zu beobachten. Hier kann eine Dosis-erhöhung von THC notwendig sein. Um im Hinblick auf unerwünschte psychotrope Wirkungen auf der sicheren Seite zu sein empfehle ich, die THC-Dosis im Bereich von 5–20mg pro Tag zu halten.

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