COVID-19

Erste Corona-Infektionen möglicherweise schon im Oktober 2019

Die ersten Fälle von SARS-CoV-2-Infektionen beim Menschen könnten bereits früher als bisher vermutet aufgetreten sein, offenbart eine Datenmodellierung.

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SARS-CoV-2 könnte sich einer Modellrechnung zufolge schon im Januar weltweit verbreitet haben.

SARS-CoV-2 könnte sich einer Modellrechnung zufolge schon im Januar weltweit verbreitet haben.

© Aldeca Productions / stock.adobe.com

Peking. Nach einer neuen Datenmodellierung dürften die ersten Fälle von SARS-CoV-2 beim Menschen zwischen Anfang Oktober und Mitte November 2019 in China aufgetreten sein. Das belegt eine aktuelle Analyse (PLoS Pathogens 2021; online 24. Juni). Der Rechnung zufolge sei ein Datum um den 17. November herum wahrscheinlich, berichten die Forscherinnen und Forscher. Das Virus dürfte sich demnach deutlich schneller in der Welt verbreitet haben als nach den ersten Nachweisen bekannt.

Die ersten offiziell bestätigten Infektionen mit SARS-CoV-2 waren Anfang Dezember 2019 in der zentralchinesischen Metropole Wuhan erfasst worden. Virologen nehmen aber schon lange an, dass das Virus schon davor in der menschlichen Population zirkulierte. Diese Vermutung hatte auch das Ermittlungsteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geäußert, das im Januar und Februar in China nach dem Ursprung des Virus gesucht hatte.

Das Team um Dr. David Roberts von der britischen University of Kent errechneten den wahrscheinlichsten Zeitraum für das Überspringen des Erregers vom Tier auf den Menschen anhand der Daten für die ersten bestätigten Fälle in China und im Ausland. Sie nutzten dabei ein mathematisches Modell, mit dem im Naturschutzbereich Prognosen zum Aussterben von Arten gemacht werden.

Weltweite Verbreitung schon im Januar

Demnach dürfte sich das Virus wohl schon im Januar weltweit verbreitet haben. Nach den Berechnungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler könnte es um den 3. Januar in Japan die ersten Infektionen außerhalb Chinas gegeben haben. Der erste Fall in Europa wäre nach ihrer Berechnung in Spanien um den 12. Januar, der erste in den USA um den 16. Januar aufgetreten.

Roberts und sein Team weist allerdings darauf hin, dass ihre Schlussfolgerungen „nur so gut sind wie die Daten, die benutzt wurden“. Faktoren wie die Qualität der ersten verfügbaren Nachweisverfahren in den einzelnen Ländern dürften demnach die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem verlaufen viele Infektionen symptomlos oder mit eher milden Erkältungssymptomen, mit denen Menschen gerade am Beginn der Pandemie häufig keinen Arzt aufsuchten und daher auch nicht getestet wurden.

Wie genau SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen wurde, ist nach wie vor ungeklärt. Die Mehrheit der Virologen geht davon aus, dass das Virus von Fledermäusen ausgehend über einen noch unbekannten Zwischenwirt – etwa Marderhunde in Pelztierfarmen – auf den Menschen übertragen wurde.

Ob sich der tatsächliche Hergang noch klären lässt, ist ungewiss; Virologen hatten mehrfach angemerkt, dass dazu bisher keine Analysen aus China bekannt wurden. Ob Daten unter Verschluss gehalten werden oder es sie schlichtweg nicht gibt, ist dabei unklar. (dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Verwirrte Wissenschaftler oder wissenschaftliche Verirrungen

"Dating first cases of COVID-19" von David L. Roberts et al.
https://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1009620
ist nun wirklich ein Musterbeispiel für magisches, undiszipliniertes Denken in der Medizin.

Selbstverständlich ignorieren die 3 Autoren sämtliche internationalen Hinweise, dass es sich bei SARS-COV-2 auch um aus Hochsicherheitslaboren in Wuhan/VR China (un-)absichtlich entwichene Viren handeln könnte. Wuhan ist einer von 6 weltweit operierenden Hochsicherheits-Labors mit derart hohen Risiko-Standards.

Stattdessen präferiert das Autorenteam alleinig veterinäre Ursprünge, ohne Ursachen, Mechanismen, Übertragunsart, Zwischenwirte benennen zu können.

Ihre Analogie zu Modellen des Artensterbens ist geradezu lächerlich naiv, weil es hier um die Neuenstehung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen und gerade nicht ums Aussterben geht.

Schlussendlich entblöden sich David L. Roberts et al. nicht, ihre postulierte Vorverlegung von Erstmanifestationen des SARS-CoV-2-Virus mit einer Beschleunigung der Pandemie-Ausbreitung gleichzusetzen. Jedes Schulkind weiß, dass die Vorverlegung einer Ereignisausbreitung eine relative V e r l a n g s a m u n g derselben bedeuten muss.

Dr. Thomas Georg Schätzler

["While the COVID-19 pandemic continues, questions still persist as to its origins. Evidence is building that its origin as a zoonotic spillover occurred before the officially accepted timing of early December, 2019. We date the origin of COVID-19 cases from 203 countries and territories using a model from conservation science. We use a method that was originally developed to date the timing of extinction, and turn it to date the timing of origination using case dates rather than sighting events. Our results suggest that the virus emerged in China in early October to mid-November, 2019 (the most likely date being November 17), and by January, 2020, had spread globally. This suggests a much earlier and more rapid spread than is evident from confirmed cases."]

Fazit: Pseudo- und paralogisch publizierter Unsinn in der Corona-Pandemie-Debatte.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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