Corona-Studien-Splitter

Dritte Impfung mit Comirnaty® frischt Schutz zuverlässig auf

Blick auf neue Corona-Studien: Phase-III-Daten belegen die hohe Wirksamkeit einer Booster-Impfung. Die COVID-Vakzine schützt Jugendliche und Erwachsene vor der Delta-Variante. Und: Colchicin bringt bei der Behandlung von hospitalisierten COVID-Kranken keinen Vorteil.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Impfausweis mit Comirnaty-Eintrag: Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Wieder gut vor SARS-CoV-2 geschützt dank Auffrischungsimpfung.

© Bikej Barakus / stock.adobe.com

Update vom 22. Oktober

Eine Auffrischungsimpfung mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff erhöht den Impfschutz gegen COVID-19, der nach der zweiten Dosis erreicht wurde und im Laufe der Zeit abnimmt, deutlich. In einer Phase-III-Studie mit mehr als 10.000 Personen ab 16 Jahren stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Booster-Impfung eine relative Impfstoffwirksamkeit von 95,6 Prozent fest, verglichen mit den Teilnehmern, die keine Auffrischungsimpfung erhalten hatten. Das melden die beiden Unternehmen. Die Studienteilnehmenden wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder eine 30 μg-Auffrischungsimpfung (gleiche Dosis wie in der primären Impfserie) oder Placebo. Der mediane Zeitraum zwischen der zweiten Dosis und der Booster-Impfung oder Placebo-Impfung betrug etwa elf Monate. Das Auftreten von symptomatischer COVID-19 wurde mindestens sieben Tage nach Auffrischungsimpfung oder Placebo-Gabe untersucht, mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 2,5 Monaten. Während des Studienzeitraums wurden in der Gruppe mit Auffrischungsimpfung 5 COVID-19-Fälle registriert, in der Gruppe ohne Auffrischungsimpfung 109 Fälle (Mitteilung der Unternehmen Pfizer und BioNTech, veröffentlicht am 21. Oktober). (otc)

Eine COVID-19-Impfung schützt Jugendliche und Erwachsene auch vor der Delta-Variante. So senkt die BioNTech/Pfizer-Vakzine das Risiko einer Infektion mit Delta-Variante bei Jugendlichen um 90 Prozent. Zudem schützt sie zu 93 Prozent vor einer symptomatischen Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern und Forscherinnen aus Boston und Tel Aviv. Sie hatten Daten von 94.354 zweifach geimpften Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren mit der gleichen Zahl von ungeimpften Jugendlichen verglichen (NEJM 2021; online 20. Oktober). In einer weiteren Studie wurde während der aktuellen Delta-Welle auch bei Erwachsenen ein effektiver Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod nachgewiesen. In der Studie wurden unter 1.563.818 Einwohnern in Schottland zwischen April und September 2021 insgesamt 114.706 Infektionen mittels PCR-Test festgestellt, 201 Personen starben an COVID-19. Forscherinnen und Forscher der Universität Edinburgh ermittelten für die Gruppe der 60-Jährigen und älter eine Schutzwirkung vor Tod von 87 Prozent für Comirnaty® und von 90 Prozent für Vaxzevria®. In der Altersgruppe 40 bis 59 Jahren lag die Schutzwirkung vor tödlicher Erkrankung für Comirnaty® bei 95 Prozent und für Vaxzevria® bei 88 Prozent. Unter den 16- bis 39-Jährigen hatte es unter den Geimpften keinen Todesfall gegeben, bei den Ungeimpften 17 Todesfälle (NEJM 2021; online 20. Oktober). (otc)

Colchicin zeigt in bisher verfügbaren Studien keine Vorteile bei der Behandlung von hospitalisierten Patientinnen und Patienten mit COVID-19. Das bestätigt ein aktueller Cochrane Review. Colchicin wurde anfangs ja als Behandlungsoption für COVID-19 diskutiert, in der Hoffnung, dass dessen entzündungshemmende Eigenschaften die oft überschießende Immunreaktion bei COVID-19-Patienten dämpfen könnten. In der systematischen Übersichtsarbeit, in der drei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) analysiert wurden, kommen die Cochrane-Autorinnen und -Autoren nun zu dem Ergebnis, dass Colchicin bei hospitalisierten Menschen mit moderater bis schwerer Erkrankung „wahrscheinlich keinen oder lediglich einen sehr geringen Nutzen“ im Bezug auf klinische Besserung der Symptome oder Mortalität bis Tag 28 hat. Allerdings, so ihre Einschränkung, könnte Evidenz aus derzeit noch laufenden beziehungsweise unveröffentlichten Studien dieses Ergebnis noch verändern. Etwas anders sieht es bei ambulant behandelten Patienten mit asymptomatischer oder leichter Erkrankung aus: Hier verweist der Review auf Daten aus einer RCT, die darauf hindeuten, dass Colchicin das kombinierte Risiko einer Krankenhauseinweisung oder Tod innerhalb von 28 Tagen sowie von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen „leicht reduzieren könnte“. Betrachtet man das Sterberisiko isoliert, lassen sich jedoch keine Aussagen machen (Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, online 18. Oktober). (otc)

Update vom 21. Oktober

Zu einem Totimpfstoff gegen COVID-19 liegen jetzt positive Ergebnisse einer Phase-III-Studie vor. Das meldet der französische Hersteller Valneva. Demnach ist die Vakzine mit dem Namen VLA2001 der erste in Europa entwickelte und getestete inaktivierte Corona-Impfstoff. Statt Vektorviren oder mRNA verwendet das Unternehmen inaktivierte SARS-CoV-2-Viruspartikel. Der Impfstoff wurde in der Studie (n=4012) mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca (Vaxzevria®) verglichen, und zwar hinsichtlich der zellulären Immunantwort. Der primäre Endpunkt war die Immunogenität, gemessen als geometrischer Mittelwert des Titers (GMT) von SARS-CoV-2-spezifischen neutralisierenden Antikörpern, der zweite Endpunkt war die Verträglichkeit. Die Teilnehmer erhielten entweder zwei Dosen VLA2001 oder Vaxzevria® im Abstand von vier Wochen. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis von VLA2001 betrug der GMT 803,5 im Vergleich zu 576,6 nach der Gabe von Vaxzevria®. Damit schnitt der Totimpfstoff besser ab als der Vektorimpfstoff. Die Serokonversionsrate erreichte in beiden Gruppen über 95 Prozent. Reaktionen an der Injektionsstelle (73,2 versus 91,1 Prozent) und systemische Reaktionen (70,2 versus 91,1 Prozent) traten mit VLA2001 seltener auf als mit Vaxzevria®. Ein Antrag auf Zulassung in der EU werde derzeit vorbereitet (Mitteilung des Unternehmens Valneva, veröffentlicht am 18. Oktober). (otc)

Die Einnahme von Statinen ist bei älteren Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion während eines Krankenhausaufenthalts mit einer verringerten 28-Tage-Sterblichkeit verbunden. Das legt jetzt zumindest eine US-amerikanische Kohortenstudie mit 1179 Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion nahe. Wie die Forscher aus Boston und Ann Arbor festgestellt haben, bestand diese Assoziation sowohl bei Patienten, die vor dem Krankenhausaufenthalt bereits Statine eingenommen hatten, als auch bei solchen, die vorher noch keine eingenommen hatten (Hazard Ratio 0,270 beziehungsweise 0,493). Dies galt für Patienten über 65 Jahre, jedoch nicht bei Patienten ≤ 65 Jahre (J Inf Dis 2021, online 19. Oktober). (otc)

Update vom 19. Oktober

Kinder spielen bei der SARS-CoV-2-Übertragung möglicherweise eine größere Rolle als bisher angenommen. Darauf lassen die Ergebnisse einer belgischen Kohorten-Studie schließen. Forscherinnen und Forscher um Dr. Christelle Meuris von der Universitätsklinik in Lüttich, Belgien, haben insgesamt 181 Personen, und zwar 63 Kinder einer Grundschule sowie 118 Erwachsene (Eltern und Lehrer dieser Schule) untersucht. Alle Studienteilnehmer wurden zwischen September 2020 und Dezember 2020 einmal pro Woche über 15 Wochen mit einem PCR-Test auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hin untersucht. Außerdem wurden per Fragebogen Art und Dauer der Symptome im Falle einer Infektion ermittelt. Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der Rate der SARS-CoV-2-positiv getesteten Kinder und der Rate der positiv getesteten Erwachsenen: 13 Kinder (20,6 Prozent) und 32 Erwachsene (27,1 Prozent). Betroffene Kinder waren jedoch deutlich häufiger asymptomatisch als Erwachsene (46 Prozent versus 13 Prozent). Außerdem ergab die Rekonstruktion des Ausbruchs, dass die meisten SARS-CoV-2-Übertragungen von der Schule aus erfolgt waren, also durch Schüler oder Lehrer. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder eine größere Rolle bei der SARS-CoV-2-Übertragung spielen als bisher angenommen, resümieren die Studienautoren (JAMA Netw Open 2021; online 12. Oktober). (ikr)

Pandemie und Tabak: Der Pro-Kopf-Verkauf an Zigaretten war in den USA während der Pandemie wohl um gut 12 Prozent höher als der Verkauf, der aufgrund der Entwicklungen in den vorangegangenen Jahren ohne die Pandemie zu erwarten gewesen wäre. Das hat eine Modellrechnung von Forscherinnen und Forschern der American Cancer Society ergeben. Sie haben auf der Basis von Daten des Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau im US-amerikanischen Finanzministerium aus den vergangenen Jahren den zu erwartenden Pro-Kopf-Verkauf von Zigaretten im Zeitraum während der Corona-Pandemie geschätzt. Dann haben sie den während der Pandemie zwischen März 2020 und Juni 2021 tatsächlich erfolgten Zigaretten-Verkauf beobachtet und mit den ohne Pandemie zu erwartenden Verkaufszahlen über denselben Zeitraum verglichen. Ergebnis: Der beobachtete Zigaretten-Verkauf übertraf nach dem Beginn der Pandemie zu allen Zeiten die zu erwartenden Verkaufszahlen. Der monatliche Anstieg des Pro-Kopf-Verkaufs betrug nach den Berechnungen der US-Forscher durchschnittlich 14,1 Prozent (0,34 Packungen pro Kopf) (Ann Intern Med; online 19. Oktober). (ikr)

Update vom 18. Oktober

Die in Europa zugelassenen COVID-Vakzinen schützen weiterhin sehr gut vor schweren Verläufen, auch bei einer Infektion mit der Delta-Variante. Das teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des RKI haben 17 Studien ausgewertet, die sich mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 beschäftigt haben. Sie bewerten auf Basis der gegenwärtigen Evidenz die gepoolte Vakzin-Effektivität (VE), also die Schutzwirkung der Impfstoffe, wie folgt: 67 Prozent VE gegen eine Infektion mit der Deltavariante von SARS-CoV-2 über alle Altersgruppen hinweg, 63 Prozent VE gegen eine asymptomatische Infektion, 76 Prozent VE gegen eine symptomatische Infektion und 91 Prozent VE gegen schwere Erkrankung und Hospitalisierung. Den RKI-Wissenschaftlern zufolge bedeutet das einen moderaten bis hohen Schutz vor einer Infektion mit der Delta-Variante und einen weiterhin hohen Schutz vor einem schweren COVID-Verlauf (Euro Surveill 2021; online 14. Oktober).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Margot Lechner

Sehr geehrter Herr Doktor Schätzler,
über Vitamin d müssten Sie sich doch noch mal bei wirklich kompetenten Forschern informieren!

Dr. Thomas Georg Schätzler antwortete

Worauf gründet sich bloß Ihre Expertise?
Bitte seriöse Quellen- und keine subjektiven Meinungsangaben.
Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Uwe Baumann

Interessante Strategie, Kindern abzuraten ihren Geburtstag zu feiern, nach soviel Monaten der Kontaktbeschränkungen, wenn gleichzeitig Fußballspiele mit zigtausend Zuschauern stattfinden, wie erklärt ihr das euren Kindern?
Wenn du 42 Jahre alt bist und erlebst 12 Monate Kontaktbeschränkungen und dein Kind ist 7 Jahre alt, hast du eine Relation von 1 zu 6, d.h. für dein Kind ist die Zeiterfahrung so, wie wenn du (7x6) 72 Monate = 6 Jahre Restriktionen erleben würdest, mit dem Unterschied, dass dein Kind hoffentlich ein einfühlsames, zartes Wesen ist, dass grade seine Sozialkompetenz entwickeln möchte,
Naja, schenk doch deinem Kind zum Ausgleich ein neues iPad, auf dem kann es ja dann, statt seinen Geburtstag zu feiern, die Fußballspiele anschauen...


Dr. Thomas Georg Schätzler

ESOTERISCHE NATUR-/WUNDERHEILER - AUFHÖREN MIT VITAMIN-D MEGA-DOSEN

Vitamin-D-Mangel ist kein Risikofaktor für SARS-CoV-2-Infektion:
"Assessment of the Association of Vitamin D Level With SARS-CoV-2 Seropositivity Among Working-Age Adults" von Yonghong Li et al.
JAMA Netw Open. 2021;4(5):e2111634. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.11634
vom 19.05.2021 beantwortete schon die Frage: Niedriger Vitamin-D-Spiegel und erhöhtes Risiko von Sars-CoV-2/COVID-19 Infektionen/Krankheiten? ["Are low levels of vitamin D independently associated with the risk of SARS-CoV-2 seropositivity?"] sehr eindeutig mit nein.

Ein niedriger Vitamin D-Spiegel ist keinesfalls Ursache, sondern allenfalls F o l g e des Virusinfektes ["...vitamin D level was not associated with SARS-CoV-2 seropositivity...Meaning - Although SARS-CoV-2–seropositive individuals did have lower vitamin D levels than seronegative individuals, low vitamin D levels were not independently associated with the risk of seropositivity"].

Das wird allerdings die Verfechter von nicht belegbaren Vitamin-D-Universalheilmittel-Therorien weiter anstacheln, noch mehr, noch höhere bis potenziell toxische Vitamin D Substititionen nicht nur bei SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen besinnungslos zu propagieren.

Und dagegen ändert auch nichts, dass in Deutschland kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einer eigenmächtigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und schweren COVID-19-Erkrankungsverläufen gewarnt hatte.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Titel, Zusammenfassung, Schlussfolgerungen von "Hospitalization of Adolescents Aged 12–17 Years with Laboratory-Confirmed COVID-19 — COVID-NET, 14 States, March 1, 2020–April 24, 2021" https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/70/wr/mm7023e1.htm
bleiben ohne Stichwort Influenza ["Summary
What is already known about this topic?
Most COVID-19–associated hospitalizations occur in adults, but severe disease occurs in all age groups, including adolescents aged 12–17 years.
What is added by this report?
COVID-19 adolescent hospitalization rates from COVID-NET peaked at 2.1 per 100,000 in early January 2021, declined to 0.6 in mid-March, and rose to 1.3 in April. Among hospitalized adolescents, nearly one third required intensive care unit admission, and 5% required invasive mechanical ventilation; no associated deaths occurred."]
Ein Plädoyer für Impfungen gegen COVID-19 wird hervorgehoben.

Die Publikation bezieht sich auf nur 204 Jugendliche aus 14 US-Staaten im Alter zwischen 12 und 17 Jahren bei 330 Millionen US-Bewohnern; zwischen Januar und März 2021 mit laborbestätigter COVID-19 hospitalisiert. 71% hatten mindestens eine Grunderkrankung, 31% wurden auf der Intensivstation aufgenommen, 5% mussten invasiv mechanisch beatmet werden, kein Jugendlicher starb.

Der "Vergleich" dieser kumulativen Fälle von COVID-19-assoziierten Hospitalisierungen von 12 bis 17 Jahren zwischen Oktober 2020 und April 2021 mit jenen aufgrund von Influenza aus drei rezenten Influenza-Saisonen (2017/18, 2018/19, 2019/20) ist ein klassischer Birne-Apfel-Fehlvergleich. Deswegen vertiefen die Autoren, dass COVID-assoziierte Hospitalisierungen dreimal häufiger vorkamen als Hospitalisierungen aufgrund von Influenza, auch nicht.

Sie schließen mit: "Highly effective COVID-19 vaccines are now available to adolescents as an additional evidence-based prevention measure; expansion of COVID-19 vaccination of adolescents, with particular attention to racial and ethnic minority groups..." ab, ohne die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu berücksichtigen.

Mf+kG

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: Update vom 21.05.2021 - Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist wohl kein Risikofaktor für eine Infektion mit SARS-CoV-2.

"Assessment of the Association of Vitamin D Level With SARS-CoV-2 Seropositivity Among Working-Age Adults" von Yonghong Li et al.
JAMA Netw Open. 2021;4(5):e2111634. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.11634
vom 19.05.2021 beantwortet die Frage, niedriger Vitamin-D-Spiegel und erhöhtes Risiko von Sars-CoV-2/COVID-19 Infektionen/Krankheiten? ["Are low levels of vitamin D independently associated with the risk of SARS-CoV-2 seropositivity?"] Sehr eindeutig:
Ein niedriger Vitamin D-Spiegel ist keinesfalls Ursache, sondern allenfalls F o l g e des Virusinfektes ["...vitamin D level was not associated with SARS-CoV-2 seropositivity...Meaning - Although SARS-CoV-2–seropositive individuals did have lower vitamin D levels than seronegative individuals, low vitamin D levels were not independently associated with the risk of seropositivity"].

Das wird allerdings die Verfechter von nicht belegbaren Vitamin-D-Universalheilmittel-Therorien weiter anstacheln, noch mehr, noch höhere bis potenziell toxische Vitamin D Substititionen nicht nur bei SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen besinnungslos zu propagieren.

Und dagegen ändert auch nichts, dass in Deutschland kürzlich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einer eigenmächtigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 und schweren COVID-19-Erkrankungsverläufen gewarnt hatte.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. A. Constantin Rocke antwortete

Sehr geehrter Herr Kollege Schätzler, ich schätze Ihre Analysen sonst sehr, beim Vit.D empfehle ich Ihnen jedoch, sich eingehender mit der Pathophysiologie zu informieren , z.B. bei Prof.Michael Holick, Boston oder Apotheker Uwe Gröber oder Prof.Spitz. Alle drei bieten dem offenen ärztlichen Auge und Ohr differenzierten Einblick in die wissenschaftlichen Hintergründe und auch Kommentare zu vielen unsinnige Studiendesigns und Interpretationen (u.a. von einer aktuell populären Chemikerin namens Mai Thi Nguyen-Kim). Der UL von Vit.D ist bei Erwachsenen 10.000IE/d, da kommen die meisten nicht dran. Unter Laborkontrollen tritt keine Toxizität >150ng/ml 25-OH-Vit.D auf, optimal sind 40-60ng/ml. Da kommen wiederum viele Studienteilnehmer auch nicht dran. Wer Therapeutika unter/überdosiert begeht einen Fehler. Übrigens ist das aktive Vit.D ein Hormon und im Gegensatz zu Medikamenten tatsächlich fast in allen Geweben aktiv - von „Allheilmittel“ zu sprechen ist stets unseriös. Bevor Vit.D als „Hype“ abgetan wird, sollte man ersteinmal den nachweislichen Hokuspokus „Homöopathie“ beenden. Mit kollegialen Grüßen, Dr.Rocke, auch Facharzt für Allgemeinmedizin

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