Corona-Studien-Splitter

Superspreader Kind? Studie nährt Zweifel

Blick auf neue Corona-Studien: Anscheinend ist das Risiko größer, dass sich Kinder bei ihren Eltern infizieren, als dass sich Eltern bei ihren Kindern infizieren. Das legt eine Studie aus Baden-Württemberg nahe.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht: | aktualisiert:
Impfung gegen SARS-CoV-2 mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff verursacht nur selten eine Anaphylaxie.

Es sind wohl eher die Eltern und nicht die Kinder, die SARS-CoV-2 in die Familie tragen.

© Maria Sbytova/stock.adobe.com

Update vom 25. Januar

Es gibt weitere Hinweise, dass Kinder nicht die großen Treiber der Pandemie sind. Diese liefert eine Studie aus Baden-Württemberg mit 2482 Paaren aus je einem Kind und einem Elternteil. Die Kinder waren zwischen einem und zehn Jahre alt, die Paare wurden während des ersten Lockdowns zwischen April und Mai 2020 per Nasopharyngealabstrich und ELISA-Test auf eine aktive oder durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion hin untersucht. Ergebnis: Unter den Kind-Eltern-Paaren mit mindestens einem Infizierten kam es 4,3-mal so häufig vor, dass das Elternteil seropositiv war, nicht aber das Kind, als andersherum. Es ist den Studienergebnissen zufolge also wahrscheinlicher, dass sich Kinder bei ihren Eltern infizieren, als umgekehrt (JAMA Pediatr 2021; online 22. Januar).

Update vom 22. Januar

Zahlen der US-Behörde CDC zufolge tritt eine anaphylaktische Reaktion in Zusammenhang mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine nur äußerst selten auf. In den ersten Tagen nach Zulassung von Comirnaty® (Tozinameran, BNT162b2) in den USA, genauer vom 14. bis 23. Dezember 2020, wurden 21 Fälle anaphylaktischer Reaktionen gemeldet, bei insgesamt 1.893.360 verabreichten (ersten) Impfdosen. Das entspricht einer Rate von 11,1 Anaphylaxien pro einer Million verimpfter Dosen. Vier Betroffene mussten hospitalisiert werden, darunter drei, die auf Intensivstation betreut werden mussten. Die übrigen Patienten wurden in der Notaufnahme behandelt. Bis auf eine Person waren zum Zeitpunkt der Meldung alle Geimpften wieder entlassen worden und hatten sich erholt. Im Mittel traten die anaphylaktischen Reaktionen 13 Minuten nach Vakzinierung ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem Geimpfte generell noch nachbeobachtet werden sollten. Bei 17 der 21 Patienten (81 Prozent) waren bereits zuvor allergische Reaktionen dokumentiert worden, sieben hatten zuvor eine Anaphylaxie erlitten, darunter je eine Person nach Tollwut- und Influenza-Vakzinierung (JAMA 2021; online 21. Januar).

Von einer Monotherapie mit dem monoklonalen Antikörper Bamlanivimab profitieren mild bis moderat erkrankte COVID-19-Patienten wohl nicht. In Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Etesevimab führt Bamlanivimab im Vergleich mit Placebo aber zu einer signifikanten Verringerung der Viruslast an Tag 11, wie Phase 2/3-Daten der Studie BLAZE-1 mit 577 Patienten ergeben haben. Erst im Oktober des vergangenen Jahres war eine weitere Studie mit Bamlanivimab gestoppt worden, da sich keine positiven Wirkungen bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten ergeben hatten (JAMA Net 2021; online 21. Januar).

Update vom 21. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff schützt einer bisher noch unveröffentlichten Studie zufolge auch vor der britischen SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7. Die Studienautoren haben SARS-CoV-2-Viren untersucht, die entweder das wildtypische Spike-Protein enthielten oder das der B.1.1.7-Variante. Beide Virusvarianten konnten durch die Antikörper, die in Blutproben von mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff vakzinierten Probanden enthalten waren, neutralisiert werden. Diese Daten machten es unwahrscheinlich, dass der Impfstoff bedeutend an Effektivität gegenüber der B.1.1.7-Linie verliert, schreiben die Autoren. Allerdings haben nur 16 Probanden an der Studie teilgenommen, die zudem vom Hersteller selbst durchgeführt wurde. Die B.1.1.7-Variante ist Träger mehrerer Mutationen. Unter anderem sind in der Gensequenz für das Spike-Protein zehn Aminosäuren verändert (Pre-Print Server BioRxiv 2021; online 19. Januar).

Update vom 20. Januar

In China ist während der COVID-19-Pandemie die Zahl der Kinder mit Myopie um das 1,4- bis 3-fache gestiegen. Forscher vermuten als Ursache die Ausgangsbeschränkungen und Home-Schooling: Dadurch habe sich die Zeit, die die Kinder vor Bildschirmen verbringen, deutlich erhöht. Das Team hatte über 123.000 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren untersucht und die Ergebnisse mit Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 verglichen. Den Ergebnissen zufolge scheinen dabei besonders 6- bis 8-Jährige betroffen zu sein: Während die Inzidenz von Myopie 2015 bis 2019 bei den Sechsjährigen höchstens bei 5,7 Prozent lag, lag sie im Jahr 2020 bei 21,5 Prozent. Bei den 7-Jährigen lag die Inzidenz bei 16,2 (maximaler Wert in den Jahren 2015 bis 2019) versus 26,2 Prozent in 2020 und bei den 8-Jährigen bei 27,7 versus 37,2 Prozent. In der Gesamtkohorte der Sechs- bis Achtjährigen habe sich die Dioptrienzahl um -0,3 verändert. „Offenbar scheinen Kinder in dieser Altersgruppe sensibler auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren“, schreiben die Wissenschaftler dazu (JAMA Opthalmology 2021; online 14. Januar).

Update vom 19. Januar

Das Tragen von Alltagsmasken könnte einer Studie zufolge deutlich zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Wie US-Forscher berichten, nimmt die Wahrscheinlichkeit, den R-Wert unter 1 zu halten, um das Dreifache zu, wenn der Anteil der Personen, die Masken tragen, um zehn Prozent steigt. Für die Studie wurden 300.000 Menschen über einen Zeitraum von zwei Monaten regelmäßig zu Maßnahmen der Pandemiebekämpfung befragt – also ob sie Masken tragen oder die Abstandsregeln einhalten. Im Laufe des Zeitraums nahm die Zahl der Maskenträger deutlich zu. Die Angaben wurden anschließend mit den Infektionszahlen am jeweiligen Wohnort der Befragten in Zusammenhang gebracht und mit einem mathematischen Modell analysiert. Kausal könne das Tragen einer Maske zwar nicht mit einem Rückgang der Virustransmission in Zusammenhang gebracht werden, da es beispielsweise auch sein könne, dass Menschen, die eine Maske tragen, sich generell besser an Hygieneregeln halten, bemerken die Autoren. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass Alltagsmasken eine wichtige Maßnahme seien, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzuschränken (Lancet Digital Health 2021; online 19. Januar).

Update vom 18. Januar

Eine Speichelprobe könnte zum Nachweis von SARS-CoV-2 via PCR genauso gut geeignet sein wie ein Nasen-Rachen-Abstrich. Das berichten Forscher aus Kanada, die sich für eine Metaanalyse 16 Studien mit insgesamt fast 6000 Teilnehmern angeschaut haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine PCR einer Speichelprobe eine ähnliche Sensitivität und Spezifität hat wie die PCR eines nasopharyngealen Abstrichs (Sensitivität: 83,2 versus 84,8 Prozent, Spezifität 99,2 versus 98,2 Prozent). Während nasopharyngeale Abstriche nur durch geschultes Personal durchgeführt werden sollen, könnten Speichelproben auch von Laien abgegeben werden – wodurch deutlich mehr Menschen getestet werden könnten. Die Ergebnisse bestätigen damit eine erst kürzlich publizierte Metaanalyse (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 12. Januar). In beiden Metaanalysen variierten Studiendesign, Auswahl der Studienteilnehmer und Krankheitsstadium allerdings, betonen die Autoren. Eine definitive Schlussfolgerung lässt sich daher nicht ziehen (JAMA Intern Med; online 15. Januar).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Zu Zitaten aus der FAZ (Wirtschaft) vom 20. Juli 2020 von Christian Geinitz, Berlin "Wappnen für die Zweite Welle"

Wie kann der gelernte Bankkaufmann Spahn, z.Z. Bundesgesundheitsminister, eine "Zweite Welle" von leblosen Nano-Zellpartikeln vom Typ SarsCoronaV2 ankündigen, und wie will er das -außer klimatologisch- epidemiologisch begründen? - - -Wie kann mein Kollege -der Leiter des RKI Wieler- öffentlich vom "wieder Fuß fassen" des Corona-RNS-Partikels reden, ohne eine neue Psychoseuche zu initiieren? Und dann auch noch - wider virologische Erkenntnisse- äußern, dass "es" ein (binärer) "Organismus " ist, der "nichts weiter möchte, als sich zu vermehren" ? - - -"Und wenn wir ihm (dem leblosen Zellpartikel!) die Chance bieten, dann tut "er" (der verbal personalisierte Nicht-Organismus) das! (?) - - - Da bleibt im Angesicht der vorhersehbaren (schon galoppierenden!) Corona-Weltwirtschaftskrise einem infektiologisch erfahrenen Hygieniker "die Spucke weg"!
Und die Schlußfolgerung: Nicht ein Virus namens Corona ist dafür die reale Gefahr, sondern die zügellosen Phantasmen der regierungsamtlich beauftragten "Experten" zur Begründung von gesundheitsschädlichen "Hygienemaßnahmen". (Die Herren Drosten, Kekule´und Wieler mögen nach dreistündigen Tragen des sog. Mund-Nasenschutzes mal jeder für sich damit einen bakteriologischen Abklatsch auf Blutagarplatten machen, um darauf ihre angereicherten Staphylokokken aus der Nase, und die Streptokokken aus dem Mund-Rachenraum anzuzüchten!)

Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Facit des Lesers: Solche begriffliche, mystifizierende Wortwahl ist virologisch und wissenschaftlich ganz und gar unseriös, und nährt die pandemische Viruswolke des Phantoms "Corona", obwohl es sich nicht um einen resistenten Umweltkeim handelt!

Friedrich Bock antwortete

1. Ob ein Argument richtig oder falsch ist hängt davon ab ob es den Tatsachen entspricht und nicht wer vorbringt. Es ist einfach nur arrogant ein Argument gering zu schätzen weil es von einem Bankkaufmann vorgebracht wir
2. ich arbeite seit 30 Jahren in der operativen Medizin , ein Mundnasenschutz kann problemlos viele Stunden getragen werden , das sich danach darin Bakterien finden ist völlig unerheblich

Dr. Thomas Georg Schätzler

Was haben SARS-CoV-2-Virusmaterial, Visiere, MNS-MASKEN, RKI und Donald Trump miteinander zu tun?

Zu: Eine Maskenpflicht für Personal und Patienten hat in US-Kliniken die Rate der SARS-CoV-2-Positiven unter den Klinikmitarbeitern halbiert (JAMA 2020; online 14. Juli).

Visiere bieten im Gegensatz zum Mund-Nasen-Schutz (MNS-MASKEN) nur einen relativen Eigenschutz vor groben Partikeln und einen geringen Fremdschutz, der z.B. im Labor, bei Autopsien und gewerblicher Arbeit (z.B. Abbruch-, Stemm- und Schweißarbeiten) v o r CORONA-Zeiten auch gar nicht zwingend nötig war.

"Association Between Universal Masking in a Health Care System and SARS-CoV-2 Positivity Among Health Care Workers"
von Xiaowen Wang et al.
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768533
belegt aktuell:

Der Schleuderkurs, den das RKI gefahren hatte, war diesbezüglich äußerst kontraproduktiv. Ebenso die ewig bekloppten, paralogischen Lügen-Ideen eines narzisstisch gestörten und gekränkten, orangefarbenen, mit Lichtschutz(!)-Brille aufgehellten Augenpartien aus dem Kopf eines angeblich bedeutendsten Staatsmannes der westlichen Welt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Niemand kann alle neuen CORONA-Studien lesen.
Aber eine hier in der ÄZ zitierte, unverblindete, randomisierten Studie zur Behandlung mit Colchicin [GRECCO-19] hat sofort mein Misstrauen geweckt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten einen schweren COVID-19-Verlauf entwickeln, [sei angeblich] signifikant verringert [worden]. "
Die Autoren von "Effect of Colchicine vs Standard Care on Cardiac and Inflammatory Biomarkers and Clinical Outcomes in Patients Hospitalized With Coronavirus Disease 2019 - The GRECCO-19 Randomized Clinical Trial" (S. G. Deftereos et al.) https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2767593
haben mangels anderer spezifischer, sensibler, signifikanter/insignifikanter Daten nur mit Surrogatparametern wie kardialen und inflammatorischen Biomarkern bzw. einem 7-gradigen klinischen Status-Scale gearbeitet. Ein "prospective, open-label, randomized clinical trial"] mit gerade mal 105 Patienten ["...were randomized in a 1:1 allocation from April 3 to April 27, 2020..."] ergab nur wenig dramatische und viele harmlos verlaufende Fälle. Die Todesfälle wurden gar nicht weiter analysiert: "Of the 7 patients who met the primary clinical end point in the control group, 1 (14.3%) needed noninvasive mechanical ventilation (bilevel positive airway pressure), 5 (71.4%) were intubated and ventilated mechanically (3 [42.9%] died shortly after intubation), and 1 (14.3%) died suddenly in the ward of cardiorespiratory arrest. The patient in the colchicine group who met the end point needed invasive mechanical ventilation and died subsequently in the intensive care unit." Therapeutisch wurde alles eingesetzt, was Rang und Namen hat: "Chloroquin, Hydroxychloroquin, Azithromycin, Lopinavir, Ritonavir, Tocilizumab und Antikoagulation."
M.E. ist die Publikation nur dem allgemeinen CORONA-Veröffentlichungswahn geschuldet.
Vgl. Mein Kommentar dazu:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28123-covid-19-und-sars-cov-2-publikationswahn-publish-or-perish
Mf + kG Dr. Schätzler, FAfAM Dortmund

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