Corona-Studien-Splitter

Weniger Corona-Ausbrüche an Schulen mit Maskenpflicht

Werden Kinder und Lehrpersonal an Schulen dazu verpflichtet, eine Maske zu tragen, reduziert das das Risiko für Corona-Ausbrüche erheblich. Außerdem: Die COVID-Pandemie hat in vielen Ländern Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Ein grünes Schild fordert Schüler zum Maskentragen auf: Durch die Maßnahme lässt sich das Risiko für Corona-Ausbrüche offenbar deutlich reduzieren.

© Guido Kirchner / dpa / picture alliance

Update vom 27. September

In Schulen ohne Maskenpflicht für Kinder und Lehrpersonal ist das Risiko für einen Corona-Ausbruch 3,7-mal höher als in Schulen, in denen eine Maskenpflicht gilt. Das hat eine Studie der US-Seuchenbehörde CDC ergeben, die das Ausbruchsgeschehen nach Beginn des diesjährigen Schuljahres Mitte Juli bis Ende August an rund 1000 US-Schulen untersucht hat. An 21 Prozent der Schulen galt von Beginn des Schuljahres an eine Maskenpflicht, an fast der Hälfte der Schulen (48 Prozent) waren keine Masken für Kinder und Lehrpersonal vorgeschrieben. An den restlichen 31 Prozent wurde eine Maskenpflicht erst nach Schulstart eingeführt, im Mittel 15 Tagen später. In den Tagen 7 bis 14 nach Schulbeginn wurden 191 Corona-Ausbrüche mit mehr als zwei Infektionsfällen gemeldet, die in Zusammenhang mit dem Schulbesuch standen. Lediglich 16 Ausbrüche (8,4 Prozent) traten an Schulen mit Maskenpflicht auf, wohingegen 113 Ausbrüche (59,2 Prozent) in Schulen auftraten, in denen das Tragen einer Maske nicht vorgeschrieben war. Zu 62 Corona-Ausbrüchen (32,5 Prozent) kam es an Schulen, die die Maskenpflicht erst nach Beginn des Schuljahres eingeführt hatten (Morbidity and Mortality Weekly Report 2021; online 24. September).

Die Lebenserwartung hat im Zuge der Corona-Pandemie in vielen Ländern so stark abgenommen wie zuletzt in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Für ihre Studie untersuchte ein Team des Leverhulme Centre for Demographic Science an der Universität Oxford Mortalitätsdaten aus 29 Ländern, darunter neben Deutschland viele andere europäische Staaten und die USA. Ergebnis: In 22 der 29 Länder habe die Lebenserwartung 2020 im Vergleich zu 2019 um mindestens ein halbes Jahr abgenommen. „In westeuropäischen Ländern wie Spanien, England und Wales, Italien oder Belgien wurde ein solcher Rückgang der Lebenserwartung in nur einem Jahr zuletzt während des Zweiten Weltkriegs beobachtet“, wird Studienautor Dr José Manuel Aburto in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert. Am stärksten sank dabei die Lebenserwartung US-amerikanischer Männer, und zwar um 2,2 Jahre im Vergleich zu 2019. In den USA sei vor allem die gestiegene Sterblichkeit im erwerbsfähigen Alter unter 60 Jahren bemerkenswert, so Studienautorin Dr. Ridhi Kashyap. In den meisten europäischen Ländern hingegen habe dagegen vor allem die Mortalität bei den über 60-Jährigen zugenommen (Int J Epidemiol 2021; online 26. September). (dpa)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Mein Kommentar zu: "Das Zusammenleben mit einer SARS-CoV-2-positiven Person ist offenbar der größte Risikofaktor für Geimpfte"

Eine Studie mit 5312 geimpften israelischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen (HCW=health care workers) wies 27 Impfdurchbrüche, also 0,5 Prozent auf. Bei 56 Prozent derjenigen Geimpften mit Serokonversion (15 Durchbruchinfektionen) war der Kontakt mit einer SARS-CoV-2-positiven Person im Haushalt der Transmissionsweg.

Paradoxerweise kam das häufiger vor als bei nichtgeimpftem Personal (38 Prozent).

"Association Between Exposure Characteristics and the Risk for COVID-19 Infection Among Health Care Workers With and Without BNT162b2 Vaccination" von Yonatan Oster et al.
JAMA Netw Open. 2021;4(9):e2125394. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.25394

Schlussfolgerungen, dass die BioNTech-Pfizer Vakzine vor anderen, flüchtigeren Transmissionswegen schützt, sind m.E. so nicht haltbar. Dafür sind Durchbruchsinfektionen mit einer Häufigkeit von 0,5% viel zu selten.

Nichtgeimpfte sind und bleiben die höchste Risikogruppe inner- und außerfamiliär.

Mf+kG ,Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu:
"Das sind die kritischen Tage für eine Corona-Infektion"

Da hat man also in mühevoller detektivisch-wissenschaftlicher Detailarbeit herausgefunden, was eigentlich infektiologisches Alltagswissen ist: SARS-CoV-2-infizierte Patienten stecken Kontaktpersonen schon vor den ersten Symptomen an. Zeitpunkt/Dauer des Kontakts/Schweregrad/
Aggressivität der Virusvariante (variant of concern VOC) der Infektion beim Index-Patienten bestimmen das Infektionsrisiko für Kontaktpersonen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie aus China in JAMA Internal Medicine
2021; DOI: 10.1001jamainternmed.2021.4686
nach denen das Ansteckungsrisiko schon 2 Tage vor dem Ausbruch beim Index-Patienten deutlich ansteigt.

Das nennt man seit Beginn der empirisch-wissenschaftlichen Medizin präsymptomatische Infektiosität in der Inkubationszeit einer Infektion.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt zu "verschiedenen Stadien des Krankheitsverlaufs" unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/13_21.pdf: "Einfluss von Impfungen und Kontaktreduktionen auf die dritte Welle der SARS-CoV-2-Pandemie und perspektivische Rückkehr zu prä-pandemischem Kontaktverhalten"

"Suszeptible (S), Infizierte in der Inkubationsphase (E), präsymptomatische (P), symptomatische (I) und asymptomatische (A) Personen. Zwei weitere Kompartimente bilden die Anzahl der hospitalisierten (H) und aufgrund von COVID-19 verstorbenen Personen (D) ab. Verschiedene Studien zur Seroprävalenz geben Hinweise darauf, dass in Deutschland eine Dunkelziffer unentdeckter Fälle existiert, die nicht in den Meldefällen erfasst wird."

Das SEPIAHD- Modell des RKI ist ein erweitertes SEIR (engl. Susceptible/Exposed/Infectious/Recovered) Modell. Es führt aber nicht zu Erkenntnisfortschritten, weil die präsymptomatische Infektiosität in der Inkubationszeit eine Quelle stetiger Neuinfektionen mit/ohne Impfschutz ist, wenn AHA-und L-Regeln weiter gelockert/umgangen werden.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: "Bis zu jede vierte COVID-Klinikeinweisung in den USA wegen Impfdurchbruch"

Auch die Mehrzahl der sogenannten Impfdurchbrüche sind gar keine Folgen der ansteckenderen Delta-Variante, sondern lassen sich auf z. T. haarsträubende Hygienefehler und eklatante Missachtung von AHA- und L-Regeln zurückführen: Insbesondere in den Ländern wie USA und GB, wo jegliche Beschränkungen grob fahrlässig und viel zu früh aufgehoben wurden.
"Corona-Zahlen für die Vereinigten Staaten (USA).
Hier finden Sie aktuelle COVID-19 Kennzahlen für das Land Vereinigte Staaten (Nordamerika)
Aktualisiert am 20. August 2021 [Stand 19.08.]
331.002.647 Einwohner
37.294.141 Infektionen 
11,27% Infektionsrate 
298,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) 
59,60% Impfquote (Erstimpfung) 
50,59% Impfquote (vollständig)
https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/vereinigte%20staaten/

Auch ist entgegen allen propagandidischen Beteuerungen, Großbritannien ebenfalls absolutes Negativbeispiel. Noch vor einigen Wochen galten 7-Tage-Inzidenzen um 500 als infektionsepidemiologisch unbedenklich und blieben unbeachtet. Ihr Rückgang auf Werte um 300 wurde enthusiastisch als angeblicher Durchbruch gefeiert, um zum 19.08.2021 bei immer noch äußerst bedenklichen 309,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) zu liegen.
"Corona-Zahlen für Vereinigtes Königreich (UK)
Hier finden Sie aktuelle COVID-19 Kennzahlen für das Land Vereinigtes Königreich (Europa)
Aktualisiert am 19. August 2021
67.886.004 Einwohner
6.385.982 Infektionen 
9,41% Infektionsrate 
309,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) 
69,84% Impfquote (Erstimpfung) 
60,38% Impfquote (vollständig) 
https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/vereinigtes%20k%C3%B6nigreich/

Nur zum Vergleich: Deutschland liegt bei der 7-Tage-Inzidenz bei Werten um 20-25 noch vor einigen Wochen jetzt "nur" bei aktuellen Werten von 45-49 ohne nennenswerte Impfdurchbrüche.
Zugleich werden AHA- und L-Regeln hierzulande auch bei Schulbeginn ernster als anderswo genommen.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Ronald Meier

„209 Tage nach der zweiten Impfdosis neutralisierten die Seren den Wildtyp von SARS-CoV-2 sowie die Varianten Alpha (B.1.1.7), Gamma (P.1), Delta (B.1.617.2) und Iota (B.1.526) mit einer Wirksamkeit von etwa 90 Prozent. Bei der Variante Beta (B.1.351) war die Wirksamkeit mit 54 bis 58 Prozent geringer".

Es dürften sich heute wohl kaum noch viele für die Wirksamkeit der Impfungen bei den Wildtyp von Alpha/Gamma etc. Interessieren. Da die Betavariante fast weltweit der vorherrschende Stamm ist, sind ca. 50-60% Wirksamkeit bei der Betavariante keine wirklich gute Nachricht.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: Antikörper-Duo bewahrt Haushaltsmitglieder vor Corona-Infektion

"Subcutaneous REGEN-COV Antibody Combination to Prevent Covid-19" von Meagan P. O’Brien et al.
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2109682
ist für mich ein Musterbeispiel für "mit Kanonen auf Spatzen schießen" und gleichzeitig äußerst geschickte, tendenziöse Werbung mit erfolgreichem Product-Placement machen.

Schlicht und ergreifend hätten AHA-REGELN und LÜFTEN denselben Effekt haben können, aber das zu untersuchen, dazu fehlten wohl den WissenschaftlerInnen Mut, Motivation, Forschungsgelder, Reputation, Ehre und Anerkennung. Stattdessen verstieg man sich auf Industrie-nahe Drittmittelforschung mit "The cocktail of the monoclonal antibodies casirivimab and imdevimab (REGEN-COV)."

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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