Corona-Studien-Splitter

Riechepithel wohl Eintrittspforte für SARS-CoV-2 ins Hirn

Forscher haben möglicherweise den Grund für die häufig bei COVID-19-Patienten auftretenden Riech- und Geschmacksstörungen gefunden – und ein anderes Team. was sich gegen sie tun lässt.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Kolorierte EM-Aufnahme: Ausschnitt einer Zelle in der Riechschleimhaut eines gestorbenen COVID-19-Patienten. Sowohl innerhalb der Zelle als auch auf den Zellfortsätzen findet sich eine große Zahl intakter SARS-CoV-2-Partikel (rot). In gelb sind die Flimmerhärchen zu sehen.

© Michael Laue / RKI & Carsten Dittmayer / Charité

Update vom 1. Dezember

SARS-CoV-2 gelangt möglicherweise über die Neuronen des Riechepithels direkt ins Gehirn. Ein Team um Forscher der Charité hat im Nasopharynx und im Gehirn von gestorbenen COVID-19-Patienten per Elektronenmikroskopie intakte Viruspartikel nachweisen können. Die Partikel fanden sich dabei im Inneren der Neuronen und auf den Fortsätzen der dort ansässigen Deckzellen. Auf Basis dieser Daten gehen die Wissenschaftler davon aus, dass SARS-CoV-2 die Riechschleimhaut als Eintrittspforte ins Gehirn benutzen kann. Dies sei anatomisch naheliegend: Hier befinden sich Schleimhautzellen, Blutgefäße und Neuronen sehr nah beieinander. Noch nicht abschließend geklärt ist, wie exakt das Virus sich weiterbewegt. Die Daten sprechen den Autoren zufolge dafür, dass das Virus von Nervenzelle zu Nervenzelle wandert, um das Gehirn zu erreichen. Vermutlich wird das Virus aber gleichzeitig auch über das Blutgefäßsystem transportiert, da sich auch in den Gefäßwänden im Gehirn Virus nachweisen ließ. Auch die häufig auftretenden Riech- und Geschmacksstörungen ließen sich mit diesen Erkenntnissen erklären. Letztautor Professor Frank Heppner betont in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation aber: „Wichtig ist, dass die von uns untersuchten COVID-19-Betroffenen einen schweren Verlauf hatten. Die Ergebnisse unserer Studie können deshalb nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen werden“ (Nature Neuro Science, online 30. November).

Mit einem „Riechtraining“ könnten sich durch COVID-19 verursachte und oftmals lang anhaltende Riechstörungen behandeln lassen. Das lässt eine Studie unter Leitung der Carl-Gustav-Carus-Universität in Dresden vermuten. Bei diesem Training riechen die Patienten zweimal täglich mehrere Sekunden lang an vier verschiedenen Düften, und dies über mehrere Monate hinweg. Erprobt hatte das Team um Dr. David Liu die Riechtherapie unter anderem an 153 Patienten mit Riechstörungen nach einer viralen Infektion. Die Patientendaten wurden in den Jahren 2008 bis 2018 erfasst, also in Prä-COVID-19-Pandemiezeiten. Dennoch könne man aus den Ergebnissen schließen, dass sich die Riechtherapie auch für COVID-19-Patienten eignet: Durch das Training habe sich bei den Patienten die Unterscheidung der vier Düfte untereinander sowie die Zuordnung eines Dufts signifikant gebessert, schreiben die Forscher (Laryngoscope 2020; online 19. November).

Update vom 30. November

Seltene Zellen im Blut könnten auf schweren COVID-19-Verlauf hinweisen. Eine hohe Konzentration zweier Vorläuferzellen von Blutzellen, und zwar von Megakaryozyten und unreifen Erythrozyten, ist einer kleinen Studie zufolge mit einem schweren COVID-19-Verlauf assoziiert. Das ist vor allem überraschend, weil diese Vorläuferzellen sich normalerweise nicht im Blut, sondern im Knochenmark befinden. Solche „Ausschwemmungen“ von Vorläuferzellen ins Blut sind bekannt von schwerkranken Sepsis-Patienten. Für COVID-19 war dies bisher so nicht beschrieben worden, berichtet ein Team um Dr. Joana Bernardes, Dr. Neha Mishra und Dr. Florian Tran, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Uniklinikum Schleswig-Holstein. Die Megakaryozyten spiegelten dabei ein bekanntes COVID-19-Problem wider: Eine der häufigsten direkten Todesursachen bei COVID-19 sind Gerinnungsprobleme. Die aktivierten Megakaryozyten im Blut brächten möglicherweise Thrombozyten hervor, die leichter aggregieren und damit zu den Gerinnungsproblemen führen. Die Forscher hatten für die Studie Blutproben von 14 Patienten untersucht, die wegen COVID-19 stationär behandelt wurden (Immunity 2020; online 26. November).

Auch einige mild erkrankte COVID-19-Patienten erholen sich nur langsam, selbst wenn sich die Befunde im Röntgenthorax gebessert haben: In einer Studie des Radboud University Medical Center in den Niederlanden haben Dr. Bram van den Borst und sein Team 124 COVID-19-Patienten drei Monate nach ihrer Genesung ausführlich untersucht. 27 waren mild, 51 moderat, 26 schwer und 20 kritisch erkrankt. Obwohl die Anzeichen der akuten Pneumonie bei den mild Erkrankten abgeklungen und bei 93 Prozent im Röntgenthorax nicht mehr nachweisbar waren, hatten die Patienten weiterhin eine eingeschränkte Lungenfunktion. Im CT zeigten sich etwa bei 99 Prozent aller 124 Patienten Milchglastrübungen in der Lunge, bei 91 Prozent waren Veränderungen im Lungenparenchym nachweisbar (Clinical Inf Dis; online 21. November).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Peter Schimmelpfennig

Das "noch Wochen nach der Erkrankung bestehende Abgeschlagenheitsgefühl" als Fatigue-Syndrom zu bezeichnen ist weit hergeholt. Abgeschlagenheitsgefühl nach einem Virusinfekt ist mit Sicherheit nicht CoVid19-spezifisch. Der Begriff Fatigue-Syndrom sollte aus meiner Sicht für chronischere Verläufe reserviert bleiben.

Dr. Thomas Georg Schätzler

ANMERKUNGEN ZUR ÄZ-BERICHTERSTATTUNG:

"Auch bei Ärzten und Pflegepersonal gehen die Antikörpertiter gegen das Coronavirus schnell zurück, berichten Experten von den US-Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta. Die Forscher haben in einer Studie am Vanderbilt University Medical Center 249 medizinisch Beschäftigte mehrfach mit einem ELISA auf Antikörper getestet. Bei den ersten Tests Anfang April waren 19 der Mitarbeiter seropositiv. Nach 60 Tagen waren 11 davon wieder seronegativ. Die Rate der Seropositiven ging somit insgesamt von initial 7,6 Prozent auf 3,2 Prozent zurück. Die meisten initial positiv Getesteten waren asymptomatisch: Konkret waren das sechs der acht Teilnehmer, die seropositiv blieben, sowie fünf der elf Teilnehmer, die seronegativ wurden."

Eine infektiologische Binsenweisheit ist, dass wie bei fast allen Viruserkrankungen asymptomstisch infizierte Virusträger/wegen geringerer Viruslast gar nicht symptomatisch Erkrankte eine deutlich geringere Immunitätsreaktion aufweisen, als die z. T. schwer symptomatisch Erkrankten.

"Change in Antibodies to SARS-CoV-2 Over 60 Days Among Health Care Personnel in Nashville, Tennessee" von M. M. Patel et al.
JAMA. Published online September 17, 2020. doi:10.1001/jama.2020.18796
berücksichtigt wissenschaftlich irreführend und grob fahrlässig nur die bei fast allen Virusinfektionen kürzer andauernde humorale Immunglobulin-vermittelte Immunität und n i c h t die wesentlich länger andauernde T-Zell-vermittelte Immunität.

Es ist mir persönlich erneut unbegreiflich, wie ein derart vorwissenschaftlicher, unter dem Niveu von Biologie-Leistungskursen liegender "Fach"-Aufsatz im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) offensichtlich ohne Peer-Review Verfahren erscheinen kann!

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Ramatuelle/F)


PS.: Wie können diese illustren Autoren denn nur vergessen haben, das medizinische Personal auf mögliche Re-Infektionen mit denselben SARS-CoV-2-Viren bzw. -Mutationen zu testen?

Dr. Horst Grünwoldt

Infektiologisch empfehle ich zur Verifikation von pseudoepidemischen Statistiken, R-Faktorbestimmungen und "Kurven"-Verläufen:
1. Als "Neuinfektion" werden strenggenommen i.S. des Wortes, alleine positive SARS-CoV2-Abstrichnachweise bezeichnet und gelistet, wenn sie beim Probanten zuvor "negativ" waren! Ansonsten kann es sich ja auch um eine noch nicht erkannte "latente Infektion"/ besser "Kontamination" handeln.
2. Wenn der SARS-CoV2 Nasen- oder Rachenabstrich "positiv" ist, und dabei der Probant keine Covid 19- Krankheits-Symptome klinisch aufweist, wird anti-alarmistisch nur von einer Antigen/Virus-"Kontamination" gesprochen!
3. Eine hypothetisch ansteckende "Viruslast" kann nämlich erst entstehen und nachgewiesen werden, wenn als Ergebnis der fehlgeleiteten, intrazellulären "Virus" Protein-Synthese hinreichend Atemwegs-Zelluntergang mit deutlichen Krankheitssymptomen (Dauer-Rhinitis oder -pharingitis mit anhaltenden Hustenstößen), und damit extrazellulären Freisetzung der vermeintlich infektiösen RNS-Nanozellpartikel erfolgt, so daß man von manifester, ansteckungsfähiger "Infektion" sprechen kann!
Solange die Pan-Virologen (griech./lat. "Weltgiftgelehrten) ihren leblosen, primitiven Zellpartikeln mystische Eigenschaften und Fähigkeiten wie "ausbrechen" und "überspringen" andichten, und diese im Epidemos verbal verbreiten, wird "Corona" als "unsichtbarer Feind" zur verheerenden Psychoseuche weiter global existieren! Recipe finem!!
Alle seriösen Hygieniker (Söhne und Töchter der Göttin Hygieia) sollten sich nochmals das Gespenster-Movie "Outbreak" und die Doku (?) "Das Imperium der Viren" (ARD/Arte von 2009) über das SARS1-Geschehen aus 2003 mit den Hauptakteuren Drosten, Osterhaus u.a. ansehen, und vor allem deren Wortlaut anhören und die Gestik beobachten... Darin spricht auch der spätere dt. Chefvirologe mit dem wilden gegelten Virusfängerhaar von "die Lunge attackierenden, neuen Viren", und Herr Kekule´von den "im Tropenwald lauernden Erregern"!!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Hygieniker)/ Rostock

Dr. Thomas Georg Schätzler

COVID-19/Influenza - US-Klinikeinweisungen bei Kindern angeblich gleich? Schon wieder eine wissenschaftlich unhaltbare, pseudologische Studie im JAMA

"Comparison of Clinical Features of COVID-19 vs Seasonal Influenza A and B in US Children" von Xiaoyan Song et al. in JAMA Netw Open. 2020;3(9):e2020495. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.20495 ist als retrospektive Kohortenstudie völlig ungeeignet.
1. Unterschiedliche Untersuchungszeiträume und Fallzahlen: "315 patients diagnosed with COVID-19" und "1.402 patients diagnosed with seasonal influenza" wurden von "March 25 and May 15, 2020" bzw. Von "October 1, 2019, and June 6, 2020" am nationalen Kinderkrankenhaus in Columbia/USA untersucht.
2. Die Autoren unterschlagen die in den USA bei bestätigten Influenza-Fällen auch und besonders bei Kindern üblichen, kausalen Therapieoptionen mit Neuraminidase-Inhibitoren.
3. Sie haben lediglich "Rates of hospitalization", "intensive care unit"-Behandlungen, Beatmungspflichtigkeit ["mechanical ventilator use"] und die Assoziation zwischen zugrundeliegenden medizinischen Bedingungen, klinischen Symptomen und deren Assoziationen bei "COVID-19 vs. seasonal influenza' berücksichtigt.
4. Die Behauptung, Differenzen der Hospitalisationsraten ["hospitalization rate (54 [17%] vs 291 [21%]"] seien nicht signifikant und vernachlässigbar, entbehren jeder Grundlage, weil sowohl Beobachtungsdauer als auch Influenza Vergleichsgruppe fast 5 x so groß waren.
5. Die schwerere COVID-19-Symptomatik ["More patients hospitalized with COVID-19...reported fever (41 [76%] vs 159 [55%], diarrhea or vomiting (14 [26%] vs 36 [12%], headache (6 [11%] vs 9 [3%], body ache or myalgia (12 [22%] vs 20 [7%], and chest pain (6 [11%] vs 9 [3%]" (alles signifikant) beleuchtet die wissenschaftliche Schlampigkeit der Autoren.

Man wollte mit aller Gewalt COVID-19 Risiken bei Kindern verniedlichen und mit Influenza gleichsetzen.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Ramatuelle/F)

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: "Aktuelle Corona-Studien: Viele Kinder werden über Wochen nicht virusfrei"
"Contact Tracing during Coronavirus Disease Outbreak, South Korea, 2020" von Young Joon Park et al.
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/10/20-1315_article
bedeutet in Zusammenfassung
"Abstract - We analyzed reports for 59,073 contacts of 5,706 coronavirus disease (COVID-19) index patients reported in South Korea during January 20–March 27, 2020. Of 10,592 household contacts, 11.8% had COVID-19. Of 48,481 nonhousehold contacts, 1.9% had COVID-19. Use of personal protective measures and social distancing reduces the likelihood of transmission", dass Schulschließungs-bedingter, nahezu 24-stündiger Aufenthalt mit Zusammensein im Haushalt besonders in der Altersgruppe der Zehn- bis Neunzehn-Jährigen für Infektiosität und Verbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen den höchsten Risikofaktor darstellt.
"Das Alter der Index-Patienten hatte einen deutlichen Einfluss auf das Infektionsrisiko. Die höchste Inzidenz wurde mit 18,6 % in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen gefunden. Es folgen mit 18,0 % die 70- bis 79-Jährigen vor den 60- bis 69-Jährigen mit 17,0 %. Am niedrigsten war die Infektiosität bei den unter 10-Jährigen. Hier wurden nur 5,3 % der Angehörigen positiv getestet. Unter den Nichthaushaltskontakten lag die Infektiosität in dieser Altersgruppe nur bei 0,9 %. Sie war damit niedriger als bei den 70- bis 79-Jährigen."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114850/Kinder-im-Schulalter-uebertragen-SARS-CoV-2-im-Haushalt-haeufiger
Dass Nicht-Haushaltskontakte im Durchschnitt mit nur 1,9% eine deutlich niedrigere CORONA-Infektiosität als Haushaltskontakte mit 11,8% aufweisen, liegt nicht nur in Südkorea an dem im Gegensatz zu innerfamiliären Kontakten eher distanzierten und zeitlich reduzierten sozialen Miteinander in Arbeitswelt, sozialem Umfeld bzw. Geschäfts- und Warenwelt. Hinzutreten "social distancing", Mund-Nasen-Schutz (MNS), "Home Office", Hygienemaßnahmen und eher nur Kurzkontakte im öffentlichen Raum.

Gerhard Leinz antwortete am

Für jüngere so gefährlich wie Grippe, das aus berufenem Munde: Herr Drosten im Postcast von 29.9. laut Stern.de.
Ich als Risikopatient (64, + Risikofaktoren) kann eigentlich nur hoffen, das die Poltitik in Zukunft den Schwerpunkt auf den Schutze bei für/Risikopatienten setzt und dafür das Bewusstsein schärft. Also: Nach einem Klub-Besuch niemals zu Oma und Opa! Für mich wäre eine schnelle Durchseuchung der Jungen durchaus wünschenswert und ist wohl nicht außergewöhnlich riskant (vergl. m. d. Grippe siehe oben). Auch bei Grippe wird es üble Verläufe bei jüngeren geben. Über die wird nicht berichtet.

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