Corona-Splitter der KW 23/2021

Offenbar kein positiver Effekt von ASS bei COVID-19

Die Hoffnung, dass ASS die Überlebenschance von COVID-19-Patienten bessert, hat sich in der RECOVERY-Studie nicht bestätigt. Außerdem: Das PEI hat bisher kein klares Bild zu Myokarditiden in Zusammenhang mit mRNA-Vakzinen.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Viele Menschen leiden nach einer SARS-CoV-2-Infektion an Fatigue. Eine Impfung scheint sich hier nicht noch zusätzlich negativ auszuwirken.

Acetylsalicylsäure wird es vermutlich nicht in die Routineversorgung von COVID-Patienten schaffen.

© fizkes / Getty Images / iStock

Update vom 11. Juni 2021

Die Hoffnung, dass ASS die Überlebenschancen von COVID-19-Patienten bessert, hat sich nicht erfüllt. Das geht aus der Studie RECOVERY hervor. Damit wird es ASS vermutlich nicht in die Routineversorgung von COVID-Patienten schaffen. Für die Studie wurden 7351 Patienten, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion hospitalisiert wurden, mit ASS 150 mg 1x täglich zusätzlich zur Standardversorgung behandelt. Weitere 7541 Patienten erhielten nur die Standardversorgung ohne ASS. Ergebnis: Bei der 28-Tage-Mortalität gab es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen (jeweils 17 Prozent starben), auch die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung ließ sich nicht verhindern (21 Prozent mit ASS vs. 22 Prozent ohne ASS). Die Hospitalisierungsdauer war mit ASS geringfügig kürzer (8 vs. 9 Tage), außerdem konnten etwas mehr Patienten innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden (75 Prozent mit ASS, 74 Prozent ohne). Studienleiter Professor Peter Horby sieht darin aber keinen Grund für einen Routineeinsatz des Plättchenhemmers: „Obwohl Aspirin mit einem geringen Anstieg der Wahrscheinlichkeit, lebend entlassen zu werden, einherging, scheint dies nicht ausreichend zu sein, einen großflächigen Einsatz für hospitalisierte COVID-19-Patienten zu rechtfertigen.“ Wie zu erwarten, verringerte sich unter ASS-Gabe das thromboembolische Risiko etwas, jedoch auf Kosten eines höheren Risikos für schwerwiegende Blutungen (Preprint medRxiv 2021; online 8. Juni; außerdem Vorab-Pressemitteilung zur Studie, veröffentlicht am 8. Juni). (vsc)

Das PEI hat bisher kein klares Bild in Bezug auf Myokarditiden in Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen. Zwar habe man in den vergangenen Wochen „zunehmend Meldungen über den Verdacht einer Myokarditis oder Perimyokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von COVID-19-mRNA-Impfstoffen erhalten“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Andererseits weise es bezogen auf alle Altersgruppen nicht auf ein Risikosignal hin, wenn man die gemeldeten Fälle zu der Myokarditis-Quote ins Verhältnis setze, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech auf, „dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen.“ Bislang gehe es um 92 Fälle. Noch fehlten aber Daten, um zu berechnen, „ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zu erwarten wäre“. Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen mRNA-Vakzinen und Myokarditiden hatte es zunächst aus Israel gegeben. So hält ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Myokarditis für wahrscheinlich. (dpa)

Update vom 10. Juni 2021

Auch doppelt Geimpfte können sich mit SARS-CoV-2 infizieren, das kommt jedoch selten vor. Von solchen Durchbruchsinfektionen berichtet die US-amerikanische Behörde CDC – bis April 2021 wurden 10.262 solcher Fälle gemeldet. Bei etwa 101 Millionen doppelt geimpfter Personen in den USA, so die Angabe der CDC, entspricht das einem Anteil von 0,01 Prozent. Weitere Ergebnisse: 6446 Infektionen (63 Prozent der Durchbruchinfektionen) gab es bei Frauen, das mediane Alter der Patienten betrug 58 Jahre, 2725 Infektionen (27 Prozent) waren asymptomatisch, 995 Patienten wurden hospitalisiert (das entspricht zehn Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektion; 0,001 Prozent aller doppelt geimpfter Personen in den USA), 160 Patienten (zwei Prozent der Patienten mit Durchbruchinfektionen) starben. Die CDC schränken ein, dass die sogenannte Dunkelziffer von Durchbruchinfektionen vermutlich höher liegt, besonders bei asymptomatischen Infektionen. Außerdem ist nicht geklärt, in welchem Abstand nach der Vakzinierung die Infektionen erfolgten – denn bekanntlich entfaltet sich der volle Infektionsschutz der Impfung ja erst nach 14 Tagen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 28. Mai).

Update vom 9. Juni 2021

Erneut keine Hinweise auf eine Schutzwirkung vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 durch die Einnahme von Vitamin D. Das ist das Ergebnis einer Assoziationsstudie kanadischer Wissenschaftler, die sich Genvarianten einer Datenbank angesehen haben, die signifikant mit erhöhten Spiegeln von Vitamin D assoziiert sind. Ergebnis: Unter 14.134 Personen mit einer COVID-19-Erkrankung sowie 1,2 Millionen Personen ohne COVID aus elf europäischen Ländern gab es keine Hinweise darauf, dass genetisch assoziierte erhöhte Vitamin-D-Spiegel einen protektiven Effekt im Hinblick auf COVID-19-Erkrankung (Odds Ratio [OR] 0,95), Hospitalisierung (OR 1,09) oder schweren Krankheitsverlauf (OR 0,97) haben. Eine Vitamin-D-Supplementierung, um das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu verringern, könne auf Basis der Daten also nicht empfohlen werden, schreiben die Forscher um Dr. Guillaume Butler-Laporte von der Universität in Montreal. Sie schränken jedoch ein, dass die Studie keine Aussagen über Patienten mit bestätigtem Vitamin-D-Mangel zulasse (PLoS Medicine 2021; online 1. Juni).

Update vom 8. Juni 2021

Krankenhausaufenthalte wegen COVID-19 sind bei Jugendlichen zwar selten, insgesamt aber dreimal so häufig wie bei Influenza. Das ist das Ergebnis eines Berichts der US-amerikanischen Behörde CDC. Deren Mitarbeiter hatten Daten von 204 Jugendlichen aus 14 US-Staaten im Alter zwischen 12 und 17 Jahren ausgewertet, die zwischen Januar und März 2021 mit einer laborbestätigten COVID-19 hospitalisiert worden waren. Ergebnis: 71 Prozent hatten mindestens eine Grunderkrankung, 31 Prozent wurden auf der Intensivstation aufgenommen, fünf Prozent mussten invasiv mechanisch beatmet werden, kein Jugendlicher starb. Die Wissenschaftler verglichen außerdem die kumulativen Fälle von COVID-19-assoziierten Hospitalisierungen in dieser Altersgruppe zwischen Oktober 2020 und April 2021 mit jenen aufgrund von Influenza aus drei rezenten Influenza-Saisonen (2017/18, 2018/19, 2019/20). Demnach kamen COVID-assoziierte Hospitalisierungen dreimal häufiger vor als Hospitalisierungen aufgrund von Influenza. Die Autoren des CDC-Berichts warnen, Infektionen mit SARS-CoV-2 unter Jugendlichen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und werten die Studienergebnisse als Argument für eine baldige Impfung von Jugendlichen (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2021; online 4. Juni).

Update vom 7. Juni 2021

COVID-19 verläuft bei Kindern und Jugendlichen vor allem dann schwer, wenn Betroffene zusätzlich Grunderkrankungen haben. Das bestätigen Forscher der US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC). Sie haben sich in einer Querschnittstudie Registerdaten von 43.465 COVID-Patienten im Alter unter 18 Jahren aus Notaufnahmen von US-Kliniken angeschaut. Mehr als ein Viertel der Patienten hatte Grunderkrankungen: Bei 10,2 Prozent aller Patienten war das Asthma, bei 3,9 Prozent eine neurologische Entwicklungsstörung, bei 3,2 Prozent eine Angststörung, bei 2,8 Prozent Depression und bei 2,5 Prozent Adipositas. Knapp jeder Zehnte (4302) wurden stationär aufgenommen, davon wurden knapp 30 Prozent (1273) auf eine Intensivstation verlegt und 6,4 Prozent (277) mechanisch beatmet. 38 Kinder starben. Die stärksten Risikofaktoren für eine stationäre Einweisung waren Typ-1-Diabetes (adjustierte Risk Ratio [aRR]: 4,6) und Adipositas (aRR: 3,07). Die stärksten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Klinik waren ebenfalls Typ-1-Diabetes (aRR: 2,38) und angeborene Herzfehler (aRR: 1,72). Bei den Unter-Zweijährigen hatten Frühchen das höchste Risiko für einen schweren Verlauf (aRR 1,83). Vor allem auch komplexe Grunderkrankungen steigerten das Risiko für schwere COVID-19 (JAMA Network Open 2021; online 7. Juni).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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