Defibrillator: Wenn der Schock den Falschen trifft

Von Joana Schmidt

Unbeabsichtigte Schocks für Sanitäter oder Klinikpersonal kommen häufiger vor als vermutet. Was wichtig ist, um sie zu vermeiden, und was zu tun ist, wenn sie doch passieren, erläutern texanische Forscher in einem Kommentar.

Defibrillator: Wenn der Schock den Falschen trifft

Wiederbelebung: Ein versehentlicher Schock durch den Defibrillator für den medizinischen Helfer ist gar nicht so selten wie bisher gedacht. © vectorfusionart / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

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Houston. Dass medizinische Helfer bei der Wiederbelebung eines Patienten versehentlich einen Schock durch einen Defibrillator erleiden können, ist eine bisher wenig thematisierte Tatsache. In einer Studie lag die Rate bei 1 pro 1700 Defibrillatoreinsätzen bei Krankenhausmitarbeitern und 1 pro 1000 bei Rettungssanitätern. Möglicherweise sind es noch mehr, da es keine offizielle Erfassung gibt oder die Betroffenen aus Scham über den vermeintlichen Fehler schweigen (Clin J Med 2020, 87(1): 16-18).

Der Einsatz von Defibrillatoren hat in der Vergangenheit zugenommen, durch die aktualisierten Leitlinien und auch, weil es mehr automatisierte, öffentlich zugängliche Geräte für Laien gibt. Zum Vorgehen im Fall eines unbeabsichtigten Schocks gibt es jedoch kaum Empfehlungen oder Hinweise in den Handbüchern. Darauf wollten die Forscher um Dr. David Lowery vom Armee-Institut für chirurgische Forschung in Fort Sam Houston in ihrem Kommentar aufmerksam machen.

Schutzkleidung empfohlen

Zweiphasige Defibrillatoren liefern eine Stromdichte bis zu 360 J. Die minimale Dichte, die transkutan Kammerflimmern auslösen kann, reicht von 10 bis 50 J. Wie viel Strom beim Patienten oder Sanitäter ankommt, hängt auch vom Widerstand ab. Kleidung und Handschuhe wirken isolierend und können vor unerwünschten Schocks schützen. Leitfähiges Material wie menschliches Gewebe, Metall, Flüssigkeiten oder ein nasser Untergrund übertragen den Strom dagegen. Welcher Menge die Helfer ausgesetzt sind, variiert demnach stark.

Sie könnten einen starken Schlag abbekommen, wenn sie mit ihrer Hand die leitfähige Oberfläche der Elektroden berühren, oder einen schwächeren, wenn sie einen distaleren Bereich des Patienten mit Handschuhen berühren. Die Autoren empfehlen Helfern, Schutzausrüstung und Handschuhe zu tragen. Dadurch ist bei einem unbeabsichtigten Schock der Handschuh die wahrscheinlichste Eintrittsquelle des Stroms, was die Stärke reduziert.

Vorsicht Kammerflimmern!

Häufigste Folge eines Schocks sind Kribbeln, kurze Parästhesien und Muskelschmerzen, die bis zu 24 Stunden anhalten. Die Autoren um Lowery glauben, dass unbeabsichtigte Schocks mit hoher Stromstärke schlimmere Folgen haben können, etwa Vorhof- oder Kammerflimmern. Bei Personen mit Herzrhythmusstörungen oder struktureller Herzerkrankung sei das Risiko dafür noch höher.

Die Autoren plädieren dafür, dass Helfer, die einen unbeabsichtigten Schock bekommen haben, systematisch untersucht werden, mit einer gezielten Anamnese, einer Untersuchung von Vitalfunktionen und Haut, Herzauskultation und Elektrokardiogramm. In der Notfallmedizinliteratur werden ebenfalls EKG, Urinanalyse, vollständiges Blutbild und Stoffwechselcheck empfohlen, um den Grad der nicht sichtbaren Verletzung zu beurteilen.

Spätere Herzrhythmusstörungen wurden bis jetzt nicht beobachtet, sodass Langzeitüberwachung nicht sinnvoll scheint. Lowery und Kollegen fordern die systematische Meldung versehentlicher Schocks und entsprechende Leitlinien. Weitere Studien seien erforderlich, um die Risiken solcher Ereignisse besser einschätzen zu können und medizinisches Personal davor zu schützen.

EINER VON

1700 Einsätzen mit einem Defibrillator endete laut einer Studie mit einem versehentlichen Schock für den Krankenhausmitarbeiter. Bei Rettungssanitätern traf es sogar 1 von 1000.

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