Corona-Splitter der KW 10/2021

Real-World-Daten zur BioNTech-Vakzine

Die mRNA-Vakzine Comirnaty® von BioNTech reduziert das Risiko einer Corona-Infektion um relative 97 Prozent, haben Daten des israelischen Gesundheitsministeriums ergeben. Außerdem haben italienische Forscher die Langzeitfolgen von COVID-19 untersucht.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Anne BäurleAnne Bäurle und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Kleine Kinder haben binnen 30 Minuten keine Atemprobleme mit einer Op-Maske, haben italienische Forscher herausgefunden.

Real-World-Daten aus Israel zur BioNTech/Pfizer-Vakzine Comirnaty® bestätigen die gute Wirkung gegen Infektion und schwere Verläufe.

© Stefan Puchner / dpa / picture alliance

Update vom 12. März

Real-World-Daten aus Israel zur BioNTech/Pfizer-Vakzine Comirnaty® bestätigen die Effektivität des mRNA-Impfstoff. Danach schützt er offenbar nicht nur vor schwerer COVID-19 und Tod durch COVID-19, sondern auch vor einer asymptomatischen Infektion. Das geht aus Daten des israelischen Gesundheitsministeriums hervor, wie BioNTech mitteilt. Weitere Ergebnisse: Zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis sei der Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 stärker als bisher angenommen: 97 Prozent relative Risikoreduktion für symptomatische Infektionen, 94 Prozent bei asymptomatischen. Außerdem bestätigen die Daten offenbar die Wirksamkeit gegen die britische Virusvariante B.1.1.7, die 80 Prozent der genommenen Stichproben ausgemacht habe. Zur Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante B.1.351 seien nicht genügend Daten vorhanden, da zum Zeitpunkt der Analyse nur eine begrenzte Zahl der Menschen in Israel mit dieser Variation infiziert gewesen sei, heißt es in der Mitteilung (Mitteilung des Unternehmens BioNTech und des israelischen Gesundheitsministeriums, veröffentlicht am 11. März 2021).

COVID-19 und die Langzeitfolgen: Italienische Forscher haben 39 genesene COVID-19-Patienten, die invasive Beatmung benötigt hatten, über einen Zeitraum von zwei Monaten nach Klinikentlassung in Bezug auf COVID-19-Langzeitfolgen befragt. Ergebnis: 78 Prozent konnten ihrem normalen Alltag wieder nachgehen, 85 Prozent konnten sich selbst versorgen, 51 Prozent berichteten von Belastungsdyspnoe, 49 Prozent von Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmacksinns, 38 Prozent waren unterernährt, 62 Prozent hatten ein Risiko dafür. Die Lebensqualität der Überlebenden zwei Monate nach der Entlassung sei insgesamt gut, weitgehend ohne kognitive oder psychische Beeinträchtigungen, schreiben die Wissenschaftler (Acta Anaesthesiol Scand 2021; online 2. März). (sj)

Update vom 11. März

Mund-Nasen-Schutz auch für Kleinkinder? Op-Masken können wahrscheinlich auch von Kindern unter zwei Jahren bedenkenlos getragen werden, zumindest über einen Zeitraum von 30 Minuten. Das ist das Ergebnis einer italienischen Studie mit 47 Kindern ohne Atemwegserkrankungen, in der untersucht wurde, ob man Kleinkindern und Kindern das Tragen einer Atemschutzmaske zumuten kann, um zum Beispiel Erwachsene vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. Es gab zwei Gruppen in der Studie: Die erste Gruppe bestand aus Teilnehmern unter 24 Monaten, die zweite beinhaltete solche zwischen 24 und 144 Monaten. Fachgesellschaften sprechen sich bei Kindern unter drei Jahren derzeit gegen das Tragen von Atemschutzmasken aus. Ergebnis: In der Studie verschlechterten sich respiratorische Parameter Sauerstoffsättigung (SaO2), endexspiratorischer CO2-Partialdruck (PETCO2), Perfusionsindex (PI), Puls und Atemfrequenz durch das Tragen einfacher OP-Masken (nicht FFP2-Masken!) auch unter Belastung nicht. Für Eltern und Kindergarten- beziehungsweise Schulpersonal könnte es also sinnvoll sein, mit ihren Schützlingen den Umgang mit der Atemschutzmaske zu üben. Die Autoren weisen jedoch auch auf die Notwendigkeit einer ständigen Überwachung bei den Kleinsten hin, da insbesondere Säuglinge nicht in der Lage seien mitzuteilen, wenn es zu Problemen mit der Atmung kommt. Zu guter Letzt: Ob die Kinder die Maske überhaupt aufgesetzt behalten, steht auf einem anderen Blatt (JAMA Netw Open 2021; online 2. März). (eo)

Update vom 10. März

Details zu Anaphylaxie nach Corona-Impfung: Kam es nach einer Impfung gegen COVID-19 mit mRNA-Vakzinen bei den Impflingen zu einem anaphylaktischen Schock, trat dieser im Median binnen 17 Minuten auf. Das ist das Ergebnis einer Real-World-Studie unter knapp 53.000 Bediensteten eines US-amerikanischen Krankenhausnetzwerks, die mit den mRNA-Vakzinen von BioNTech oder Moderna geimpft worden waren. Weitere Ergebnisse: 1365 Angestellte (entspricht 2,1 Prozent) berichteten von akuten allergischen Reaktionen, 16 (0,025 Prozent) hatten einen anaphylaktischen Schock. Von diesen hatten elf (69 Prozent) vorher noch nie einen anaphylaktischen Schock gehabt. Die Impflinge mit Anaphylaxie waren im Median 41 Jahre alt und zu 94 Prozent weiblich. Ein Impfling wurde an die Intensivstation überstellt, neun (56 Prozent) erhielten intramuskuläres Epinephrin, alle erholten sich wieder (JAMA 2021; online 8. März).

Update vom 9. März

Das COVID-19-Risiko steigt bei Pollenflug: Fliegen viele Pollen in der Außenluft, kommt es zu erhöhten Infektionsraten mit SARS-CoV-2. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter Leitung von Münchener Forschern. Der Grund dafür ist die Schwächung des Immunsystems. Der Körper ist dann auch anfälliger für virale Infektionen: Wird eine Zelle von einem Virus infiziert, sondert diese üblicherweise antivirale Interferone, also Signalproteine, ab – so auch bei SARS-CoV-2. Diese rufen benachbarte Zellen auf, ihre antivirale Abwehr zu stärken. Ist allerdings die Pollenkonzentration in der Luft hoch und werden neben Viren auch Pollen eingeatmet, werden weniger dieser antiviralen Interferone produziert, heißt es in einer Mitteilung der TU München zur Veröffentlichung der Studie. Auch die eigentlich heilsame Inflammationsreaktion wird beeinflusst. Bei starker Pollenbelastung kann deshalb die Zahl der Atemwegserkrankungen steigen – dies gilt auch für COVID-19. Dabei spielt es keine Rolle, ob Betroffene an Allergien gegenüber diesen Pollen leiden oder nicht. Schützen können sich Angehörige von Hochrisikogruppen durch das Beobachten von Pollenflugvorhersagen und das Tragen von Staubfiltermasken (Proc Natl Acad Sci U S A 2021; online 8. März).

Neue Ergebnisse zum Einsatz von Tocilizumab: Der Routine-Einsatz des Interleukin-6-Antagonisten Tocilizumab bei hospitalisierten Patienten mit moderater bis schwerer COVID-19 ist nicht von Vorteil. Das berichten Forscher aus Indien, die für eine randomisierte Phase-III-Studie 180 Patienten in zwölf indischen Krankenhäusern mit moderater bis schwerer COVID-19 entweder mit der Standardbehandlung oder zusätzlich mit Tocilizumab behandelt und 28 Tage nachbeobachtet haben. Ergebnis: In Bezug auf Mortalität und Beatmungspflicht gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen. Es gab jedoch einen Trend, dass in der Tocilizumab-Subgruppe von Patienten mit schwerer COVID-19 die Sterberate etwas geringer war (Lancet Respir Med 2021; online 4. März).

Update vom 8. März

Studie mit Colchicin wegen fehlender Wirkung gestoppt: Der Wirkstoff war als Hoffnungsträger für die COVID-19-Therapie lanciert worden. Im Januar dieses Jahres deuteten zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichte Daten aus der Studie COLCORONA darauf hin, dass das Gichtmittel das Risiko für eine Klinikeinweisung wegen COVID-19, für die Notwendigkeit einer Beatmung und für Tod verringern kann (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 26. Januar). Auch die im Juli 2020 publizierten Ergebnisse der kleinen randomisierten Studie GRECCO-19 hatten eine Wirkung von Colchicin bei SARS-CoV-2-Infektionen nahegelegt. Nun haben jedoch die Leiter der Studie RECOVERY in einem Statement verkündet, dass die Patientenrekrutierung für den Colchicin-Arm des Programms auf Anraten des unabhängigen Datenüberwachungskomitees gestoppt wurde. Es gebe keine überzeugende Evidenz für einen Überlebensvorteil mit Colchicin, der eine weitere Rekrutierung rechtfertigen würde, weder in der Gesamtkohorte noch in einer präspezifizierten Subgruppe. Die finalen Ergebnisse der Analyse sollen laut Studienleitern „so schnell wie möglich publiziert werden“ (Mitteilung der RECOVERY-Studienleiter; online 5. März). (vsc)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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