Ansteckung verhindern

Wie erfinderische Chirurgen ihr Op-Team vor SARS-CoV-2 schützen

Um bei Eingriffen wie der Tracheotomie die Gefahr einer Übertragung von SARS-CoV-2 auf das Operationsteam zu minimieren, haben US-Chirurgen mit einfachen Mitteln eine raffinierte Vorrichtung gebastelt.

Von Elke Oberhofer Veröffentlicht: 22.04.2020, 09:46 Uhr
Wie erfinderische Chirurgen ihr Op-Team vor SARS-CoV-2 schützen

Arbeiten unter einem transparenten sterilen Abdecktuch.

© (c) mit Erlaubnis von Dr. Peter C. Foster aus JACS 2020; https://doi.org/10.1016/j.jamcollsurg.2020.04.014

Pittsfield. Das Berkshire Medical Center in Pittsfield, Massachusetts, gehört zu den Kliniken, die derzeit einen regelrechten Zustrom von COVID-19-Patienten erfahren. Mitarbeiter der chirurgischen Abteilung der Klinik haben sich in dieser Situation Gedanken gemacht, wie man die Op-Teams vor einer Virusübertragung schützen kann, insbesondere wenn bei Patienten mit Langzeitbeatmung eine Tracheotomie erforderlich wird. Dieser Eingriff wird im Hinblick auf die Virustransmission als besonders riskant erachtet.

In solchen Fällen gehen Dr. Peter Foster und sein Team wie folgt vor: Der Patient wird nach entsprechender Vorbereitung in Rückenlage auf dem Op-Tisch platziert und mit einem sterilen Lochtuch abgedeckt. Auf die Brust des Patienten kommt eine magnetische Matte, die das Op-Besteck festhält. Nun wird auf Bauchhöhe des Patienten ein Retraktorsystem an den Op-Tisch montiert.

Die Arme des Retraktors werden in einem weiten V über dem Oberkörper des Patienten geöffnet. Über die beiden Arme wird ein transparentes steriles Abdecktuch gebreitet und mit Klemmen befestigt, sodass die Plane straff gespannt ist (J Am Coll Surg 2020; https://doi.org/10.1016/j.jamcollsurg.2020.04.014).

Hände unterhalb der Plane

So sind Operateur und Assistent vor Tröpfchen und Aerosolen geschützt und haben trotzdem gute Sicht auf das Op-Feld. Die Hände der Chirurgen befinden sich unterhalb der Plane, wo auch Instrumente angereicht werden können.

Um maximalen Schutz zu erzielen, wird die Luft unter dem Tuch zusätzlich durch zwei HME-Filter, die an ein Rauchabsauggerät angeschlossen sind, abgesaugt.

Vor Einsatz der Vorrichtung am Patienten empfiehlt das Team um Foster mehrmaliges Üben. Passieren kann nach Erfahrung der Chirurgen wenig: „Wenn es irgendwelche technischen Probleme gibt, kann man das Tuch einfach rasch wieder abnehmen.“

Das Team im Berkshire Medical Center arbeitet mittlerweile routinemäßig mit der Vorrichtung und fühlt sich dadurch gut geschützt. Die Ausweitung der „Erfindung“ auf andere Eingriffe, so die Forscher, sei durchaus denkbar.

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