Zwei Leidenschaften

Medizin und Kunst als Teil des Arztlebens

Medizinalltag oder ein Künstlerleben? Viele Ärzte stehen immer wieder in ihrem beruflichen Leben vor dieser Entscheidung. Einige haben einen Mittelweg gefunden, andere hängen den Arztkittel an den Nagel.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht: 19.11.2014, 05:44 Uhr
Medizin und Kunst als Teil des Arztlebens

Dr. Horst Schuster in seinem Atelier in Berlin. Technisch aufwendige und klassisch inszenierte Bildkompositionen sind seine Arbeitsschwerpunkte.

© privat

NEU-ISENBURG/BERLIN. Für viele Ärzte sind die ärztliche und die bildende Kunst gleichwertige Teile des Lebens. Zwei Herzen schlagen in einer Brust - und sehr oft muss eine Leidenschaft zugunsten der anderen weichen.

Vor der Frage "Medizin oder künstlerische Karriere" stehen viele, egal ob vor dem Studium, während der Ausbildungszeit, als Assistenzarzt oder auch noch viel später in der Niederlassung oder in Führungspositionen an Klinken.

So entscheidet sich der ein oder andere für die reine ärztliche Tätigkeit, andere geben der künstlerischen Neigung nach, wieder andere suchen einen Mittelweg. Viele Ärzte sind Mitglieder von Ärzteorchestern an Unikliniken, dem Deutschen Ärzteorchester oder gar dem World Doctors Orchestra.

Praxis gegen die Bühne eingetauscht

Oder Zahnarzt und Opernsänger Wolfgang Kleffmann, der 23 Jahre nach der Approbation die eigene Praxis gegen die Bühne eintauschte und heute auch als Wagnersänger in Bayreuth auftritt.

Einer dieser Ärzte ist auch Dr. Horst Schuster, Arzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Maler. Für den 42-Jährigen gehörten Medizin und Zeichnen immer zum Leben. Schon als Schüler wurde bei Schuster das Talent zum Maler entdeckt - seit seinem zehnten Lebensjahr ging er regelmäßig zum Zeichenzirkel des damaligen "Hauses der Jungen Talente" in Ost-Berlin.

Das war die klassische Vorbereitung für eine Aufnahme an der Kunstakademie nach dem Abitur. Und doch entschied er sich am Ende der Gymnasiums-Zeit für das Medizinstudium. "Meine Eltern haben das eigentlich sehr geschickt deutlich gemacht", sagt er heute.

Was während des Studiums noch funktionierte, ließ sich mit dem Klinikalltag später kaum noch verbinden: Schuster malt großflächige Bilder auf Leinwand mit Öl und Aquarell, oftmals technisch aufwändig. Dafür braucht er viel Zeit, abends oder am Wochenende sei das oft nicht möglich.

"Vermisse das Operieren"

Nach der Facharztprüfung und einiger Zeit in der Klinik suchte er 2009 einen anderen Job im Gesundheitswesen, mit dem er die Kunst besser verbinden konnte als mit dem Alltag und den Nacht- und Wochenendschichten in der Klinik.

Erst arbeitete er für den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, jetzt ist er für den GKV-Spitzenverband tätig. "Natürlich vermisse ich auch das Operieren", sagt Schuster. Daher ist er regelmäßig für die Ärzteorganisation Interplast im Einsatz.

Von diesen Reisen beispielsweise nach Südamerika bringt er neue Eindrücke für seine Kunst zurück: Wilde Papageien und Äffchen aus dem Urwald spielen mit Uhren und Handys, die sie den westlichen Touristen gestohlen haben.

In einem anderen Bild läuft eine frisch-operierte Patientin durch den Wald - auch eine überspitzt dargestellte Situation, die Schuster im Klinikalltag erlebt hat.

Eine Vernissage und ein begleitender Musikabend von Dr. Horst Schuster und dem Pianisten Alexander Abashidze unter dem Namen "Strahlkraft" findet am 20. November in der Philharmonie Berlin statt. Karten und weitere Infos unter www.strahlkraft.info

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