Kommentar zur Corona-Krise

Lehren aus der Pandemie? Jetzt beginnen!

Wie das deutsche Gesundheitswesen mit den Folgen der Corona-Pandemie umgeht, zeigt wie unter einem Brennglas seine Stärken und Schwächen.

Von Florian Staeck Veröffentlicht:

Mitten in der Krise, angesichts drängender aktueller Versorgungsfragen, über die Zeit „nach“ der Pandemie“ kontemplieren? Ja, unbedingt!

Die Wortmeldung von Professor Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Gesundheits-Sachverständigenrats, hat insoweit Gewicht. Denn die Corona-Pandemie macht die offenen Baustellen des deutschen Gesundheitswesens überdeutlich: Anachronistische Meldewege von Infektionen an das Robert Koch-Institut, ein personell anämischer Öffentlicher Gesundheitsdienst, ein ungestuftes System der stationären Versorgung – um nur drei Beispiele zu nennen.

Gerlach legt den Finger in die Wunde, wenn er darauf verweist, dass etwa erst durch die Initiative einer Fachgesellschaft, der Deutschen Interdisiziplinären Vereinigung für Notfall- und Intensivmedizin (DIVI), eine elektronische Plattform geschaffen wurde, die Auskunft über freie Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern gibt. Nur einzelne Bundesländer und Regionen haben zuvor den webbasierten Versorgungsnachweis IVENA genutzt. Zudem will der Ratsvorsitzende dem Narrativ vorbeugen, wonach die Corona-Pandemie doch angeblich gezeigt hat, dass jedes noch so kleine Krankenhaus unentbehrlich ist.

Die Pandemie und die Frage, wie das deutsche Gesundheitswesen sie gemeistert hat, wird quasi ein lebenslanges Arbeitsprogramm nicht nur für Versorgungsforscher sein. Wichtig ist, dass so rasch wie möglich die Weichen für kollektives Lernen gestellt werden: Was hat gut in der Krise geklappt, wo müssen wir besser werden?

Dabei darf kein Akteur außen vor bleiben – erst recht nicht der Staat und seine Behörden in Bund und Land, die aktuell auf oft mauer Datenbasis weitreichende Entscheidungen mit Wirkung für alle Bürger treffen.

Schreiben Sie dem Autor: florian.staeck@springer.com

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