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Nachhaltigkeit in Praxen

Ambulant vor stationär – auch das ist nachhaltig

Wer den Klimawandel verlangsamen möchte, muss auch im Gesundheitswesen etwas tun. Die Ärzte sind bereit, zeigte eine Diskussion im Web, organisiert von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht:

Düsseldorf. Klimaschutz und Gesundheit sind keine getrennten Themenblöcke – dies gilt zumindest für zwei Ärzte, die im neuen Bundestag sitzen. Dr. Paula Piechotta von Bündnis 90/Die Grünen und Professor Andrew Ullmann von der FDP machten in einer Online-Diskussion beim dritten „apoTalk“ zur Bundestagswahl, organisiert von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, deutlich, dass die Wechselbeziehungen dieser beiden Themen von der Politik künftig stärker beachtet werden müssen.

„Der Klimawandel hat Folgen für die Gesundheit“, machte Ullmann den Zusammenhang klar. Klimaschutz bedeutet für ihn auch Gesundheitsschutz und Prävention. In der Umfrage der apoBank zum Thema Nachhaltigkeit sei die intrinsische Motivation von Heilberuflern bei diesem Thema deutlich geworden.

Großer ökologischer Fußabdruck

Ullmann sprach sich dafür aus, Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen durch finanzielle Anreize zu fördern. Zwar seien viele von Heilberuflern ergriffene Maßnahmen hilfreich und wertvoll, diese allein reichen ihm aber nicht. Mit Hinweis auf den ökologischen Fußabdruck des Gesundheitswesens – laut Ullmann ist dieser größer als der des deutschen Flugverkehrs – forderte er: „Wir dürfen nicht nur kleinteilig denken.“ Die Transformation in eine ökologische Zukunft braucht nach seiner Überzeugung nun mehr politische Unterstützung.

Dr. Paula Piechotta sieht die Motivation bei Ärzten nicht zuletzt durch vergangene Hitzesommer erzeugt. Auf manchen Klinikstationen sei es deshalb zu Problemen mit der Klimatisierung gekommen – nur eines von vielen Zeichen, wie überfällig mehr Klimaschutz sei. „Das betrifft nicht nur die jüngere Generation“, mahnte Piechotta.

Nachhaltigkeit liegt in Ärzte-DNA

Weniger Umweltbelastung kann nach ihrer Überzeugung schon entstehen, wenn jede Leistung im Gesundheitswesen auf ihre Notwendigkeit überprüft und dabei der Grundsatz ambulant vor stationär stärker als bislang berücksichtigt wird. Politisches Augenmerk sollte nach ihrer Ansicht auch auf gesunde und nachhaltige Ernährung gelegt werden.

Kein Zweifel, dass im Gesundheitswesen noch jede Menge Reserven für mehr Klimaschutz bestehen, hat Dr. Sven Jansen. Der Vorstand der Noventi Health verwies auf fünf Tonnen Papier, die bislang jeden Monat in Deutschland nur für Rezepte erforderlich waren. Zur politischen Verantwortung sagte Jansen: „Die Politik muss den Klimawandel nicht allein stemmen, aber sie muss die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen“.

In der Vergangenheit hat es dabei nach seiner Wahrnehmung häufig an der Abstimmung zwischen einzelnen Ministerien gefehlt. Auch Politik und Wirtschaft sollten nach seiner Überzeugung stärker „Hand in Hand“ für den Klimaschutz arbeiten. Bei den Medizinern selbst sieht Jansen das Thema Nachhaltigkeit schon „in der DNA verankert“. Die Frage sei nicht ob, sondern wann sich das Gesundheitswesen „endlich klimaneutral und nachhaltig macht“, sagte Dr. Jörg Schmid. Er ist Assistenzarzt und Co-Founder der „Health für Future“-Gruppe Tübingen, die den Umgang mit Folgen der Klimakrise für die Gesundheit als eine zentrale Aufgabe des Gesundheitssektors sieht. Denn das Gesundheitswesen muss nach seiner Überzeugung „vorweg gehen und seinen Verpflichtungen gegenüber künftigen Generationen nachkommen“.

Beim Regiomed Klinikum Lichtenfels sammelt man bereits Erfahrungen mit dem Thema „green hospital“. Markus Semmelroch, technischer Leiter des Klinikums Lichtenfels, machte in der Diskussion deutlich, dass die bisherigen Förderprogramme nicht immer hilfreich sind – er wünscht sich mehr Flexibilität und eine beschleunigte Bearbeitung, damit auch die Kliniken zu schnelleren Entscheidungen in Sachen Klimaschutz kommen.

IMPRESSUM

Springer Medizin Verlag GmbH, Am Forsthaus Gravenbruch 5–7, 63263 Neu-Isenburg

› Geschäftsführer: Fabian Kaufmann, Dr. Cécile Mack, Dr. Hendrik Pugge

› V.i.S.d.P.: Denis Nößler

› Redaktion: Hauke Gerlof, Dirk Schnack

© Springer Medizin Verlag GmbH

Eine Kooperation mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

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