Anlagenkolumne

IPO: Nicht von der Story blenden lassen!

Von Gottfierd Urban Veröffentlicht: 16.03.2018, 13:25 Uhr

Seit langem wagen größere deutsche Firmen wieder den Gang an die Börse. Eben brachte Siemens seine Medtechsparte „Healthineers“ aufs Parkett und die Deutsche Bank lässt demnächst ihre Kapitalverwaltung (DWS) notieren. Generell sollten Anleger bei Börsenneulingen einige Dinge beachten. Ältere Zeitgenossen dürften sich noch an die Jahrtausendwende erinnern. Damals zeichneten Anleger im allgemeinen Aktienrausch ohne das Geschäftsmodell zu kennen oder Kennzahlen zu beachten. Die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Vielfaches. Man eröffnete bei mehreren Banken Depots, um Zuteilungschancen zu erhöhen. Das Ende ist bekannt. Die Generation „Neuer Markt“ dürfte den gleichen Fehler nicht noch einmal machen.

Bei Börsengängen setzen sich Banken, Firma, PR-Agentur und Wirtschaftsprüfer an einen Tisch um Aktien dann zu platzieren, wenn der zu erwartende Platzierungspreis gut ist. Das muss aber nicht auch gut für den Käufer sein. Vielleicht will eine Firma ein hochvolatiles Geschäft abstoßen und so Risiken aus der Stammfirma nehmen? Oder die Anteilseigner wollen einfach nur Kasse machen? Idealerweise nutzen Unternehmen Börsengänge, um Wachstumspläne zu finanzieren. Wie bei jedem Aktienkauf sind auch bei einem IPO Kennzahlen, Geschäftsmodell und die Motivation des Börsenganges zu analysieren. In je besserem Licht die Aussichten für einen Börsenneuling präsentiert werden, um so vorsichtiger sollte man sein. Warum behält der Alteigentümer die Anteile nicht, warum finanziert die Firma die Expansion nicht über einen günstigen Kredit?

Fazit: Nicht von der Story blenden lassen! Und nur keine Eile: Facebook oder Alibaba waren besonders erfolgreiche Neuemissionen. Wer als Privatanleger bei der Zeichnung nicht zum Zug kam, der konnte die Aktie aber einige Wochen später zu Preisen deutlich unter dem Erstausgabepreis kaufen.

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