NRW

Das virtuelle Krankenhaus wird mit Regelbetrieb starten

Das virtuelle Krankenhaus hat seine Feuertaufe bestanden: In der Coronavirus-Pandemie hat sich gezeigt, dass kleinere Kliniken von der Beratung durch Maximalversorger profitieren, betont Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann beim virtuellen Kongress eHealth.NRW.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht: 29.09.2020, 15:53 Uhr
Die helfende Hand eines fachkundigen Kollegen muss nicht immer vor Ort sein. So lässt die Telemedizin notwendige Expertise auch in kleinere Kliniken kommen.

Die helfende Hand eines fachkundigen Kollegen muss nicht immer vor Ort sein. So lässt die Telemedizin notwendige Expertise auch in kleinere Kliniken kommen.

© santiago silver / stock.adobe.com

Köln. Das virtuelle Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen nimmt Gestalt an. Nach der vorgezogenen Pilotphase mit Patienten, die an COVID-19 erkrankt waren, wird der Regelbetrieb zunächst mit fünf Indikationsbereichen und vier Kliniken starten.

Das kündigte Lutz Stroppe, Mitglied des Expertenrates zum virtuellen Krankenhaus, am Dienstag auf dem Kongress eHealth.NRW an, der in diesem Jahr zum ersten Mal rein digital stattfand.

Mit von der Partie sind zunächst die Universitätskliniken Aachen und Münster, die bereits bei der Intensivbehandlung von Corona-Patienten ihre Expertise zur Verfügung gestellt haben, das Universitätsklinikum Essen und das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Sie unterstützen ihre Kollegen in Kliniken und Praxen in den Bereichen Intensivmedizin, Herzinsuffizienz, Infektiologie, Onkologie (beginnend mit Lebermetastasen) sowie seltene Erkrankungen – dabei haben die Häuser jeweils Schwerpunkte.

Weitere Kliniken werden einbezogen

Natürlich werden weitere Kliniken einbezogen, betonte Stroppe. „Die nächsten Schritte werden sich auch darum drehen, die Indikationen auszubauen, sodass wir ein möglichst breites Angebot haben können.“

Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte im August 2019 den Startschuss für das virtuelle Krankenhaus gegeben. Ziel des Projekts ist es, Fachwissen aus den medizinischen Zentren per Telekonsil und Televisite an kleinere Kliniken und niedergelassene Ärzte zu bringen.

„In der Pandemie hat sich gezeigt, dass mit der Beratung durch Maximalversorger auch kleinere Krankenhäuser in der Lage waren, Patienten optimal zu versorgen“, sagte Laumann in einer Grußbotschaft.

Neue Möglichkeiten durch Digitalisierung

Die Digitalisierung biete die Möglichkeit, Wissen von Räumen unabhängig zu machen, zudem schaffe sie Transparenz. Weil viele im Gesundheitswesen diese Transparenz nicht wollen, sei man in dieser Frage viel zu lange auf der Stelle getreten, kritisierte Laumann.

Ein weiterer wichtiger Faktor für ihn: „Ich glaube, dass Digitalisierung ein entscheidendes Instrument ist, um sektorübergreifende Gesundheitsversorgung endlich in diesem System umzusetzen.“

Am 1. September 2020 ist eine gemeinnützige Trägergesellschaft gegründet worden mit dem Land NRW als Hauptgesellschafter. „Wir haben uns entschieden, einen Beirat zu bilden“, berichtete Stroppe, der ehemalige Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium.

Vertreter von Kliniken, niedergelassenen Ärzten, der Landeskrankenhausgesellschaft und den Ärztekammern sowie weitere Experten sollen die Gesellschaft beraten.

KI findet richtigen Ansprechpartner

Im Zentrum des virtuellen Krankenhauses wird eine Plattform stehen, über die beispielsweise Termine für die Patienten vermittelt und Fallakten ausgetauscht werden sollen. Sie wird zunächst vom Land NRW finanziert.

Ein System der Künstlichen Intelligenz soll nach Angaben von Stroppe dafür sorgen, dass die anfragenden Ärzte und Kliniken jeweils an genau die Ansprechpartner vermittelt werden, die die Expertise für die jeweiligen Patienten und ihre Erkrankungen haben.

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