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„Der Bewusstseinswandel ist bereits weit gediehen“

Nicht nur Ärzte reagieren auf den Klimawandel. Banken wollen ebenfalls ihren Beitrag leisten. Wie das gehen kann, erläutert apoBank-Vorstand Alexander Müller im Interview.

Von Das Interview führte Hauke Gerlof Veröffentlicht:
Alexander Müller, Vorstand der apoBank und dort zuständig für Nachhaltigkeit.

Alexander Müller, Vorstand der apoBank und dort zuständig für Nachhaltigkeit.

© Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Ärzte Zeitung: Herr Müller, bei Heilberuflern scheint das Bewusstsein für eine ressourcenschonende Praxisführung zu wachsen. Macht Ihnen das eigentlich Angst?

Alexander Müller: Nein, im Gegenteil. Wir freuen uns, dass das Bewusstsein unter Praxis- und Apothekeninhabern wächst. Denn Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt ein Thema, das Hand in Hand mit der Gesundheit der Menschen geht. Wir werden die großen Herausforderungen nur meistern, wenn wir alle einen Beitrag leisten. Unser Anspruch ist es, unsere Kundinnen und Kunden auf ihrem Weg zu einer ressourcenschonenden Praxisführung zu begleiten.

Sie haben gerade eine aktuelle Umfrage lanciert, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auch wenn die Ergebnisse teilweise nicht ganz widerspruchsfrei sind: Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie als Bank?

Unsere Umfrage hat zum einen gezeigt, dass die intrinsische Motivation nachhaltig zu sein, tief bei Inhaberinnen und Inhabern von Praxen und Apotheken verankert ist. Zum anderen hat sie aber auch offenbart, wo es auf dem Weg zu einem ressourcenschonenden Umgang hakt. Der Ruf nach mehr Unterstützung ist hier deutlich zu vernehmen. Das motiviert uns, ein zunehmend nachhaltigeres Banking anzubieten. Nicht zuletzt auch, indem wir Nachhaltigkeitsaspekte mehr und mehr in die Beratung unserer Kunden und in Produkte einfließen lassen und so auch Impulse setzen. Aber auch die Gesundheitspolitik wird gefragt sein, um der Transformation zu einem klimafreundlicheren Gesundheitswesen zu verhelfen.

Ist der Bewusstseinswandel bei Ihren Kunden bereits so weit gediehen, dass die Auswahl der Geschäftspartner sogar in der Finanzindustrie davon beeinflusst werden könnte?

Definitiv ja – vielleicht noch nicht bei allen, aber bei vielen. Wir werden gefragt, wo wir unsere Eigenanlagen investieren und ob wir beispielsweise klimaschädliche Kredite vergeben. Auch fragen viele Kundinnen und Kunden danach, was wir für die Gleichstellung in der Belegschaft tun und wie viele Frauen in Führungspositionen sind. Und für viele Nachwuchskräfte, die an einer Position in der apoBank interessiert sind, ist das Streben nach mehr Nachhaltigkeit eine unerlässliche Herausforderung. Also ein buntes Spektrum an Themen. Außerdem schauen immer mehr institutionelle Anleger auf unsere Nachhaltigkeitsratings und legen Wert darauf, dass wir uns klare Ziele setzen und entsprechende Maßnahmen einläuten, was wir auch tun.

Ärztinnen und Ärzte bemühen sich vielleicht um einen sinkenden CO2-Ausstoß der Praxis, um Müllvermeidung und klimafreundliche Mobilität. Wo liegen die größten Baustellen für ein Institut wie die apoBank?

Als Finanzinstitut haben wir sicherlich grundsätzlich einen geringeren CO2-Ausstoß als ein Industrieunternehmen. Unser eigener CO2-Fußabdruck ist daher etwas einfacher zu managen. Wir haben uns fest vorgenommen, unseren Geschäftsbetrieb bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Anders sieht es aus, wenn es darum geht, wie viel CO2-Gehalt hinter Kreditportfolios von Finanzinstituten steht. Da müssen ganze Prozesse angepasst werden. Bereits beim Kundengespräch in der Kreditvergabe müssen wir dafür sorgen, dass die relevanten Daten vom Kunden zur Verfügung gestellt werden. Der im nächsten Jahr stattfindende Klima-Stress-Test der EZB wird für die Banken ebenfalls eine besondere Herausforderung.

Eine weitere Baustelle ist die sogenannte EU-Taxonomie zu Nachhaltigkeit. Also, was verstehen wir künftig unter „grünen“ bzw. „nachhaltigen“ Investments. Hier warten wir noch auf die Detail-Regelungen seitens der EU. Je nach Ausgestaltung und Definitionen werden die Banken ihre Portfoliosteuerung und -messung noch anpassen müssen.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Klimaneutrale Prozesse bis 2030

Heiberufler dabei unterstützen, nachhaltig zu wirtschaften und anzulegen, sowie den eigenen Geschäftsbetrieb möglichst schnell klimaneutral gestalten: Das hat sich die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) für die kommenden Jahre vorgenommen. „Nachhaltigkeit ist auch Gesundheitsschutz. Als Bank der Gesundheit unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, schreibt die Standesbank in einer Mitteilung.

„Unsere Werte spiegeln sich wider in unserem kundenzentrierten und lösungsorientierten Beratungsansatz über alle Lebensphasen“, nennt die apoBank in der Nachhaltigkeitsstrategie einen weiteren Aspekt.

Dabei setzt sich das Institut hohe Ziele: Entlang der Rahmenvorgaben der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und des Pariser Klimaabkommens hat sich die apoBank vorgenommen, bis 2045 über alle Geschäftsaktivitäten hinweg, also inklusive Bankgeschäft für Kunden (Finanzierung und Anlage), klimaneutral zu sein (Netto-Null-Emissionen). Der Geschäftsbetrieb soll sogar bereits bis 2030 klimaneutral gestaltet werden.

Bis spätestens 2024 will die Bank klarere Kriterien für die Kreditvergabe und Vermögensanlage festlegen. Am Ende sei es das Ziel, „auch zukünftig nachhaltige Leistungen mit einem Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie für die Gesellschaft“ anzubieten. Textbaustein: (eb)

Wie weit sind Sie auf dem Weg zu einer nachhaltig agierenden Bank?

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie leitet sich bereits aus dem Leitbild der apoBank als Bank der Gesundheit ab. Vor allem aus unserem Anspruch, Gesundheit zu ermöglichen. Denn Nachhaltigkeit ist auch Gesundheitsschutz. Aus unserem Geschäftsmodell folgt schon per se, dass wir beispielsweise kein Kreditgeschäft tätigen mit Unternehmen der Rüstungs-, Bergbau-, Öl- und Gasbranche, oder Unternehmen, die gegen Menschen- und Arbeitsrechte verstoßen.

Unser Ziel ist, bis spätestens 2045 über alle unsere Geschäftsaktivitäten hinweg, hauptsächlich bei Finanzierungen und Anlagen, klimaneutral zu sein. Dafür haben wir für uns prioritäre Handlungsfelder definiert, dazu gehören beispielsweise Finanzierungen im Gesundheitsmarkt sowie das Vermögensgeschäft für Kunden, zielgerichtete nachhaltige Maßnahmen für Mitarbeitende, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen im Geschäftsbetrieb und ihr gesellschaftliches und soziales Engagement.Bis spätestens 2024 wollen wir klare Kriterien für die Kreditvergabe und Vermögensanlage festlegen. Bei unseren strategischen Nachhaltigkeitszielen lassen wir uns von den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen bzw. dem Pariser Klimaabkommen leiten.

Können Sie Ihren Kunden garantieren, dass bei Ihnen ein nachhaltig betitelter Investmentfonds bei Ihnen auch tatsächlich nachhaltig aufgestellt ist? Das ist ja leider nicht selbstverständlich ...

Unser Anspruch ist es, dass unsere Kundinnen und Kunden genau wissen können, in welche Anlagen sie investieren. Dabei werden wir uns an der künftigen Taxonomie der EU orientieren. In unseren Vermögensverwaltungsstrategien setzen wir heute bereits ESG-Kriterien sowie Ausschlüsse ein. In Zusammenarbeit mit namhaften Produkterstellern entwickeln wir zudem neue nachhaltige Produkte für Anlageklassen, die bisher nicht nachhaltig investierbar waren.

Wie weisen Sie das nach?

Wir erwarten, dass es hier künftig klare rechtliche Vorgaben geben wird, an denen wir uns orientieren werden.

Was empfehlen Sie einem Heilberufler, der sich am Kapitalmarkt eine Altersvorsorge aufbauen will und dabei möglichst klimaneutral und umweltschonend investieren will?

Unsere Beraterinnen und Berater anzusprechen. Wir bieten eine breite und innovative Produktpalette in wesentlichen Anlagebereichen. Ökologische, aber auch soziale Kriterien sowie eine gute Unternehmensführung werden dabei verstärkt berücksichtigt. Unsere Beraterinnen und Berater werden wir künftig stärker sensibilisieren und mit entsprechendem Rüstzeug ausstatten. So begleiten wir unsere Kunden zielorientiert und professionell auf ihren individuellen Wegen. (ger)

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› Geschäftsführer: Fabian Kaufmann, Dr. Cécile Mack, Dr. Hendrik Pugge

› V.i.S.d.P.: Denis Nößler

› Redaktion: Hauke Gerlof, Dirk Schnack

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