Kooperation | In Kooperation mit: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Wege aus der Corona-Krise

Die Praxis-Website wird zum Dreh- und Angelpunkt

Die Patientenzahlen in den Praxen steigen wieder – allerdings bisher, ohne das alte Niveau wieder zu erreichen. Praxisinhaber können tatsächlich eine Menge tun, um wieder in Richtung Normalbetrieb zu kommen.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 31.07.2020, 14:53 Uhr
Die Praxis-Website wird zum Dreh- und Angelpunkt

Wer Patienten durch Praxisorganisation und digitale Angebote überzeugt, hat langfristig keine Probleme mit der Liquidität.

© skywalk154 / stock.adobe.com

Düsseldorf. Sechs von sieben an COVID-19 erkrankten Patienten sind ambulant behandelt worden: Immer wieder betont die Führung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), welche Bedeutung die niedergelassenen Ärzte dafür gehabt haben, dass das Gesundheitssystem in der Pandemie nicht an die Kapazitätsgrenzen gelangt ist.

Dennoch ist auch der „Schutzwall der ambulanten Versorgung“, von dem die KBV so gerne spricht, ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden: Denn außer den an den Atemwegen Erkrankten haben Patienten sich zur Kontaktvermeidung weitgehend von den Praxen abgewendet.

„Stück für Stück geht es aufwärts“

Ende Mai berichtete HNO-Arzt Dr. Christoph Baumbach aus Düsseldorf, dass zwar wieder mehr Patienten in die Praxis kämen, dass das alte Niveau aber längst nicht erreicht sei, vor allem bei den Privatpatienten nicht.

Er habe seine Praxis auch in der Zeit des Lockdown immer offen gehalten und dies auch immer wieder bekannt gegeben, „aber die Patienten kamen einfach nicht“. Das Team habe allerdings viel Telefonarbeit geleistet und auch die Videosprechstunde wieder verstärkt für Patientenkontakte genutzt.

Die Erfahrungen Baumbachs sind typisch für viele Praxen, wie eine Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) im April gezeigt hat. Rund 60 Prozent der Teilnehmer berichteten über rückläufige Umsätze und Patientenzahlen – 44 Prozent klagten dennoch über einen gestiegenen Arbeitsaufwand. Um den Praxisbetrieb aufrecht zu erhalten, meldeten 42 Prozent, sie hätten bereits Privatvermögen umgeschichtet oder wollten darauf zurückgreifen.

Die Patienten müssen wieder lernen, dass es gefahrlos ist, in die Praxis zu kommen.

Daniel Zehnich, Leiter Gesundheitsmärkte und -politik der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)

Um den Trend rückläufiger Umsatz- und Patientenzahlen dauerhaft wieder umzukehren, sind Praxisinhaber vor allem bei der Praxisorganisation und beim Praxismarketing gefordert, sagt Daniel Zehnich, Leiter Gesundheitsmärkte und -politik der apoBank, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Vertrauensbildende Maßnahmen

„Die Patienten müssen wieder lernen, dass es gefahrlos ist, in die Praxis zu kommen.“ Um das zu erreichen, könnten zum Beispiel die folgenden Maßnahmen helfen:

  • Präsenz zeigen: Über Anzeigen, auf der Praxis-Website oder auch in sozialen Medien, können Ärzte bekannt geben, dass die Praxis geöffnet ist und welche Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung ergriffen worden sind. „Die Praxis-Website wird zum Dreh- und Angelpunkt der Patienteninformation“, sagt Zehnich.
  • Hygienemaßnahmen: Transparenz über Maskenpflicht in der Praxis, Schutzvorkehrungen wie Plexiglas-Scheiben am Empfang, und über Möglichkeiten zur Hände-Desinfektion helfen, das Vertrauen der Patienten wiederzugewinnen.
  • Praxisorganisation: Auch Informationen über Maßnahmen zur Trennung der Patientenströme, räumlich und/oder zeitlich, helfen, die Scheu vor dem Praxisbesuch abzubauen. Ein effektives Terminmanagement kann zudem dafür sorgen, die Zahl der Patienten, die sich gleichzeitig in den Praxisräumen aufhalten, zu reduzieren.
  • Terminverwaltung und Kontakte online: Mittels digitaler Anwendungen lassen sich die Praxisverwaltung entlasten, Patientenströme besser steuern und direkte Kontakte minimieren. „Mehr als 22.000 Arztpraxen haben in den vergangenen Monaten die Videosprechstunde eingeführt“, sagt Daniel Zehnich und bezieht sich auf Aussagen der KBV. So könnten zum Beispiel Laborbefunde auch im Videoanruf besprochen werden.
  • Routine-Termine: An Untersuchungen, die sich regelmäßig wiederholen, etwa DMP-Termine oder auch Vorsorge, können Patienten via E-Mail oder Benachrichtigung durch das Smartphone erinnert werden, wenn deren Einverständnis dafür vorliegt.
  • Auf diesem Wege kann Patienten klar gemacht werden, dass es langfristig gefährlicher ist, Untersuchungen nicht wahrzunehmen, als zur regelmäßigen Kontrolle in die Praxis zu kommen.

Die apoBank könne Ärzte bei Maßnahmen der Digitalisierung über ihr Kompetenzzentrum apoHealth unterstützen, so Daniel Zehnich. Auch für Kunden, die aufgrund fallender Umsätze in Liquiditätsnöte gekommen seien – besonders Praxen mit Privateinnahmen sind betroffen, weil hier der Schutzschirm nicht greift – habe das Institut spezielle Programme zur Unterstützung entwickelt.


Im Interview

„Die Lage in den Praxen normalisiert sich langsam“

Der drastische Patientenrückgang im März und April hat viele Pläne für Praxen durcheinandergewirbelt. Daniel Zehnich und Ramona Krupp vom Corona-Interventionsteam der apoBank geben im Interview Auskunft, wie Ärzte in der Krise gegensteuern können.

Ärzte Zeitung: Frau Krupp, Herr Zehnich, viele Menschen waren krank, aber die Praxen leer: Wie gefährlich kann die Corona-Krise für niedergelassene Ärzte werden?

Die Praxis-Website wird zum Dreh- und Angelpunkt

Daniel Zehnich, Leiter Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik.

© apoBank

Daniel Zehnich: Die ersten Wochen mit Corona haben tatsächlich viele Praxen hart getroffen. Unsere Befragung, die im April gelaufen ist, also in der schlimmsten Zeit des Lockdowns, hat gezeigt, dass je nach Fachgruppe bis zu 30 Prozent der Ärzte Kurzarbeitergeld beantragt haben, knapp elf Prozent haben staatliche Unterstützung beantragt.

Die Zahlen aus Mai und Juni zeigen, dass sich die Lage aber langsam wieder verbessert. Und selbst bei Ärzten, die aufgrund der Honorareinbußen in Liquiditätsprobleme geraten sind, finden wir eigentlich immer Lösungen zur Überbrückung.



Welche Praxen sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen?

Ramona Krupp: Der durch den Gesetzgeber aufgespannte Rettungsschirm zur Stabilisierung der Arztpraxen wirkt ja nur im GKV-Bereich. Der Ausfall von Privatleistungen wird nicht kompensiert. Hier sind Ärzte mit hohen Privateinnahmen, wie HNO-Ärzte, Augenärzte oder Orthopäden, stärker betroffen.

Darüber hinaus spielt auch eine Rolle, wie lange die Praxis schon existiert und ob auf Rücklagen zurückgegriffen werden kann.

Corona-Zeiten sind keine guten Zeiten für Existenzgründer – gilt das auch für Ärzte? Und was müssen die jetzt besonders beachten?

Die Praxis-Website wird zum Dreh- und Angelpunkt

Ramona Krupp, Prokuristin Gesundheitsmärkte und -politik.

© apoBank

Ramona Krupp: Wir beobachten nicht, dass Ärzte, die schon im Gründungsprozess drin sind, noch kurzfristig versuchen, abzuspringen. Der Gründungszeitraum insgesamt geht für uns ungefähr über 18 Monate.

Wir versuchen da, als Bank Sicherheit zu vermitteln und nehmen uns noch mehr Zeit für die Planung und das Erstellen eines Finanzierungskonzeptes. Bei der Kreditaufnahme kann es sich lohnen, am Anfang etwas mehr Puffer einzuplanen.

Diejenigen allerdings, die noch in der Vorplanungsphase sind, die werden mit der eigentlichen Gründung dann vielleicht noch ein bisschen warten.



Wie können betroffene Vertragsärzte vom KV-Schutzschirm profitieren?

Ramona Krupp: Wichtig ist, Rundschreiben zu beachten und regelmäßig auf der KV-Website nachzuschauen. Viele KVen haben bereits Anpassungen beim HVM vorgenommen. So wird die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung meist trotz reduzierter Leistungserbringung im regulären Umfang ausgezahlt.

Wenn sich das Gesamthonorar eines Arztes um mehr als 10 Prozent vermindert, kann die KV eine Ausgleichszahlung für entgangene extrabudgetäre Leistungen zahlen.

Wie kann denn eine Bank wie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank in diesen Zeiten Hilfestellung geben?

Daniel Zehnich: Vor allem Ärzte mit hohem Privatanteil haben wegen der ausgebliebenen Patienten jetzt häufig ein Liquiditätsproblem. Über die möglichen staatlichen Hilfen hinaus können wir bei kurzfristigen Problemen mit einer Erweiterung des Betriebsmittelkredits aushelfen. Für eine mittelfristige Überbrückung, also bis zu einem Jahr, haben wir eine vergünstigte Corona-Soforthilfe entwickelt. Bei längerfristigem Hilfebedarf vermitteln wir auch Mittel der KfW und der Förderbanken der Länder.

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