ApothekerPlus, 23.05.2008

Werbung aus den Gründerjahren

Eine ungewöhnliche Ausstellung zeigt, dass Werbegrafiken zu Arzneimitteln aus den 60er Jahren oft kleine Kunst- werke sind - Aquarelle oder amüsante Zeichnungen. Sie gehören zum riesigen Fundus des Merck-Archivs.

Von Pete Smith

 Werbung aus den Gründerjahren

Werbeplakat aus den 60er Jahren zum Schnupfenmittel Nasivin.

Foto: Merck-Archiv

Viele ältere Bundesbürger mögen sich noch an das Nasivin-Männchen mit Hut, tränenden Augen und einem riesigen, geknoteten Taschentuch um die Nase erinnern. Mit dieser Figur hat der Darmstädter Arzneimittel-Hersteller Merck KGaA in den 1960er Jahren für jenes Schnupfenmittel geworben, das heute noch denselben Namen trägt. Zu sehen ist das Plakat derzeit in der Ausstellung "Kunst in der Heilmittelwerbung der sechziger und siebziger Jahre", die das Heimatmuseum des kleinen Orts Bickenbach in der Nähe von Darmstadt bis zum 15. Juni präsentiert.

Die Exponate wurden von der fast 90-jährigen Bickenbacher Ärztin Liselotte Schmidt über mehr als 20 Jahre zusammengetragen, sodass eine einzigartige Sammlung an kunstvollen Werbegrafiken aus der Pharmabranche zusammenkam. Inzwischen gehört sie zum Archiv der Firma Merck, das wiederum eine der größten historischen Sammlungen seiner Art darstellt.

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein des Archivs gelegt

Die Anfänge des Archivs gehen in das Jahr 1905 zurück. Damals plante man zuerst, jene Dokumente zu sichern und zu bewahren, die die Geschichte der Familie Merck, die Entwicklung der im 17. Jahrhundert übernommenen Engel-Apotheke in Darmstadt sowie der daraus hervorgegangenen pharmazeutisch-chemischen Fabrik bekunden. Aus diesen Anfängen wuchs schon bald eine Sammlung heran, die heute internationalen Ruf genießt und einen wesentlichen Teil der Apotheken- und Pharmazieforschungsgeschichte beleuchtet.

Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Den Grundstein legte Friedrich Jacob Merck 1668 mit dem Erwerb der Darmstädter Engel-Apotheke, die noch heute im Besitz der Familie ist. Zu jener Zeit nutzten Apotheker Pflanzen, Tiere und Mineralien zur Herstellung von Arzneimitteln. Über Jahrhunderte betreiben die Mercks ihr Apothekenhandwerk, bis Heinrich Emanuel Merck 1827 den Übergang zu einem forschenden Industrieunternehmen einleitet.

Die Apothekerin und Pharmaziehistorikerin Dr. Sabine Bernschneider-Reif, Leiterin der Abteilung Corporate History der Merck-Gruppe, und ihr fünfzehnköpfiges Team verwalten etwa 1800 Meter Akten, 50 000 Fotos, 250 Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern, historische Exponate wie Arzneimittelverpackungen, Musterkoffer sowie Laboreinrichtungen, eine Bibliothek zur Wissenschaftsgeschichte mit vielen wertvollen alten Büchern (unter anderen Kräuter- und Arzneibücher aus dem 16. Jahrhundert), Filme, Tondokumente und digitale Speichermedien. Die ältesten Dokumente datieren aus dem 15. Jahrhundert. Dass die Sammlung weit über die Unternehmens- und Pharmaziegeschichte hinausweist, zeigt etwa der Nachlass von Johann Heinrich Merck mit Briefen an Goethe, Herder, Wieland und Lichtenberg.

Für Wissenschaftler und Historiker ist das Archiv, eingebunden in den Merck-Bereich Corporate History, eine Fundgrube. Nicht zuletzt die 1887 begonnenen und bis 1957 herausgegebenen "E. Merck's Jahresberichte über Neuerungen auf den Gebieten der Pharmakotherapie und Pharmazie" finden immer wieder großes Interesse.

Großer historischer Fundus für Wissenschaftler

In der entsprechenden Abteilung des Darmstädter Unternehmens treffen sich Natur- und Geschichtswissenschaftler, Doktoranden und Habilitanden, aber auch externe Besucher, die das historische Ambiente für Tagungen und Vorträge nutzen. Der so genannte Lecture-Room bietet Platz für bis zu 50 Personen.

Exponate aus dem umfangreichen Merck-Archiv werden auch außerhalb des Unternehmens gezeigt, wie etwa die aktuelle Ausstellung im Heimatmuseum Bickenbach belegt. Um eine größere Öffentlichkeit zu erreichen, arbeitet das Unternehmen zudem mit dem Deutschen Apotheken-Museum in Heidelberg zusammen, dem auch 1963 die hauseigene Drogensammlung gestiftet wurde.

Ausstellungstipp

Die Ausstellung "Kunst in der Heilmittelwerbung der 60er und 70er Jahre" - ist noch bis zum 15. Juni im Heimatmuseum Bickenbach, Darmstädter Straße 35, zu sehen, und zwar sonntags zwischen 15 und 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (0 62 57 - 6 18 83).

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