ArztRaum, 29.07.2010
 

Die Auswahl ist Chefsache

Ein guter Praxis-Schreibtisch ermöglicht komfortables Arbeiten und bietet eine Plattform für das Gespräch mit den Patienten. Er ist zugleich individuelles Statussymbol, exklusives Designobjekt und prägend für das Arztzimmer.

Von Franziska Stelter

Die Auswahl ist Chefsache

Bunt: "BaObab" ist Tisch und Skulptur zugleich. Die besondere Form bietet viel Stauraum. Preis ca. 2500 Euro.
www.vitra.com

Deutsche Ärzte sitzen täglich zwei bis drei Stunden an bürokratischen Aufgaben am Schreibtisch - das stellte das eHealth-Unternehmen "CompuGROUP" in einer aktuellen Umfrage fest. Hinzu kommt seine Rolle als Kommunikationsplattform: Patientengespräche werden oft über das zentral, zwischen den Gesprächspartnern platzierte Möbel hinweg geführt.

Die Auswahl ist Chefsache

Extravagant: Der formschöne
"i-con-desk" ist in verschiedenen Größen erhältlich. Preis ca. 3500 Euro.
www.arco-moebel.de

Ein enormes Angebot an Material, Form und Farbe stellt jeden Mediziner vor eine schwierige Entscheidung. Ganz frei ist man bei der Wahl des idealen Schreibtisches allerdings nicht: Damit sich beide - Arzt und Patient - vor und hinter dem Möbel wohlfühlen, gilt es, einige Aspekte zu beachten.

So sollte die Raumatmosphäre berücksichtigt werden: In einer traditionellen Praxis etwa wirkt ein futuristischer Designertisch in knalligem Grün fehl am Platz. Ebenso würde ein massives Holzgebilde in schlicht-modernen Räumlichkeiten von den Patienten leicht als Störfaktor wahrgenommen werden.

Als Fauxpas könnte sich ein schwarzer Schreibtisch erweisen. Einersets liegen die dunklen Möbelstücke stark im Trend, weil sie dem Raum eine edle Note und dem Besitzer Würde verleihen. Allerdings steht Schwarz auch für Trauer und Leid. Dies könnte im Unterbewusstsein der Patienten negative Assoziationen auslösen und Ängste hervorrufen.

Empfehlenswert für Praxis und Klinik sind eher warme sowie fröhliche Farben oder - wo es mit der restlichen Einrichtung harmoniert - ein dezentes Designerstück.

Ergonomisch und sicher

Anforderungen an den Praxis-Schreibtisch

Es liegt im Ermessen des Arztes, welchen Schreibtisch er für sein Chefzimmer wählt. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat jedoch Anforderungen an den Arbeitsplatz formuliert, an denen man sich bei der Wahl des Möbels orientieren kann.

Sicherheit: Zu diesem Aspekt zählen Material, Oberfläche und Stabilität. Es muss gewährleistet werden, dass die verwendeten Rohstoffe den täglichen Beanspruchungen standhalten. Zudem darf keine Verletzungsgefahr, etwa an scharfen Ecken, bestehen. Bei Belastungen darf der Tisch nicht nachgeben. Stabilität ist bei Stehpulten sehr wichtig.

Ergonomie: Eine Tischhöhe von 72 Zentimetern ist Standard, höhenverstellbare Modelle sind variabel bis 118 Zentimeter. Die Mindestiefe liegt bei 80 Zentimetern, die Ablagefläche sollte minimal 128 Quadratzentimeter betragen.

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[15.12.2017, 14:54:07]
Dr. Michael Traub 
Und wie würde die Bürgerversicherung der Hartz IV-Empfänger finanziert ?
Es ist klar, warum sich der Staat freut, daß die Mitglieder der Krankenkassen die Kosten für sein unausgegorenes Hartz IV-Abenteuer übernehmen.
Mit den Privatkassen kann er sich den Spaß nicht erlauben, da müßte er sich mit höheren Beihilfe-Zahlungen beteiligen, und das ließe sich mit den
nie arbeitslosen Beamten schlecht begründen. zum Beitrag »
[15.12.2017, 14:31:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lauterbach lässt die Katze aus dem Sack!
Wer erklärt uns da die Bürgerversicherung? Und wenn man etwas extra so umständlich erklären muss, warum haben dann alle Beteiligten bzw. sogar die SPD-Bundestagsfraktion vorher offensichtlich gar nicht verstanden, worum es bei der SPD-Bürgerversicherung eigentlich geht?

- Natürlich ist die Bürgerversicherung eine Einheitskasse, wenn laut SPD-Fraktionsvize Professor Dr. med. Karl Lauterbach (Approbation als Arzt 2010) dann alle gesetzlichen Krankenkassen und auch die Privatversicherer dieselbe Bürgerversicherung anbieten müssen.

- Wenn sämtliche, z. T. große Einnahmen aus Miet-, Zins-, Kapitaleinkünften und Firmenbeteiligungen privilegiert und zur Verbeitragung nicht herangezogen werden, tut sich unter stetig sinkender Lohnquote für die SPD eine weitere Gerechtigkeitslücke bei den Sozialbeiträgen auf.

- Die jetzige Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Disparität haben die Sozialdemokraten selbst mit verabschiedet: Ebenso den ständig unterfinanzierten Steuerzuschuss für die "versicherungsfremden" und familienpolitischen Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

- Seit Jahrzehnten hat die SPD Selbstständige widerspruchslos und ohne Parität zum Höchstsatz verbeitragt und die Mindestbemessungsgrenze hochgehalten.

- Ein neues einheitliches Honorarsystem als Bürgerversicherungs- und Ärzte-"Hasser"-Konzept bedeutet, das PKV-Einzelleistungssystematik und GKV-Pauschalierungs-Wahn zu Lasten der Ärzteschaft verschmolzen werden.

- Wer beim Ärztehonorar von einem "neuen einheitlichen Honorarsystem" als "Teil der Bürgerversicherung" spricht, sollte wenigstens den Hauch einer betriebswirtschaftlichen Ahnung haben: Das sind Praxis-Umsätze, von denen nach Abzug aller Kosten der selbstständigen Berufsausübung ein Arzthonorar erst noch erwirtschaftet werden muss.

Eine Zwei-Klassen-Medizin ist und bleibt allein mit §12 Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) festgeschrieben: "Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten" (WANZ-Prinzip wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig) bedeutet systematische, überproportionale Zuzahlungen bei unseren einkommensschwächsten Patienten. Gut verträgliche, nicht rezeptpflichtige Präparate sind oft unerreichbare Selbstzahler-Leistungen für Migranten, Niedriglöhner, geringfügig Beschäftigte, Leih- und Wanderarbeiter.

Eine ideologisch aufgeheizte SPD-"Bürgerversicherungs"-Debatte bedeutet noch mehr Staats-Eingriffe und -Dirigismus in der Daseinsvorsorge, Sparmaßnahmen, Mangelverwaltung, Leistungskürzung, Pauschalierung, Budgetierung, Einheits-, Triage- bzw. Listen-Medizin, private Zuzahlungen, Apotheken-Selbstzahler-Leistungen, Zusatzbeiträge und einen internationalen "grauen" Privat-Medizin-Markt im Gesundheits- und Krankheitswesen!

Die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) und die bisher beitragsfrei gestellte Privilegierung "sonstiger steuerlich relevanten Einkünfte" wären der erste logische Schritt zu mehr Beitragsgerechtigkeit in einer bürgernahen Krankenversicherung. Aus nackter Angst vor weiterem Gesichtsverlust traut sich die SPD da nicht heran.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[15.12.2017, 09:00:28]
Dr. Walther Kirschner 
Opioidepidemie als anhaltender Trend nicht-rationaler Pharmakotherapie
Was diese Studie aus den USA aufzeigt, ist bei erfahrenen Ärzten aus Orthopädie/Traumatologie, Schmerztherapie, Hausarztmedizin u.a. schon seit Jahrzenten bekannt - allerdings ist ein modischer Trend mit Auswirkungen einer Opioidepidemie nach wie vor seit Jahren ungebrochen, trotz nachweislicher nicht-rationaler Pharmakotherapie.

Warum ist das so? Trends und Moden sind nicht nur in verschiedenen Lebensbereichen bekannt und wirksam, sie sind es - leider - auch in der Medizin. Bedauerlich, wenn in solch einem sensiblen Bereich nicht die Ratio und professinelle Erfahrungen Priorität haben. Zeigt sich doch z.B. tagtäglich, daß Opioide (und Varianten) bei Wirbelsäulen- und Extremitätenschmerzen meist (deutlich) weniger, manchmal kaum oder gar nicht, wirksam sind, als andere Präparate, z.b. Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (Aspirin)u.ä.

Unerwünschte problematische Opioidwirkungen (adverse effects)sind also vermeidbar. Die unerwünschten Wirkungen dieser anderen Analgetika sind weniger problematisch und besser beherrschbar. So lassen sich gastrointestinale Beschwerden meist vermeiden, wenn die Präparate zeitnah nach Mahlzeiten eingenommen werden. Weitere Probleme wie theoretisch angenommene (unterschiedliche Studien) relevante Erhöhungen des Blutdrucks und weitere vermutete (Studien!?)Nebenwirkungen sind in der täglichen Medizin nicht tatsächlich ein Problem, nicht in oft vermuteter Weise nachweislich.

Hingegen ist der alltägliche Umgang mit Analgetika oftmals nicht gezielt nach rationaler Pharmakotherapie erfolgt, dies in vielfältiger Weise, z.B. Auswahl der Präparate, Indikation für den jeweiligen individuellen Fall, pasende individuelle adäquate Dosierungen, Berücksichtigung der Pharmakokinetik (Retard, Long) etc.

Hierbei besteht sicher informativer Nachholbedarf. Sicher, es ist eine komplexe medizinische Aufgabe - dennoch, sie muß von behandelnden Ärzten professionell und sorgfältig umgesetzt werden.  zum Beitrag »
[15.12.2017, 08:54:44]
Dr. Hans-Jürgen Schrörs 
Die immunsuppressive Wirkung von Testosteron ist eine evolutionäre Entwicklung
Es musste mal veröffentlicht werden!
Gut, dass es immer wieder sinnvolle Studien gibt - diese Erkenntnisse könnten die Welt verändern!
Danke an die Redaktion und vorweihnachtliche Genesungswünsche an alle betroffenen Leidensgenossen zum Beitrag »
[15.12.2017, 08:44:26]
Dr. Jürgen Schmidt 
Nichts genaues weiß man nicht
an dem Artikel der verschiedenste Aspekte behandelt ist ein Satz besonders interessant:

Die Abgeordneten der SPD hatten Lauterbach in dieser Woche darum gebeten, ihnen das Konzept der Bürgerversicherung näher zu erläutern.

Mit anderen Worten, die SPD erhebt ein Thema zur absoluten Kernforderung, über das weitgehende Unklarheit besteht.  zum Beitrag »
[15.12.2017, 08:19:54]
Dr. Stefan Graf 
Nicht neu - keine Panik!
Schon 2009 hat Prof. Martin Halle von der TU München eine Studie mit 250 langjährigen Marathonläufern vorgestellt, die auf strukturelle Veränderungen des Herzmuskels hinweist. Jeder zehnte Ü50-Marathoni soll über den Herzmuskel verteilte Narben aufgewiesen haben, wie sie nach Herzmuskelentzündungen zurückbleiben. Eine belgische Studie aus 2012(https://academic.oup.com/eurheartj/article/33/8/998/445749)deutete sogar auf eine arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie als Folge wiederholten Blutrückstaus hin. Neuere MRT-Untersuchungen (2016) aus Saarbrücken (http://circ.ahajournals.org/content/133/20/1927?sid=c65699ec-fa9e-46df-82f9-a9c39afbb78a) zeigten keine pathologischen kardialen Aufffälligkeiten bei 33 ehemaligen Spitzenathleten der Marathon- und Thriathlonszene. Kürzlich gingen nun die Meldungen von erhöhten Koronarsklerose-Risiken durch viel Sport durch die Fachmedien (https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinfarkt/article/947355/langzeitstudie-koronarsklerose-durch-sehr-sport.html). Wer sehr viel Sport treibt solte sich regelmäßig durchchecken lassen. Natürlich nimmt der Breitensport heute teils extreme Ausmaße an, die nicht mehr gesund sind. Aber ich denke, insgesamt ist eher das Gegenteil, extremer Bewegungsmangel, das Problem. Dessen pathologische Wirkungen sind zweifelsfrei evident.





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[15.12.2017, 07:55:46]
Dr. Hartwig Raeder 
Strafe
Das wollen viele Hausärzte nicht. Sie wollen sich ab 1.1.2019 lieber bestrafen lassen. Für 2019 beträgt die Strafe 1 % Abzug vom jährlichen KV-"Gesamthonorar". Ist es richtig, dass sich dieser Prozentsatz jährlich um einen Punkt erhöht?
Also 2 % für 2020, 3 % für 2021, 4 % für 2022 und 5 % für 2013? Das wäre für ältere Ärzte wohl lukrativer. zum Beitrag »
[14.12.2017, 19:20:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Paradox, dieses "Adipositas-Paradoxon"!
Nicht nur in der hier von Philipp Grätzel von Grätz in der ÄZ ausführlich besprochenen Studie: "The obesity paradox and incident cardiovascular disease: A population-based study" von Virginia W. Chang et al.
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0188636
wird das angebliche "Adipositas-Paradoxon" als Trugschluss entlarvt.

Auch mit der Studie von 2016: "Body-mass index and all-cause mortality: individual-participant-data meta-analysis of 239 prospective studies in four continents" der "The Global BMI Mortality Collaboration"
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)30175-1/fulltext
wurde erkannt, dass Normgewicht, Übergewicht, Untergewicht bzw. deren assoziierte Morbidität und Mortalität nicht statische Messgrößen in einem Krankheitsprozess darstellen. Dynamische, BMI-abhängige, krankheitsbedingte Entwicklungsprozesse und deren Progressionen müssen differenzierter als lediglich mit dem BMI detektiert, untersucht und diskutiert werden.

Grundsätzlicher Denkfehler bisheriger Studien und Metaanalysen war, dass der BMI keine eigene Krankheitsentität darstellt, welcher die allgemeine Mortalität direkt beeinflussen kann. Genauer ausgedrückt:
Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein reiner Surrogat-Parameter, der weder Morbidität noch Mortalität detektieren, identifizieren, abbilden oder demaskieren kann. Der BMI ist als isolierter Einzelbefund keine nosologisch greifbare Krankheitsentität. Denn der BMI oder der Bauchumfang ist nicht die Krankheit, die man zu behandeln vorgibt?

Musterbeispiele für Denkfehler dieser Art zeigen die Autoren von "Change in Body Mass Index Associated With Lowest Mortality in Denmark, 1976-2013"
http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2520627
welche mit naivem Empirismus unreflektiert BMI-Daten mit dem dänischen Mortalitätsregister verknüpft haben.

Man stirbt nicht an einem niedrigen BMI, sondern mit einem abnehmenden BMI bei konsumierenden Tumorerkrankungen, kardialer, pulmonaler oder renaler Kachexie, Altersdegeneration und -exsikkose bzw. allgemeinen alterungsbedingten Organ-Abbauprozessen. Deswegen spricht ein relativ hoher BMI mit höherer Wahrscheinlichkeit gegen derartige präfinale Zustände.

Das paradoxe "Obesity" Paradoxon wird in zahlreichen Studien beschrieben. Exemplarisch eine für die, welche alle demselben "bias" (Annahmefehler) unterliegen, von P. Costanzo et al.: "The Obesity Paradox in Type 2 Diabetes Mellitus: Relationship of Body Mass Index to Prognosis", Ann Intern Med 2015;162:610-618; doi:10.7326/M14-1551

Es ist der Katabolismus, der bei schweren, konsumierenden Begleiterkrankungen mit erhöhter Mortalitätsrate z. B. bei Tumorkachexie oder pulmonaler, COPD-bedingter Kachexie sich maskiert und mit erhöhter Mortalität in der Gruppe der Norm- bis Untergewichtigen einhergeht.

In der Mega-Metaanalysen-Studie von K. M. Flegal et al. wurden 97 prospektive Studien, vornehmlich aus den USA und Europa, mit mehr als 2,88 Millionen Menschen und über 270.000 Todesfällen ausgewertet. In "Association of All-Cause Mortality With Overweight and Obesity Using Standard Body Mass Index Categories" (JAMA. 2013;309(1):71-82) war die Mortalität bei BMI-Normalgewicht deshalb erhöht, weil der von K. M. Flegal et al. verwendete "cut-off" eines BMI von größer oder gleich 18,5 (bis 24,9) betrug.

Einem BMI von 18,5 entspricht bei einer Größe von 180 cm nur noch 59 kg Körpergewicht. Dies führt zu einer statistisch verzerrenden Erhöhung der Mortalität in der Population der noch normgewichtigen Patienten und dann später katabol-krankheitsbedingt weiter Untergewichtigen gegenüber den Übergewichtigen mit ihrem noch anabolen Stoffwechsel.

Vergleichbar ist damit die Schlussfolgerung einer Diabetes-Studie: "Conclusion: Adults who were normal weight at the time of incident diabetes had higher mortality than adults who are overweight or obese" (JAMA. 2012;308(6):581-590). Denn Adipöse haben gute, therapeutisch zugängliche Gründe für ihren Typ-2-Diabetes: Bewegungsmangel, metabolisches Syndrom, Insulinmangel bei relativer Betazellinsuffizienz und zunehmende Insulinresistenz.

Normalgewichtige mit Typ-2-D.m. haben dagegen eine progrediente, absolute Betazellinsuffizienz mit dramatischerem Krankheitsverlauf und höherer Mortalität, was idiopathisch, metabolisch oder genetisch determiniert sein könnte.

Auch das 'Adipositas-Paradoxon' bei systolischer Herzinsuffizienz bleibt rätselhaft. Übergewicht erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko bei Gesunden. Wer bereits erkrankt ist, profitiert eher vom Übergewicht: "The obesity paradox in men versus women with systolic heart failure" (Am J Cardiol. 2012 Jul 1;110(1):77-82). Dabei wurde auch die kardiopulmonale Kachexie übersehen.

Patienten mit fortgeschrittener, schwerer Herzinsuffizienz entwickeln in der Endstrecke NYHA IV eine katabole Energiebilanz. Dann trifft die höhere Sterblichkeit vermehrt untergewichtige Herzinsuffizienz-Patienten auch mit einem BMI ab 18,5.

Die Studie "Overweight and obesity are associated with improved survival, functional outcome, and stroke recurrence after acute stroke or transient ischaemic attack: observations from the TEMPiS trial " (Eur Heart J 2012 online October 16) ergab, dass nach Schlaganfall die Überlebens- und Restitutionswahrscheinlichkeit von Patienten mit relativem Übergewicht und einem BMI >25 besser als bei Normgewichtigkeit mit BMI 18,5-24,9 waren.

Doch auch hierbei wurden katabole Begleiterkrankungen und mortalitätserhöhende Risikofaktoren in der Population mit niedrigem BMI nicht ausreichend diskutiert.

Die hier in der ÄZ vorgestellte und in meinem Kommentar erstgenannte Studie von Virginia W. Chang et al. stellt mit ihren Schlussfolgerungen die Verhältnisse wieder auf den Kopf: "Conclusion - We observed an obesity paradox in prevalent CVD, replicating prior findings in a population-based sample with longer-term follow-up. In incident CVD, however, we did not find evidence of a survival advantage for obesity. Our findings do not offer support for reevaluating clinical and public health guidelines in pursuit of a potential obesity paradox."

"Wir beobachteten ein Adipositas Paradoxon bei prävalenter cerebrovaskulärer Krankheit in Übereinstimmung mit früheren Ergebnissen populationsbasierter Beispiele mit längerfristigem Follow-Up. Bei inzidenter cerebrovaskulärer Krankheit jedoch, fanden wir keine Evidenz für einen Überlebensvorteil bei Adipositas. Unsere Ergebnisse bieten keine Anhaltspunkte dahingehend, klinische- oder öffentliche Gesundheits-Leitlinien zu re-evaluieren, um ein potenzielles Adipositas-Paradoxon zu verfolgen.“ (Copyright der Übersetzung beim Verfasser)

Gesunde Dicke sind und bleiben doch kränker als gesunde Schlanke - kranke Schlanke und kranke Dicke haben besonders schlechte Karten!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


http://news.doccheck.com/de/blog/post/948-groesse-gewicht-bmi-kof-und-krebsrisiko/
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/911260/uebergewicht-ueberlebensvorteil-dick-jetzt-neue-schlank.html
http://news.doccheck.com/de/blog/post/3840-kranke-dicke-gesunde-schlanke-oder-gesunde-dicke-kranke-schlanke/ zum Beitrag »
[14.12.2017, 17:40:53]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Weltweit gibt es keine Leitlinien der Asthma-Therapie ...
die den exzessiv hochdosierten Einsatz eines kurz wirksamen Betamimetikums (SABA) als "short acting beta-agonist" vorsehen. Unsere Patientinnen und Patienten mit extrinsic/intrinsic  Asthma kommen zwar häufig mit tachykarden Herzrhythmusstörungen in die Praxis als Folge einer meist akzidentellen SABA-Überdosierung. Sie nutzen aber ihr Notfallspray höchst selten dazu, um in Höchstgeschwindigkeit mit ihrem Rennrad unsere Sprechstunden anzusteuern.

Die aktualisierten Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga beschreiben das folgendermaßen: "Wenn das Asthma durch alleinige regelmäßige Anwendung entzündungshemmender Medikamente nicht kontrolliert werden kann, werden zusätzlich langwirksame Beta-Sympathomimetika als Spray oder Pulverinhalat für die regelmäßige Anwendung verordnet, gegebenenfalls als Kombinationspräparat. Beta-Sympathomimetika erweitern die Atemwege und schützen für mehrere Stunden vor Atemnot. In seltenen Fällen werden langwirksame Beta-Sympathomimetika und/oder Theophyllin als Tabletten eingesetzt. Das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium kann ebenfalls als Zusatzmedikament verordnet werden. Alternativ kann inhalatives Kortison auch mit Montelukast kombiniert werden. Bei schwerem unkontrolliertem allergischem Asthma hilft oft eine Zusatztherapie [mit Biologicals wie Anti-IgE Omalizumab, Anti-Interleukin-5, Anti-IL 4/13 Dupilimab und Anti-Tezelpelumab] in Form von Spritzen mit Anti-IgE Antikörpern (Omalizumab). Bei plötzlicher Atemnot helfen raschwirksame Beta-Sympathomimetika, die schnell und zuverlässig die Bronchien erweitern. Da diese Medikamente bei Bedarf oder im Notfall angewendet werden, spricht man auch von Bedarfs- oder Notfallmedikation. Weitere Bedarfsmedikamente sind Anticholinergika." (Zitat Ende)
https://www.atemwegsliga.de/asthma.html
Asthmatherapie bei Erwachsenen Asthmatherapie bei Erwachsenen 05.07.2016 | 258,1 KiB
Asthmaanfall bei Erwachsenen Asthmaanfall bei Erwachsenen 23.11.2017 | 1,8 MiB

Im Fall des international bekannten Radrenn-Profi wie Chris(topher) Froome ist eher von einer Schutzbehauptung auszugehen, wenn eine Salbutamol-Überdosierung laut Anti-Doping-Agentur festgestellt  worden sein soll. Denn nur mit dieser überdosierten Substanz und nicht mit höchst dosierten inhalativen Steroiden (ICS) bzw. den weiterentwickelten Biologicals können leistungssteigernde Wirkungen entfaltet werden.

Kann der Mannschaftsarzt von Chris Froome denn nicht zwischen Therapie und Doping mit Salbutamol-Überdosierungen unterscheiden?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[14.12.2017, 11:14:47]
Dr. Claus Geiselhart 
Gegen Husten wirklich kein Kraut gewachsen?
Falsche alte Weisheiten bleiben auch bei stetiger Wiederholung falsch. Das gilt hier gleich doppelt: Einer unwirksamen chemischen Therapie von Erkältungshusten stehen in Deutschland zugelassene pflanzliche Arzneimittel mit nachgewiesener Wirksamkeit bei diesen Beschwerden gegenüber. Es gibt also Alternativen.
Zudem verkürzen solche Phytopharmaka signifikant die Dauer von Erkältungskrankheiten. Patienten sind damit schneller wieder gesund und arbeits- oder schulfähig.
Beispiele finden sich in Leitlinien wie der DEGAM-Leitlinie Nr. 11 Husten (053/13), der S2k-Leitlinie Rhinosinusitis 017/049 (HNO) und 053/012 (DEGAM) sowie auch dem European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps (Rhinology supplement 23:1-298, 2012).

Wer Augen hat, der sehe (nicht nur auf US-Empfehlungen) …

Dr. Claus Geiselhart, Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG
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