Ärzte Zeitung online, 09.12.2010

Großer Auftritt: hygienisch, stabil und schön

Hauptsache praktisch? Natürlich sollen Fußböden in Arztpraxen und Kliniken vielen Belastungen trotzen und Vorschriften genügen. Deshalb müssen sie aber nicht langweilig und trist aussehen. Die Auswahl an funktionalen und zugleich attraktiven Belägen ist groß.

Von Ingrid Lorbach

Großer Auftritt: hygienisch, stabil und schön

Stilvoll in grauen Kautschuk-Wellen: Wartebereich der gynäkologischen Praxis im Krankenhaus Maria-Hilf, Brillon.

© Karin Hessmann

Sieht aus wie ein Krankenhausflur" - mit diesem Satz wird nicht selten ein Fußboden aus grauem Linoleum beschrieben, funktional und eher trist. Wenig schmeichelhaft für Klinik und besagtes Material. Leider entspricht es auch heute noch vielerorts der Realität. Wie es anders geht, zeigen die Bilder auf diesen Seiten: viele frische Farben und Muster auf Fluren und in Wartezonen. Selbst ein elastischer Bodenbelag in Grau kann - eingebunden in ein cleveres Design - für Stil und Klasse stehen. Das Klischee der faden und fantasielosen Bodenbeläge in Klinik und Arztpraxis sollte also schon bald der Vergangenheit angehören.

Im Gesundheitsbereich muss der Boden ein Alleskönner sein

Nie war die Auswahl an Materialien, an Formen und Farben bei Bodenbelägen - auch für Praxen und Kliniken - größer als heute. "Gerade die Hersteller von Bodenbelägen kennen sich im Gesundheitswesen bestens aus", sagt die Innenarchitektin und Praxisgestalterin Sylvia Leydecker, "sie wissen genau, worauf es dort ankommt."

Und das ist nicht wenig: Fußböden in medizinischen Einrichtungen sollen nicht nur - wie überall im öffentlichen Bereich - strapazierfähig und gut zu reinigen sein. Sie müssen auch den Hygienevorschriften, zum Beispiel den Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts, genügen sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten.

Die Auswahl des Bodenmaterials ist also eine gewichtige Grundlagenentscheidung.

Die größten Wahlmöglichkeiten hinsichtlich des Materials bieten sich im Empfangs- und Wartebereich, wo es noch keine konkreten Einschränkungen durch die Hygienerichtlinien gibt. Auch "wohnlichere" Beläge wie Teppichboden, Kork oder Holz dürfen hier ohne Weiteres verwendet werden.

Die Ästhetik spielt hier eine wichtige Rolle: Wie werde ich empfangen? Mit gediegenem Holz oder schicken Fliesen? Dezenten Farben oder aufregenden Mustern? Für den Patienten zählt insbesondere der erste Eindruck beim Betreten. So kann etwa ein Teppichboden im Wartezimmer, der eine warme Atmosphäre schafft und den Trittschall dämmt, wesentlich zur Entspannung beitragen.

Allerdings wird gerade der Boden im Eingangsbereich stark frequentiert und sollte deshalb auch hier widerstandsfähig und gut zu reinigen sein. Sylvia Leydecker plädiert deshalb durchaus für pragmatische Lösungen. Sie selbst hat beispielsweise "überhaupt kein Problem mit gut gemachten Holznachbildungen aus PVC", so die Praxisgestalterin.

Großer Auftritt: hygienisch, stabil und schön

Funktion und Design: Kautschukboden im Texas Heart Institute, Houston.

© Nora Systems

Auch mit sehr praktischen Belegen lasse sich ein behagliches Ambiente schaffen.

Je mehr wir uns dem medizinischen Bereich nähern, desto höher werden die Anforderungen an Hygiene und Arbeitsschutz. Ein ärztliches Sprechzimmer, in dem keine eigentlichen Untersuchungen und Behandlungen stattfinden, bietet noch einmal die Möglichkeit, auch in der Materialauswahl für eine individuelle Note zu sorgen.

Entsprechend einem allgemeinen Trend zu Naturprodukten bei der Einrichtung gewinnt hier der Holzfußboden, vor allem in Form von Parkett, wieder an Popularität. Langlebigkeit und Wertigkeit sprechen dafür. Christian Uhl, Marketingleiter des Parkettherstellers Bembé, weist allerdings auf die Pflegebedürfnisse von Holz hin, das nicht nass gewischt werden darf:

"Es ist wichtig, das Reinigungspersonal richtig einzuweisen", so Uhl, "wo ein externer Service die Reinigung übernimmt, ist das oft nicht gesichert."

Weil Holz nicht nur auf Nässe, sondern auch auf Desinfektionsmittel und Säuren empfindlich reagiert, ist es im eigentlichen Behandlungsbereich von Kliniken und Praxen eher seltener zu finden. Ausgeschlossen ist seine Verwendung dort aber nicht, wie das Beispiel des Hamburger Marienkrankenhauses zeigt.

Dort hat man vor einigen Jahren im Geburtshilfebereich massives Eichenparkett verlegt, und zwar direkt bis vor die nur durch Glasfronten getrennten Kreißsäle. "Das war Teil eines thematischen Konzepts, das die Einmaligkeit des Geburtsvorgangs herausstellt", erklärt Geschäftsführer Werner Koch.

"Wir haben ein maritimes Motiv gewählt, in dem Wasser und Land durch verschiedene Bodenbeläge symbolisiert werden. Das Holz steht für Land, Wasser wird durch grünes Linoleum dargestellt."

Um den Hygienevorschriften zu entsprechen, wurde das Holz mit einem Bootslack versiegelt. "Wir haben keine Probleme mit der Pflege", so Koch, "und von den Patientinnen kommt viel Lob." Zurückgerudert ist das Krankenhaus dagegen bei dem Experiment, im Kreißsaal selbst Kork zu verlegen.

Zwar war auch dieser Boden bei den werdenden Müttern sehr beliebt, weil man darauf gut barfuß laufen kann. Doch das Material erwies sich als nicht belastbar genug und war innerhalb kurzer Zeit defekt. Deshalb ging man wieder zu Linoleum über.

Der Boden im Patientenzimmer ist ein Diskussionsthema

So werden wohl in den meisten Fällen Behandlungs- und Eingriffsräume weiterhin den unempfindlichen und leicht zu reinigenden elastischen Bodenbelägen wie Kautschuk, Linoleum oder PVC vorbehalten bleiben. Für OP-Räume und andere Bereiche mit vielen Geräten gibt es elektrostatisch ableitfähige Spezialbeläge.

Auch für Klinikflure und andere Übergangsbereiche, die auch noch starken Belastungen durch die Räder von Betten oder Essenswagen ausgesetzt sind, kommen meist sehr robuste Beläge infrage. Sanitärräume sind natürlich das klassische Einsatzgebiet für Fliesen.

Eine Alternative ist PVC, das im Gegensatz zu Linoleum auch für Feuchträume geeignet ist. Oder auch eine Beschichtung mit Epoxidharz. Dieses Material, das im flüssigen Zustand aufgetragen wird, lässt sich sehr gut einfärben und bildet einen fugenlosen Belag.

Beim Thema Patientenzimmer im Krankenhaus scheiden sich die Geister. Einerseits haben Untersuchungen nachgewiesen, dass eine häusliche Atmosphäre im Krankenzimmer, gerade bei längerem Aufenthalt, die Heilung fördert. Kliniken sind deshalb zunehmend um die gehobene Ausstattung von Wahlpatientenzimmern bemüht.

So kommen auch hier Parkett oder Teppichboden ins Gespräch. Andererseits wird hier aber auch behandelt. Dr. Maren Boyens vom Gesundheitsamt Hamburg-Mitte steht dem Einsatz von textilen Belegen in Patientenbereichen "prinzipiell kritisch" gegenüber. "Wo regelmäßige Reinigung und Desinfektion nötig sind, sollten sie nicht verlegt werden", meint die Expertin für Infektionsprophylaxe.

Der Boden sollte auch nach Jahren noch gefallen

Für welches Material man sich auch entscheidet: Möglichst langlebig sollte es in jedem Fall sein. Bodenbeläge auszuwechseln bedeutet viel Aufwand und in einer Klinik unangenehme Einschränkungen fürs Personal und die Patienten. Die Expertin Leydecker weist darauf hin, dass Langlebigkeit nicht nur auf Qualität, sondern auch auf Optik abzielt:

"Wählen Sie im Zweifelsfalle nicht zu stylische Designs, sondern Farben und Muster, die Sie auch in ein paar Jahren noch sehen mögen. Eine Wand kann man schnell mal überstreichen, beim Boden geht das nicht so einfach."

Der vollständige Artikel in der aktuellen Ausgabe von ArztRaum Nr. 4_2010, ab Seite 6

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Boden definiert Raum"

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Werner Koch (9)

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