Ärzte Zeitung, 22.06.2011

Interview

"Die Täter hebeln fast immer Türen und Fenster auf"

Der mechanischen Sicherung fällt die entscheidende Rolle beim Einbruchschutz zu. Wo es in der Praxis am meisten hapert in Sachen Einbruchsprävention, erläutert Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Die Täter hebeln fast immer Türen und Fenster auf"

© privat

Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck

Aktuelle Position: Georg von Strünck, 49, leitet das Sachgebiet ‚Technische Prävention‘ der Zentralstelle für Prävention des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin. Er berät - auch vor Ort - mit seinem Team der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zu allen Fragen rund um die Sicherung, insbesondere zum Schutz vor Einbruch, zu Überfall- und Einbruchmeldeanlagen in Großobjekten, Museen, Verwaltungsgebäuden und auch Arztpraxen sowie MVZ. Architekten und Planungsbüros können sich bereits in der Bauplanungsphase an ihn wenden.

Werdegang: Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck ist seit 1981 als Kriminalpolizist und seit 2001 in der Prävention tätig. Er arbeitete zunächst in Anti-Gewalt-Projekten mit und übernahm später die Leitung der ‚Verhaltensorientierten Prävention‘ des LKA Berlin. Im Juli 2010 wurde er dann Leiter der ‚Technischen Prävention‘.

Ärzte Zeitung: Herr von Strünck, wie häufig werden Sie in der Beratungsstelle des Landeskriminalamts Berlin von Ärzten angesprochen, die ihre Praxis besser schützen wollen?

Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck: Das kommt relativ häufig vor, etwa dreimal im Monat. Allerdings führen wir keine separate Statistik zur Beratung in Gesundheitsbauten. Man kann uns auf drei Arten ansprechen: Wir beraten Ärzte telefonisch, sie kommen zu uns in die Beratungsstelle oder wir vereinbaren einen Termin vor Ort.

Ein Besuch in der Beratungsstelle ist ratsam, weil wir viele Exponate vorhalten, die wir demonstrieren können. Eine Beratung in der Arztpraxis ist sinnvoll, um eine Bestandsaufnahme vornehmen zu lassen und die individuellen Bedürfnisse zu klären - ein solcher Termin dauert etwa 1,5 Stunden.

Ärzte Zeitung: Wo befindet sich aus präventiver Sicht die Achillesferse eines Gebäudes respektive einer Praxis?

von Strünck: Es krankt an vielem, aber die mechanische Sicherung ist entscheidend. Die Täter hebeln fast immer Türen und Fenster auf. Ich muss also dafür sorgen, dass diese Bereiche gegen Hebelgewalt geschützt sind: etwa die klassische Altbau-Eingangstür in Berlin, die mit einer Stahlblech- oder Multiplex-Platte verstärkt werden sollte.

Will man beim Nachrüsten die Schönheit der Altbautür erhalten, empfiehlt es sich beispielsweise mit Stangenriegelschloss und Hintergreifhaken nachzurüsten - das sind Metallzapfen an der Bänderseite der Tür, die beim Schließen in Aussparungen der Zarge greifen. So kann ein Aushebeln des Türblattes aus der Zarge verhindert werden. Im Bereich von Schloss und Profilzylinder sollte ein gesicherter Schutzbeschlag nicht fehlen.

Ärzte Zeitung: Wer arbeitet Ihre ‚Mängellisten‘ ab, hilft bei der praktischen Umsetzung von Prävention?

von Strünck: Wir empfehlen beispielsweise einen Beschlag nach DIN - mit dieser Information, die den Kunden nach der Beratung schwarz auf weiß vorliegt, geht man zum Fachbetrieb. Die polizeilichen Beratungsstellen halten ein bundesweites System von Einrichterlisten vor.

Diese Firmen, die den Einbau von mechanischen Sicherungsmaßnahmen durchführen, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen und - belegbar - an Weiterbildungsveranstaltungen der Polizei teilnehmen.

Ärzte Zeitung: Ist es allein Mietersache, für den Einbruchschutz zu sorgen?

von Strünck: Es ist Sache des Mieters, wie er das Objekt übernimmt! Besteht Verhandlungsspielraum, dann sollte er seine Wünsche dem Vermieter mitteilen, der die Einbauten gegebenenfalls übernimmt und dann die Miete anpasst.

In jedem Fall sollte der Mieter vor Beauftragung der Einbauten den Vermieter informieren - auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Sicherungsmaßnahmen das Objekt aufwerten.

Ärzte Zeitung: Hat die Einführung der Praxisgebühr Ihrer Erfahrung nach vermehrt zu Einbrüchen oder sogar Überfällen geführt?

von Strünck: Es gab vereinzelt Überfälle nach Einführung der Praxisgebühr. Das war aber nur ein kurzer Trend, denn so viel Bares war in den Arztpraxen wohl doch nicht zu holen.

Ärzte Zeitung: Und wie sollte generell Bargeld in der Praxis aufbewahrt werden?

von Strünck: Man muss rundum denken, wenn man Bargeld im Haus hat: Wer hat alles Zugriff darauf, befindet es sich im Zugriffsbereich der Patienten, kann ich dafür sorgen, dass über Nacht keine größeren Geldmengen in der Praxis verbleiben? Ein Wertschutzschrank ist empfehlenswert, denn der verwahrt nicht nur sicher Bares, sondern auch Rezeptblöcke und Dokumente.

Entscheidend ist hier die Befestigung: Der Schrank muss im Mauerwerk fixiert sein, denn 200 Kilo-Schränke können durchaus als Diebesgut die Praxis verlassen.

Das Gespräch führte Sabine Henßen

Lesen Sie dazu auch:
So wird die Praxis zur Festung

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