Ärzte Zeitung, 11.08.2011

Prima Klima in der Praxis!

Frische Luft und angenehme Raumtemperaturen zu jeder Jahreszeit - dafür stehen moderne Lüftungs- und Klimatisierungsanlagen. Sie arbeiten energieeffizient, nutzen die Kraft der Sonnenstrahlen und filtern lästige Pollen aus der Luft.

Von Sabine Henßen

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Die Inneneinheit eines Raumklimagerätes als High-Wall-Ausführung.

© FGK

Der Sommer ist bisher eher kühl ausgefallen. Doch die Wahrnehmung von Wärme ist immer eine subjektive Angelegenheit. Während dem einen noch die Schweißperlen auf der Stirn stehen, zieht dem Nebenmann ein eiskalter Hauch in den Nacken, wenn frische Luft ins Wartezimmer gelassen wird.

Lüftungs- und Klima-Systeme

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sparen erheblich Energiekosten ein.

Bei größeren Anlagen: Frischluft kann im Sommer über 30 Grad warm sein und sollte gekühlt werden. Denn: Steigt die Temperatur über 24 Grad Celsius im Raum, lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Ab 26 Grad in Arbeitsräumen greift theoretisch das Arbeitsschutzgesetz.

Lüftungs- und Klimasysteme sollten individuell am Arbeitsplatz einstellbar sein.

Für Raumklimageräte fallen etwa 1300 Euro pro Raum an, die Energiekosten betragen rund ein bis zwei Euro pro Tag und Raum. Kosten für Klimaanlagen oder Lüftungssysteme sind individuell und hängen stark von den baulichen Gegebenheiten ab. Fachingenieure unterstützen Bauherren, den günstigsten Anbieter per Ausschreibung zu ermitteln.

www.ise.fraunhofer.de
www.mitsubishi-zensation.com
www.sonnenklima.de
www.fgk.de

Abseits dieses unangenehmen Nebeneffekts kann das gekippte Fenster laut Experten nicht allein für ausreichend frische Luft in der Arztpraxis sorgen.

Dabei fordern die Energieeinsparverordnung und auch die Arbeitsstättenrichtlinie, "dass der zum Zweck der Gesundheit notwendige Luftwechsel gewährleistet sein muss". Das bedeutet: "Im Wartezimmer etwa 30 Kubikmeter Frischluft pro anwesender Person und Stunde - keine kleine Luftmenge!", erklärt Dipl. Ing. Claus Händel, technischer Referent beim Fachverband Gebäude-Klima e.V. (FGK).

Der Experte für Klima- und Lüftungstechnik weiß: "Wer im Vorfeld zu viel auf niedrige Investitionen schaut, muss hinterher oft nachrüsten. Denn die vom Gesetzgeber geforderte Menge Frischluft erhält man nicht durchs Fensteröffnen nach dem Zufallsprinzip." Der CO2-Gehalt in Raumluft sei oft doppelt so hoch wie erlaubt.

Energieeffiziente Anlagen nutzen die Abwärme

Systeme, die für Frischluft ohne lästige Zugluft in der Praxis sorgen, arbeiten entweder zentral oder dezentral. Zentrale Systeme ohne Wärmerückgewinnung führen verbrauchte Luft über Ventilatoren dort ab, wo sie entsteht, und geben sie über ein - oft weit verzweigtes - Leitungsnetz ins Freie ab.

Die energieeffizienten Varianten arbeiten mit Wärmerückgewinnung: Sie nutzen die in der Abluft enthaltene Energie zur Erwärmung der kalten Frischluft. Steht der nachträgliche Einbau einer Lüftung ins Haus, so sind dezentrale Systeme zu empfehlen. Sie kommen ohne ein weit verzweigtes Rohrleitungssystem aus.

Je nach Bedarf können damit einzelne Räume, etwa das Wartezimmer, belüftet werden - aber auch lüftungstechnisch anspruchsvolle Bereiche, zum Beispiel Sanitärräume, wo viel Feuchtigkeit entsteht. Meist kommen Einzel-Lüfter zum Einsatz, die an der Außenwand neben dem Fenster montiert werden. Die Wärmerückgewinnung gehört bei dezentralen Systemen heute zum Standard.

Klimaanlagen sind heute Multitalente

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© Mone Beck

Während Lüftungsanlagen nur die angesaugte Außenluft erwärmen, können Klimaanlagen viel mehr: sie erwärmen oder kühlen, filtern Feinstaub und Pollen heraus, entfeuchten die Luft im Sommer. Im Winter befeuchten sie die sonst als zu trocken empfundene Luft und sorgen so stets für ein angenehmes Raumklima.

Für kleinere Praxen (bis zu acht Räume) ist meist ein Raumklimagerät das System der Wahl: Eine Außeneinheit arbeitet mit mehreren Inneneinheiten zusammen, sogenannten Highwall-Geräten, die dezent über Türen hängen.

Wer besonders großen Wert auf die Optik legt, wird auch fündig: Die Jury des iF design awards hat jüngst das Raumklimagerät ‚Kirigamine Zen‘ von Mitsubishi Electric mit dem Designpreis 2011 ausgezeichnet. Die Produkte gibt es in Weiß, Schwarz oder Silber.

Sie werden durch ihre geringe Tiefe von 195 Millimetern und das puristische Design kaum als Klimagerät wahrgenommen. Mit der Energieeffizienzklasse A und einem Schalldruckpegel von 21 Dezibel (dB) - zum Vergleich: ein in normaler Lautstärke sprechender Mensch erzeugt einen Schalldruckpegel von 40 bis 60 dB - erfüllen sie die aktuellen Standards.

Ein Wochentimer speichert das persönliche Wunschklima für jede Tages- und Nachtzeit und sorgt so für einen energiesparenden Betrieb. Ab August liefert Mitsubishi Electric Außengeräte aus, an die bis zu acht Inneneinheiten angeschlossen werden können.

Umfasst die Praxis mehrere hundert Quadratmeter, empfehlen Experten VRF-Systeme. Diese Klimaanlagen arbeiten besonders energieeffizient, weil die Wärme- bzw. Kälteenergie erst dort freigesetzt wird, wo sie auch benötigt wird. Die Geräte können als Wärmepumpe im monovalenten Betrieb arbeiten und sind dann die einzige Wärmequelle.

Das bedeutet, eine klassische Heizung ist nicht mehr notwendig. Zusätzlich ist es mit diesen Geräten möglich, etwa einen Raum mit hohen Wärmelasten zu kühlen und mit dieser Abwärme einen anderen Raum zu heizen.

"Eine Heizkostenersparnis, vor allem in Neubauten oder gut gedämmten Bauten, von bis zu 30 Prozent ist so durchaus realistisch. Und im Sommer sorgt das System für eine angenehme Kühlung", erklärt FGK-Referent Händel.

Berliner Radiologen kühlen mit Sonnenenergie

Kühlen lässt sich auch mit der Sonne: In der Berliner Radiologischen Praxis Bundesallee wird Kälteleistung teilweise durch Solarenergie bereitgestellt. "Die Leiterin der Technologietransferstelle der TU Berlin hat uns anlässlich unseres Umzuges inspiriert, diese zukunftsweisende Technik in der neuen Praxis zu installieren", berichtet Dr. Margit Reichel, Fachärztin für Radiologie.

Die Beratung und Realisierung der Anlage erfolgte durch die Firma AbKM Klimatechnik. Projektleiter und Ingenieur Volker Clauß erklärt die Wirkungsweise der Absorptionskältemaschine: "Die Solaranlage treibt die Kältemaschine an, die wiederum Kälte zur Klimatisierung produziert.

Wir verdampfen Wasser, so entsteht ein Kälteeffekt." Im Winter werden niedrige Außentemperaturen zur Kühlung mit genutzt.

Zwar hat die Anlage, die von zehn Sonnenkollektoren mit Energie versorgt wird, eine Kälteleistung von zehn Kilowatt, doch der Bedarf ist höher, so wird auch konventioneller Strom genutzt: "In unserer Großgerätepraxis mit einem Computertomografen und einem Kernspintomografen sind die Kältelasten sehr hoch.

Es laufen zwei Kühlsysteme parallel - ein solares und ein konventionelles. Mithilfe der solarthermischen Kühlung können wir aber etwa 15 Prozent des Stromverbrauchs abdecken, dadurch die Kühlkosten um circa 1300 Euro pro Jahr reduzieren - und so eine CO2 Einsparung von drei Tonnen im Jahr erreichen!", berichtet Reichel.

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Lüftungs- und Klimatechnik sind immer noch Stiefkind der Planer"

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