Wir in der Praxis, 21.04.2009

Diäten: Die Auswahl ist groß

Eine Diät muss zu den persönlichen Bedürfnissen passen. Abspeck-Konzepte gibt es auf jeden Fall genug. Wir stellen die aktuellsten vor.

Diäten: Die Auswahl ist groß

Fettsparen oder "Low Fat" gilt als das einfachste Rezept, um Pfunde von den Hüften zu schmelzen. Mit mehr als 100 Gramm Fett pro Tag ernährt sich der Deutsche Durchschnittsbürger eindeutig zu fettlastig. Wer seinen Fettverzehr auf 60 Gramm pro Tag beschränkt, vermindert die Energieaufnahme um etwa 300 bis 500 kcal (pro Tag) und kann eine Gewichtsabnahme von durchschnittlich 3,5 bis 4,3 Kilogramm in sechs Monaten erzielen. Die Kohlenhydratzufuhr kann beliebig angepasst werden. Berücksichtigt man die in vielen Lebensmitteln versteckten Fette, lassen sich Low-Fat-Diät-Modelle einfach in die Praxis umsetzten. Weil sie zudem auf einen hohen Anteil an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten setzen, gehört sie zu den relativ ausgewogenen Diäten. Bekannte Beispiele sind das Programm der Weight-Watchers (www.weightwatchers.de) oder das EU-Fettpunkt-Konzept "Fett weg, Bauch weg" (www.propatient.info).

Mäßig energiereduzierte Mischkost stuft die Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft als "Goldstandard der Adipositastherapie" ein. Sie verbindet moderaten Eiweißkonsum mit Fettsparen und der Zufuhr von komplexen Kohlenhydraten mit niedrigem bis mittlerem Glykämischen Index (GI). Der GI ist ein Maß dafür, wie schnell nach dem Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln der Blutzucker- und damit auch der Insulinspiegel ansteigen. Wer mit diesen Diäten nicht mehr als insgesamt 1200 bis 1500 kcal pro Tag zu sich nimmt, kann damit bis zu einem Kilogramm pro Woche über einen Zeitraum von zwölf bis 24 Wochen abspecken. Und das mit Genuss und ohne das Risiko von Mangelerscheinungen. Klassisches Beispiel energiereduzierter Mischkost ist die Brigitte-Diät, die jedes Jahr neue Rezeptkuren mit ausgewogenem Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettgehalt herausbringt. Auch das von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entwickelte, evaluierte Konzept "Ich nehme ab" hilft beim Abspecken.

Formula-Diäten sind ein Sammelbegriff für Produkte, die bei Übergewicht zeitweise als Ersatzmahlzeit oder als vollständige Tagesration verzehrt werden. Die Nährstoffzusammensetzung der stark kalorienreduzierten Riegel und Pulver wird von der EU gesetzlich vorgegeben. Während einer Therapie ersetzt man zwei Hauptmahlzeiten durch ein Formulaprodukt mit einer Gesamtenergiemenge von 200 kcal pro Portion. Mit der "normalen" dritten Mahlzeit nimmt man circa 600 kcal zu sich. Aufgrund der stark reduzierten Gesamtkalorienzufuhr purzeln die Pfunde relativ schnell. Dauerhaft stabilisieren lässt sich der Gewichtsverlust aber nur, wenn auch nach der Diät eine Hauptmahlzeit durch ein Formulaprodukt ersetzt wird.

Reine Formula-Diäten stellen die Ernährung für begrenzte Zeit komplett auf Formulaprodukte und reichlich Flüssigkeit (2,5 l/d) um. Spätestens nach zwölf Wochen Diät sollte auf eine mäßig hypokalorische Mischkost zur Gewichtserhaltung umgestellt werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Schwindel, Konzentrationsstörungen und in sehr seltenen Fällen auch Nierenversagen oder Herzrhythmusstörungen ist eine Überwachung der Kur durch einen Spezialisten ratsam.

Weniger Kohlenhydrate oder "Low Carb" nimmt den Kohlenhydratanteil der täglichen Nahrung ins Visier. Low Carb basiert auf der Vorstellung, dass der Körper mehr Fett verbrennt, wenn er wenig Kohlenhydrate, dafür aber reichlich Eiweiß- und Fett zugeführt bekommt. Nach der Atkins-Diät etwa darf man zum Abnehmen wenige bis gar keine Kohlenhydrate zu sich nehmen. Um den Körper in die "Fettverbrennung zu zwingen", stehen neben Gemüse vor allem eiweiß- und fettreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Eier auf dem Speiseplan. Vitamin- und Mineralstoffdefizite werden über Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen. Fachleute halten die Atkins-Diät für extrem einseitig. Der hohe Anteil an tierischem Eiweiß und Fett begünstigt Arteriosklerose und Nierensteine.

Glyx-Diäten setzen auf Lebensmittel mit niedrigem GI. Sie sollen die Blutglukose weniger schnell ansteigen lassen und zusammen mit der verringerten Insulinantwort für ein besseres Sättigungsgefühl sorgen. Deshalb setzen Glyx-Diäten kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit niedrigem GI wie bestimmte Obstsorten, Gemüse oder Vollkornprodukte verstärkt auf den Speisenplan. Experten halten die Glyx-Konzepte allerdings für fragwürdig.

Nulldiäten wie das Fasten nach Buchinger erzielen mit erlaubten täglichen 150 bis 300 kcal eine schnelle Gewichtsreduktion. Eine dauerhafte Ernährungsumstellung stellt sich allerdings erst ein, wenn man die Nulldiät mit einer Ernährungsschulung sowie Bewegungs- und Stressbewältigungsstrategien kombiniert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »