Wir in der Praxis, 21.04.2009

Fit in den Frühling

Während die Natur im Frühling langsam wieder zum Leben erwacht, fühlen sich viele Menschen schlapp und ausgelaugt. Wir verraten, mit welchen Rezepten man der Frühjahrsmüdigkeit zu Leibe rückt.

Von Stefanie Fastnacht

Fit in den Frühling

Jeder zweite Deutsche wird zwischen März und Mai von Frühjahrsmüdigkeit geplagt - so die Schätzung der Fachleute.

Foto: Mirko Raatz©www.fotolia.de

Jeder zweite Deutsche wird in der Zeit zwischen März und Mai von der Frühjahrsmüdigkeit geplagt, schätzen Fachleute. Wie der Name schon andeutet, macht den Betroffenen - trotz ausreichender Schlafdauer - bleierne Müdigkeit zu schaffen. Dazu gesellen sich Antriebslosigkeit, Schwindel und Kreislaufschwäche oder Gereiztheit. Herz-Kreislauf-Kranke und Menschen mit Atemwegsproblemen oder Depressionen leiden besonders.

Was also tun, um die Müdigkeit in den Griff zu bekommen? "Bewegen statt jammern" heißt die Devise. Und zwar nicht erst, wenn der Frühling bereits vor der Tür steht, sondern am besten ganzjährig. Daneben gibt es aber noch weitere Methoden, um den Körper Frühjahrs-fit zu machen. Nämlich:

Schüßlersalze, Heilfasten und Kneippsche Güsse

Biochemie (gr. bios = Leben, chemie = Wissenschaft der Elemente) ist ein Begriff, den der Oldenburger Arzt und Homöopath Dr. Wilhelm Schüßler wählte, um eine von ihm entdeckte Heilmethode zu beschreiben. Sie basiert auf der Annahme, dass Erkrankungen auf einen Mangel an bestimmten Mineralstoffen im Körper zurückzuführen und durch systematische Zufuhr dieser Stoffe heilbar sind. Die von ihm entdeckten und verwendeten zwölf Mineralsalze bezeichnete Schüßler als Funktionsmittel. Fehlt dem Körper eines dieser Salze, gerät er Schüßlers Theorie zufolge aus dem Gleichgewicht und reagiert mit Fehlregulationen und Beschwerden.

Schüßlersalze sollen die im Körper vorhandenen Mineralstoffe aktivieren und einen normalisierenden Einfluss auf die Bilanz des jeweiligen Stoffes haben. Um Wirkungen zu erzielen, verabreicht Schüßler seine Salze in potenzierter Form. Dahinter steckt die Überlegung, dass durch die Potenzierung einer Substanz ihre biologische Verfügbarkeit im Zielorgan verändert und so eine bessere Wirkung erzielt wird.

Während Schüßler zu seinen Lebzeiten mit zuletzt elf Salzen als Arzneischatz auskam, fügten seine Anhänger Anfang des 20. Jahrhunderts den elf Basissalzen weitere zwölf Ergänzungsmittel hinzu.

Für eine Frühjahrskur eignen sich zum Beispiel die biochemischen Hauptmittel Ferrum phosphoricum D12 Nr. 3, Kalium sulfuricum D6 Nr. 6, Natrium phosphoricum D6 Nr. 9 und Natrium sulfuricum D6 Nr. 10. Dazu lässt man über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen jeden Tag im Wechsel drei bis sechs Tabletten je eines Salzes im Mund zergehen.

Ferrum phosphoricum D12 ist das klassische Entzündungsmittel in der Biochemie. Nach Schüßler verbessert es das Allgemeinbefinden und fördert die Bindung von Sauerstoffmolekülen an die roten Blutkörperchen.

Kalium sulfuricum D6 ist neben Ferrum phosphoricum für die Übertragung von Sauerstoff zuständig. Außerdem unterstützt der Mineralstoff die Entgiftungsleistung der Leber und ist an der Pigmentierung der Oberhaut beteiligt.

Natrium phosphoricum D6 reguliert den Säurehaushalt und den Fettstoffwechsel. Natrium sulfuricum D6 ist der biochemische Funktionsstoff der Leber und unterstützt die Tätigkeit des Dickdarms.

Fastenkuren dienen nach alter christlicher Tradition der Reinigung der Seele und der Buße für begangene Sünden. Die Naturheilkunde nutzt Frühjahrsfastenkuren als Mittel zur "Entschlackung", zur Stärkung der Abwehrkräfte sowie als Impuls für eine Ernährungsumstellung. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. (ÄGHE) hat Leitlinien zur Fastentherapie entwickelt. Darin wird gesunden Menschen für die erste Fastenerfahrung ein achttägiges, fachlich betreutes Fastenprogramm vorgeschlagen, das aus einem Entlastungstag, fünf Fastentagen sowie zwei Aufbautagen besteht. Anerkannte Fastenmethoden sind zum Beispiel das Heilfasten nach Buchinger. Die vom deutschen Arzt Otto Buchinger entwickelte Methode wird in der Regel stationär unter der Aufsicht eines Arztes durchgeführt. Neben täglich 150 bis 300 kcal in Form von Obstsäften und Gemüsebrühe beinhaltet das Konzept Ernährungsschulungen, Bewegungs- und Stressbewältigungsstrategien.

Der "Wasserdoktor" Sebastian Kneipp empfiehlt zur Durchblutungsförderung und Kreislaufanregung kalt-warme Wassergüsse. Mit seiner Reiz-, Reaktions- und Regulationstherapie wollte er tiefer liegende Organe erreichen, um die Körperfunktionen zu verbessern und Umstellungsprozesse zu erleichtern. Und so wird es gemacht: Während der morgendlichen Dusche den Duschkopf mit dem Wasserstrahl über Arme und Beine zum Herzen hin bewegen. Abwechselnd warm und kalt je etwa fünf Mal abbrausen. Wem das zu unangenehm ist, der kann statt thermischer auch mechanische Reize setzen und den Körper mit einer trockenen Sisalbürste morgendlich bürsten.

Mit Pflanzenkraft gegen das Tief

Die Volksmedizin bedient sich frischer Pflanzen und verschiedener Teedrogen, um der Frühjahrsmüdigkeit Herr zu werden. Birkenblätter, Löwenzahnwurzel mit Kraut und Brennnesselkraut in Form von Frischpflanzenpresssäften oder als Teemischung verabreicht, sollen die Ausscheidungstätigkeit der Nieren unterstützen und die Verdauung sowie den Leber- und Gallenstoffwechsel anregen. Ein weiterer Pluspunkt solcher Kuren ist, dass die verstärkte Flüssigkeitszufuhr die Harnwege durchspült und Harnsteinen und Infekten vorbeugt. Die Teedrogen werden einzeln oder als Mischung über einen Zeitraum von etwa vier bis sechs Wochen getrunken. Auch Frischpflanzenpresssäfte - am besten mit Wasser verdünnt - nimmt man kurweise zu sich.

Reichlich frisches Obst und Gemüse sind ein Muss für Frühlingsmüde. Rund drei tägliche Portionen (400 g) Gemüse in Form von knackig frischen Salaten, Kohlrabi oder Radieschen dürfen auf keinem Teller fehlen. Zarte, frische Kräuter wie Petersilie und Schnittlauch peppen Gerichte geschmacklich auf und liefern wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Auch zwei Portionen frisches Obst (250 g/d) gehören dazu. Berufstätige oder Menschen, die keine Zeit und Lust zum Kochen haben, können je eine Portion Obst und Gemüse durch maximal ein Glas Frucht- oder Gemüsesaft ersetzen.

Kein Frühjahrs-, sondern oft ein ganzjähriges Problem ist die Versorgung mit Calcium, Eisen, Jod, Vitamin D sowie B-Vitaminen. Hier können auch entsprechende Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

DAS SAGT DIE WISSENSCHAFT

Mögliche Ursachen für das saisonal auftretende "Gähn-Phänomen"

Auch der Mensch unterliegt biologischen Zeitprogrammen (zirkadianen Rhythmen), die die Stoffwechselabläufe steuern. Jahreszeitlich bedingte Veränderungen dieser Rhythmen und daraus resultierende Umstellungen oder Missverhältnisse im Hormonhaushalt halten Fachleute für eine der Ursachen von Frühjahrsmüdigkeit. Neben hormonellen Anpassungen werden auch klimatische Umstellungen für die Frühjahrsmüdigkeit verantwortlich gemacht.

Steigende Außentemperaturen führen dazu, dass sich die Blutgefäße weiten und der Blutdruck sinkt. Das verursacht Müdigkeit. Winterliche Ernährungssünden fordern ebenfalls im Frühjahr ihren Tribut. Steht im Winter zu wenig frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan, kann es dem Organismus im Frühling an Vitaminen wie z.B. den B-Vitaminen mangeln.

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