Wir in der Praxis, 21.04.2009

Im Märchenland der Tuffsteinfelsen

Fernab von All-inclusive-Hotels bietet Kappadokien seinen Besuchern eine bizarre Landschaft: Von Vulkanen geformte Skulpturen und Felstürme laden dazu ein, die Fantasie schweifen zu lassen.

Von Rainer Heubeck

Im Laufe von etwa drei Millionen Jahren entstanden diese bis zu 30 Meter hohen Skulpturen.

Foto: Rainer Heubeck

Alanya, Antalya und Side - die türkische Riviera und die lykische Küste gehören zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Doch nicht alle Besucher interessieren sich ausschließlich für Sonne und Strand. Die Lösung: ein Ausflug nach Kappadokien, einer bizarren, von Vulkanen geprägten Landschaft im zentralanatolischen Hochland, die seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Imposante "Feenschornsteine" aus vulkanischem Tuffstein

Rund um die Orte Göreme und Ürgüp finden sich außergewöhnliche Skulpturen und spektakuläre Felstürme, die zum Teil bewohnt sind. Im Türkischen werden diese beeindruckenden Gebilde aus vulkanischem Tuffstein auch "Feenschornsteine" genannt. Die Assoziation verwundert nicht, denn die Landschaft voll faszinierender Formen und Farben, hat durch das Spiel aus Licht und Schatten etwas Märchenhaftes.

Zumindest aber hinterlässt das von Vulkanen geformte zentralanatolische Hochland einen unwirklichen Eindruck. Es ist ein geschichtsträchtiges Stück Türkei mit Steinhöhlen, Felsenkirchen, unterirdischen Städten, steinernen Wäldern und bizarren Formen, das unendlich weit entfernt scheint von Hotelburgen und All-inclusive-Anlagen - und doch erreicht man es von Antalya in rund neun Stunden. Schon die Anreise mit dem Bus entführt den Besucher in eine andere Welt: hinauf ins stattliche Taurusgebirge, entlang der historischen Seidenstraße über Konya, die Stadt der tanzenden Derwische, weiter Richtung Osten. Immer wieder finden sich alte Karawanenstationen am Wegesrand - zum Teil sind sie restauriert, auch wenn der LKW die Kamele längst verdrängt hat.

Östlich von Konya wirkt die flache Landschaft auf den ersten Blick monoton. Erst nach etlichen Kilometern wandelt sich das Bild. Von mächtigen Vulkanen, wie dem 3916 Meter hohen Erciyes, umgeben, ähnelt Kappadokien einer bizarren Mondlandschaft. Der Bauherr: Vulkane, die vor etwa drei Millionen Jahren die gesamte Nevsehir-Hochebene mit Tuffschichten überzogen haben, die im Laufe der Zeit von Wind und Wasser geformt wurden. Dabei entstanden bizarre Formationen, wie die bis zu dreißig Meter hohen Kamine, Kegel und Pyramiden. In einigen Tälern stehen Hunderte dieser Skulpturen. Manche muten an wie riesige Pilze, andere wie ein liegendes Kamel. Je nach Grundfarbe des Tuffs und der Lichtverhältnisse schimmert die Umgebung in den unterschiedlichsten Farben - manchmal Gelb, andernorts Ocker, Graugrün, Rot oder Weiß.

In Felsen gemeißelte Kirchen und unterirdische Städte

Kappadokien regt dazu an, die Fantasie schweifen zu lassen. Rundfahrten, Wandertouren und Ballonfahrten gehören zu den häufigsten Aktivitäten vor Ort. Besucher sollten mindestens drei Tage einplanen, denn es gibt viel zu sehen: Circa 150 bis 200 unterirdische Städte bietet die Region. Bis zu acht Stockwerke tief haben sich ihre früheren Bewohner in den Boden gegraben, und dabei ein raffiniertes Belüftungs- und Bewässerungssystem angelegt. Ein Besuch einer dieser Städte gehört zum Pflichtprogramm.

Kappadokien war aber auch ein Siedlungsgebiet der ersten Christen. Sie, und später die Byzantiner, haben Hunderte Kirchen in die Felsen gemeißelt. Die meisten sind rund 800 bis 1000 Jahre alt und stammen aus der Zeit des Byzantinischen Reiches. Besonders berühmt: die mit Fresken verzierten Kapellen rund um Göreme. Das wohl markanteste Gebäude Kappadokiens ist aber der weithin sichtbare Burgberg von Uçhisar - ein ausgehöhlter Felsen mit zahlreichen Wohnhöhlen. Von seiner Spitze bietet sich ein spektakulärer Rundblick.

Kappadokien

Auskunft: Türkisches Fremdenverkehrsamt, Baseler Str. 35-37, 60329 Frankfurt/Main, E-Mail: info@reiseland-tuerkei-info.de Internet: www.reiseland-tuerkei-info.de

Anreise: Von Istanbul oder Antalya fahren täglich Fernbusse. Reisebüros in türkischen Touristenzentren bieten organisierte Touren nach Kappadokien an.

Reisezeit: Beste Zeit ist im Frühling, Spätsommer und Herbst mit angenehmen Temperaturen und schönem Licht.

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