Wir in der Praxis, 21.04.2009

DER IGEL-TIPP DES TAGES

Mit Beratung und Schulung punkten

Beim Abnehmen und Diäthalten kann das Praxisteam Patienten helfen, über zwei Wege: Generell kann die Praxis eine Ernährungsberatung anbieten - und die richtet sich nicht nur an Patienten mit Übergewicht. Zusätzlich wäre eine spezielle Diät-Beratung möglich.

In beiden Fällen handelt es sich - soweit nicht eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt - um IGeL. Und die werden nach GOÄ abgerechnet.

Für die Ernährungsberatung kann nach GOÄ die Erörterung nach Nr. 3 (mind. 10 Minuten) berechnet werden. Bei regelmäßigen Schulungen kann für Einzelschulung auch die Nr. 33 (Strukturierte Schulung einer Einzelperson) abgerechnet werden. Da sich der Leistungsinhalt der Nr. 33 auf Diabetes bezieht und nicht die allgemeine Ernährungsberatung umfasst, ist die Ziffer nach Paragraf 6 GOÄ bei Bedarf analog abzurechnen. Für Gruppenberatungen kann die Nr. 20 GOÄ (je Teilnehmer und Sitzung) berechnet werden.

Für die Diät-Beratung gilt im Grunde dasselbe. Dabei kann die Diätberatung ohne Vorliegen einer Erkrankung auch mit der Nr. 34 GOÄ (Erörterung der Auswirkung einer Krankheit, mindestens 20 Minuten) analog abgerechnet werden. (reh)

Damit der Abspeck-IGeL wirkt

Meist sind Medizinische Fachangestellte (MFA) im Gespräch näher am Patienten als der Arzt. Sie verfallen seltener in die medizinische Fachsprache. Trotzdem ist besonders bei der Diätberatung wichtig, dass sich eine MFA so ausdrückt, dass der Patient sie auch versteht, erklärt der Ernährungsexperte Professor Dr. Hermann Liebermeister.

Bereits im Sommer 2008 hat Liebermeister, der auch Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Verbands der Privatärztlichen VerrechnungsStellen ist, gemeinsam mit anderen führenden Ernährungsexperten das Konsensuspapier "Ernährung 2008" veröffentlicht. Dort belegen die Autoren anhand wissenschaftlicher Studien, dass noch etwas wichtig ist: Eine Reduzierung von Kohlenhydraten alleine reicht nicht, dem Körper sollten zusätzlich Eiweiße zugeführt werden. So würde man heute durchaus empfehlen, etwa 15 bis 20 Prozent der Kalorienzufuhr über Eiweiße abzudecken, sagt Liebermeister. Dann mache das Abnehmen zum einen mehr Spaß - denn man könne zum Salat Käse, Eier oder sogar ein Steak essen - und das Hungergefühl lasse sich besser in den Griff bekommen. "Eiweiß dämpft den Appetit nachweislich länger als Kohlenhydrate", so Liebermeister.

Die Empfehlung gelte jedoch nicht für Diabetiker und andere Patienten mit geschädigten Nieren bzw. bedenklichen Nierenwerten.

Wichtig sei aber auch, den Patienten bei der Diät die Freiheit zu lassen, so abzuspecken, wie es ihnen schmeckt. Zu strikte Regeln bringen also nichts. (reh)

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