Leserkommentare [20050]

[24.03.2019, 19:27:43]
Dr.med. Claus Kühnert 
Kritischer Kommentar zum Aufreger der Woche - TSVG 
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
nachdem Gesundheitsminister Spahn bei seinem visionären Streben nach der Kanzlerschaft kein Fettnäpfchen oder Stolperstein auslässt um zu beweisen, dass er und seine Fachberater über erschreckende fachlich und sachliche Mängel verfügen, sollte man unbedingt auf kausale Grundlagen verweisen.
Das ursprüngliche 'Palaver' begann m.E. mit dem Thema der Vergabe von Facharztterminen und der sog. Auslastung der Sprechstundenzeiten (ggf. auch der zeitlichen Aufstockung "für mehr Geld"). An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich diesbezüglich kein absoluter Allrounder bin, obwohl ich mich jetzt als Ruheständler (mehrfacher FA) Fachgebiet übergreifend seit > 20 Jahren mit der 'Selbstbespiegelung' der Ärzteschaft sowie dem Sinn und Unsinn zur Klärung von Arzthaftungsproblemen befasse. Letztere sind ein grundsätzliches Problem der Justiz (Anwälte mit, Richter ohne Fortbildungspflichten)geworden.
Aus gutachterlicher Sicht geht es immer um die Fragen der Kausalitäten.
Damit komme ich zurück zu Herrn Spahn und seinen frustranen Bemühungen, der Ärzteschaft zu zeigen wo es lang geht.
Ein gravierender defizitärer Denkfehler ist die Vernachlässigung bzw. das Fehlen der Grundlagen und Pflichten des "Behandlungsvertrages"! - s. BGB § 630a - 630h; ebenso nachlesbar in der AWMF-Leitlinie zur medizinischen Begutachtung.
Der Patient + der Arzt (das Krankenhaus)gehen einen solchen Vertrag ein, wobei der Arzt den Behandlungsauftrag erhält und annimmt. Das Prozedere besteht 'lediglich' im Einscannen der Versicherungskarte (natürlich noch keine elektronische, dass macht Herr Minister später!).
Der Behandlungsauftrag beinhaltet aber gravierende Pflichten, wie z.B.:
- SORGFALTSPFLICHT, AUFKLÄRUNGSPFLICHT, UNTERSUCHUNGSPFLICHT, "ORGANISATIONSPFLICHT" und DOKUMENTATIONSPFLICHT.

Jetzt wird es allerdings kritisch und die Kollegenschaft wird mich steinigen wollen, da ich damit unterstelle, dass die spezifizierte Facharztüberweisung bereits in den Aufgabenbereich des Erstbehandlers (Hausarzt) vertragsgemäß gehört! Ich sehe darin keine Mehrbelastung, sondern die Möglichkeit weniger und damit stringente Überweisungen zum Facharzt zu tätigen. Das ist Vertragsarbeit, die sicherlich einer grundlegenden Organisationsform bedarf. Zum Beispiel allgemeinverbindliche Tageszeiten (oder eine Hotline)zur ausschließlichen Nutzung zwischen Haus - und Fachärzten! Zweifelsfrei wäre dafür ein angemessenes Stundenhonorar für beide Seiten über die KV (z.B.)zu vereinbaren ABER ohne zusätzlichen "Verwaltungs-Schick-Schnack".
Es muss doch auch einmal vernünftige und vertrauensvolle Regelungen geben OHNE die 'teutsche' Gründlichkeit.
Über die weiteren 'Verbesserungen' des TSVG kann/sollte der Bundestag angemessen beraten und nicht wieder nur "durchwinken".

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. med. univ. Claus Kühnert






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[23.03.2019, 22:10:58]
Dr. Christa Giese 
Es war doch noch nie anders 
Die ganzen Verhandlungen der KV ist doch schon immer der Geweinn der einen Gruppe ist der Verlust der anderen.
um wieviel ist unsere Vergütung gestiegen? Was hat die ITBranche an Zuwachs durch dieses hin- und herschieben? Und wie sieht es mit dem Anteil der Pharma an den gesamten Kosten aus? zum Beitrag »
[22.03.2019, 17:48:35]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Unseriöser Medienumgang der Uniklinik Heidelberg mit Irreführung Betroffener! 
Bereits am 22.02.2019 habe ich zu dieser kaum verifizierbaren, offensichtlich manipulierten PR-Meldung der Universität Heidelberg über einem angeblich zuverlässigen Bluttest auf Brustkrebs geschrieben:

"Unseriöse Pressemitteilung!
Diese Pressemitteilung ist unserös:

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Pressemitteilungen.136514.0.html
"Aktuelle Ergebnisse zeigen bei den 500 Brustkrebspatientinnen insgesamt eine Sensitivität von 75 Prozent. Altersabhängige Unterschiede konnten gefunden werden. Hier zeigt sich bei den unter 50‑jährigen eine Sensitivität von 86 Prozent bzw. bei den über 50-jährigen von 60 Prozent."

Denn systematisch wurden Spezifitätsangaben weggelassen:

Die Sensitivität eines diagnostischen Testverfahrens gibt an, bei welchem Prozentsatz erkrankter Patienten die jeweilige Krankheit durch die Anwendung des Tests tatsächlich erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt.

Die Spezifität eines diagnostischen Testverfahrens gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden.

Nach den vorliegenden lückenhaften Rohdaten wurden altersabhängig die Brustkrebs-Erkrankungen in 14 bis 40 Prozent nicht erkannt (im Durchschnitt in 25 Prozent). "

Trotzdem haben nahezu alle Print- und elektronischen Medien diese Schummelgeschichte begierig aufgenommen und zum Schaden der möglicherweise betroffenen Brustkrebs-Patientinnen kolportiert.

Wenn jetzt auch noch Projektleiter Christof Sohn im Gespräch mit der „Rhein-Neckar-Zeitung“ die Falsch-Positiv-Rate mit 30 Prozent beziffert, ist der PR-Skandal perfekt: Die Protagonisten sind auch noch an der Projekt-Firma finanziell beteiligt?

Was für eine wissenschaftliche Irreführung ("scientific misconduct")

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[22.03.2019, 16:35:02]
Dr. Wolfgang Hirsch 
Pille danach 
Wir sind schon der Meinung und unsere Erfahrung ist, dass die Freigabe der Pille danach inn Ordnung ist und keine
negativen Auswirkungen auf die Frauengesundheit hat, bevorzugen aber trotzdem wegen möglicher Nebenwirkungen eine hormonfreie Notfallverhütung durch die Einlage einer hormonfreien Spirale.
https://www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de zum Beitrag »
[22.03.2019, 13:57:52]
Dr. Erhard Eberl 
Linke Tasche - rechte Tasche 
Heute schrieb mir die KV Niedersachsen: Durch die extrabudgetäre Vergütung dieser Leistungen ist "eine Bereinigung der Gesamtvergütung" notwendig. "Das bedeutet dass die RLV/QZV entsprechend bereinigt werden müssen." Im Klartext: die RLV und QZV gehen in den Keller.

Und zum 1. 1. kommen die "Kodierrichtlinien". Also entweder viel bürokratische Mehrarbeit für den Arzt oder einen Medizinischen Dokumentar dafür einstellen, was den Erlös der Arztpraxis weiter schmälert.

Nur gut, dass ich in diesem Jahr meinen 70sten Geburtstag feiern kann.

MfukG
Dr. E. Eberl

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[21.03.2019, 17:31:41]
Dr. Wolfgang Knüll 
In 30 Jahren... 
...Praxis hatte ich 5 Fälle. Das scheint nicht soviel. Man rechne das aber hoch auf alle Allgemeinärzte und die Spezialistenpraxen. Da kommt eine Menge zusammen,wohl ein paar hunderttausend Schicksale, und jedes Ereignis ist lebensbestimmend und unumkehrbar. Cannabis-Freigabe?- Nur für Phantasten eine Möglichkeit. zum Beitrag »
[21.03.2019, 14:18:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Alle Jahre wieder"? - Mogel-Etat des Bundesgesundheitsministeriums! 
Der Haushalts-Etat 2020 des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ist mit seinem Volumen von 15,316 Milliarden Euro erneut eine Lachnummer.

Für das Ressort von Jens Spahn (CDU) sind Ausgaben von 15,316 Milliarden Euro vorgesehen, was mit einem Zuwachs von knapp elf Millionen Euro 0,1 Prozent mehr bedeutet.

Davon macht aber allein der Bundeszuschuss an die Gesetzliche Krankenversicherung für deren 'versicherungsfremde' Leistungen 2020 14,5 Milliarden Euro aus.

Im Ressort des BMG geht es schwerpunktmäßig um Krankheit, von den Auslösern bis zu den palliativen Folgen, um Krankheits-Bewältigung und -Stabilisierung, um Teilhabe-Verbesserungen für unsere Patientinnen und Patienten, ebenso wie um Gesunderhaltung, Gesundheitsziele und Prävention.

Dafür bleiben gerade mal 816 Millionen € als operativer Etat des Bundesgesundheitsministeriums für 2020 übrig. Für 2019 sah der BMG-Haushaltsentwurf 770 Millionen Euro vor.

Von 816 Millionen € für 2020 müssen erst mal Ministeriums-Personal inclusive Minister und Logistik bezahlt werden. Bei 82 Millionen Einwohnern in Deutschland sind die "Krankheit" und die "Gesundheit" nur 9,95 € pro Einwohner und Jahr wert. Das entspricht 2,7 Cent pro Einwohner und Tag für alle Gesundheits- und Krankheits-Probleme, die ein Bundesgesundheitsministerium sicherstellen und bewältigen will?

Da kann ich nur lachen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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[21.03.2019, 11:19:58]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Publish or Perish" vs. Ludwig Wittgensteins "Tractatus logico-philosophicus" 
"Sedentary Behaviors, TV Viewing Time, and Risk of Young-Onset Colorectal Cancer" von Long H Nguyen et al.
https://academic.oup.com/jncics/article/2/4/pky073/5301781
ist eine Musterbeispiel für unlogische Schlussfolgerungen.

Das Risiko für Darmkrebs mit frühem Beginn steigt nicht an, w e i l sondern w ä h r e n d der Fernseher läuft.

Die Schlussfolgerung: "Conclusion - Independent of exercise and obesity, prolonged sedentary TV viewing time, a surrogate for a more inactive lifestyle, was associated with increased risk of young-onset CRC, particularly of the rectum. These findings provide further evidence on the importance of maintaining an active lifestyle" ist in sich unlogisch.

Wenn u n a b h ä n g i g von körperlicher Betätigung und Adipositas/Obesitas verlängertes Sitzen vor dem laufenden Fernseher als Surrogat-Parameter für inaktiven Lebensstil mit erhöhtem Risiko von frühem "Colorectal Cancer", speziell im Rektum, sein soll...

Dann kann doch damit die Evidenz der Bedeutung, einen aktiven Lebensstil beizubehalten, gar nicht unterstützt werden. Denn das Risiko besteht doch wie eingangs betont, wohl u n a b h ä n g i g von körperlicher Betätigung und Adipositas/Obesitas.

Aus Tractatus logico-philosophicus des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889–1951):

2.02331 "Entweder ein Ding hat Eigenschaften, die kein anderes hat, dann kann man es ohne weiteres durch eine Beschreibung aus den anderen herausheben, und darauf hinweisen; oder aber, es gibt mehrere Dinge, die ihre sämtlichen Eigenschaften gemeinsam haben, dann ist es überhaupt unmöglich auf eines von ihnen zu zeigen.
Denn, ist das Ding durch nichts hervorgehoben, so kann ich es nicht hervorheben, denn sonst ist es eben hervorgehoben."
https://tractatus-online.appspot.com/Tractatus/jonathan/D.html

"Publish or Perish" bedeutet bildlich übersetzt "Veröffentliche oder Verrecke". Doch Publikationen sollten nicht um den Preis unlogischer Gedanken erfolgen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[21.03.2019, 10:53:28]
Kurt-Michael Walter 
Rauchen ist tödlich! 

Rauchen ist tödlich: Das können selbst die Zigarettenhersteller, wie z. B. Philip Morris, nicht mehr leugnen. Also haben sie einen milliardenschweren Plan entwickelt, um ihr Image zu retten - und ihre Gewinne.

Damit dieser Plan aufgeht und in Kampagnen umgesetzt wird hat die Philip Morris GmbH,Hamburg, Herrn Dr. Alexander Nussbaum zum Senior Manager Scientific & Medical Affairs ernannt und mit der Planumsetzung betraut.

So ist auch die fragwürdige o. b. Studie (Umfrage) des Marktforschungsinstituts Psyma Health & Care entstanden. Über die gesundheitsschädlichen Aussagen der Studie muss hier nicht gestritten werden denn die sind seit Jahrzehnten bekannt.

Gestritten werden muss aber über die "Art und Weise" wie der Philip Morris Konzern seine neuen Produkte bewirbt. Tabakerhitzer (E-Zigarette) und Kautabak sind mit nichten risikoreduzierende Produkte sondern genauso gesundheitsschädlich wie die Tabakprodukte (z. B. Zigaretten) des Tabakkonzerns!

Die Aussage, dass bei staatlich ausgebildeten Pflegern und Krankenschwestern "mangelndes Wissen über die Schädlichkeit des Rauchens" vorliege ist dümmlich und falsch ohne einen reproduzierbaren journalistischen Nachweis die lediglich auf einer fragwürdigen Umfrage stammt.

Fazit: "Schlecht gemachte Studien sind schädlich fürs Image, Herr Dr. Nussbaum".

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[20.03.2019, 14:13:21]
Dr. Andreas Schnitzler 
Zeit zum Umdenken? 
(Vorab: man kann ziemlich geteilter Meinung darüber sein, was ausgerechnet Tabakhersteller da aus welchen Gründen auch immer so feilbieten.)

ABER:

»Die Anzahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen steigt weiter an und erreichte letztes Jahr den Wert von 11,2 Fällen pro 100 Mitglieder.« (https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/praevention/article/970880/aok-fehlzeiten-report-2018-beruf-mag-seltener-krank.html)

Hingegen:

»Aus Tierversuchen könnte abgeleitet werden, dass Nikotin Gedächtnisleistungen fördert und das aggressive Verhalten vermindert [46]. Auch Raucher bestätigen, dass es durch die ersten am Tage gerauchten Zigaretten zu einer allgemeinen Relaxation, insbesondere in Stresssituationen, kommt [76].« (Haustein KN: Tabakabhängigkeit. Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2001.)

Wäre also vorstellbar, "Rauchverhalten" (quasi als Mittel zur "Entschleunigung") auch einmal unter nicht rein somatischen Aspekten zu betrachten?

Oder was könnte man – allem voran in "didaktischer" Hinsicht – alternativ zu (offensichtlich nicht durchgreifend wirksamen) abgenutzten Horrorszenarien, Verboten und Schikanen anbieten?

Ich erinnere da die "AIDS-Kampagne": anstelle den Menschen mit Begriffen wie "Homosexuellen-Seuche" (DER SPIEGEL 23/1983) und ähnlichem zu begegnen, wurde meines Erachtens konsequent auf

- MENSCHLICHE WERTSCHÄTZUNG und

- SACHLICHE Aufklärung

gesetzt...


Ich MEINE, dass die Erfolge da nicht ganz schlecht waren. Zeit zum Umdenken?
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